Kolumne vom Meteorologen Dominik Jung
Potenziell gefährlich: Giftige Riesenwolke zieht nach Europa – Auswirkungen drohen auch in Deutschland
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Eine Kohlenmonoxid-Wolke aus Kanadas Feuern rast über den Atlantik – Experten warnen vor möglichen Folgen bei uns. Eine Wetter-Kolumne von Dominik Jung.
Manitoba – Die Waldbrände in Kanada haben erneut ein verheerendes Ausmaß angenommen. Satellitenbilder zeigen eine gewaltige Kohlenmonoxid-Wolke, die sich inzwischen von Nordamerika aus über den Atlantik bewegt – und auf direktem Weg nach Europa ist.
Auch Deutschland könnte betroffen sein: Laut aktuellen Prognosen trifft die Wolke am kommenden Wochenende voraussichtlich auf Mitteleuropa. „Was wir hier sehen, ist eine der massivsten CO-Ausbreitungen seit Jahren – sie ist riesig, langlebig und potenziell gefährlich“, erklärt Meteorologin Kathy Schrey von wetter.net. „Besonders in der Höhe bleibt das Gas lange stabil und kann weite Strecken zurücklegen.“ Anfang des Jahres zeigten sich die Waldbrände auch in den USA erbarmungslos.
Wetter begünstigt Brände in Kanada – Gaswolke taucht in Messdaten auf
Die Ursache liegt in den aktuellen Rekord-Waldbränden, die im Westen Kanadas wüten. Millionen Hektar Wald stehen in Flammen, angefacht durch extreme Trockenheit, Hitze und heftige Winde. Die dabei entstehenden Rauchmassen enthalten nicht nur sichtbare Rußpartikel, sondern auch gefährliche Gase wie Kohlenmonoxid (CO). Dieses Gas ist unsichtbar, geruchlos – und extrem langlebig in der Atmosphäre. In hohen Luftschichten kann es tausende Kilometer zurücklegen, ohne sich aufzulösen. Die aktuelle CO-Wolke ist so mächtig, dass sie selbst über dem Atlantik deutlich in den Messdaten der NASA und des europäischen Copernicus-Programms auftaucht.
CO-Wolke in der Atmosphäre: Müssen wir uns Sorgen machen?
Obwohl sich das Kohlenmonoxid in großen Höhen konzentriert, kann es indirekt auch bei uns spürbare Auswirkungen haben. Zwar ist die Konzentration am Boden nicht unmittelbar gesundheitsgefährdend, doch Fachleute beobachten mögliche Effekte auf das Wettergeschehen. Die CO-Wolke beeinflusst die Strahlungsbilanz der Atmosphäre, was lokale Wetterlagen verändern oder verstärken könnte.
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Besonders bei länger anhaltender Sonneneinstrahlung kann sich die Luftqualität verschlechtern – etwa durch verstärkten Ozonabbau oder eine Zunahme von Feinstaub. Menschen mit Atemwegserkrankungen sollten daher aufmerksam sein, vor allem wenn es zu ungewöhnlichen Himmelsphänomenen wie rötlichem Sonnenlicht oder diesigem Himmel kommt. Die nächsten Tage könnten also nicht nur spektakuläre Himmelsbilder liefern – sondern auch ein mahnendes Zeichen dafür sein, wie weitreichend die Folgen der Klimakrise sind. Auch Anfang des Jahres gab es bereits eine Warnung vor einer Giftwolke.
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