Verteidigung gegen Putins Angriff

Hrim-2: Details zu ukrainischer Rakete durchgesickert

  • Patrick Mayer
    VonPatrick Mayer
    schließen

Im Krieg mit Wladimir Putins russischen Truppen arbeiten die Ukrainer an ihrer ballistischen Rakete Hrim-2. Kiew kann offenbar Fortschritte verzeichnen.

Kiew – Die Ukraine will sich im Krieg mit dem Moskau-Regime aus Russland unabhängiger machen. Unabhängiger von westlichen Waffen-Lieferungen, zumindest in manchen Bereichen. So gilt die ballistische Kurzstreckenrakete Hrim-2 als großer militärischer Hoffnungsträger für Kiew.

Waffen im Ukraine-Krieg: Kiew will bald ballistische Rakete Hrim-2 einsetzen

„Glauben Sie mir, es wird bald konkrete Ergebnisse geben, die nicht nur die Ukraine, sondern auch die Russische Föderation sehen wird“, erklärte kürzlich Yehor Chernev, der Vorsitzende der ukrainischen Delegation bei der Nato laut übereinstimmender Berichte des britischen The Telegraph und des amerikanischen Nachrichtenmagazins Newsweek.

Bereits 2016 hatte die Ukraine die Entwicklung der fahrzeuggebundenen Kurzstreckenrakete Hrim-2 angekündigt, nachdem die völkerrechtswidrige Annexion der Schwarzmeer-Halbinsel Krim durch die Russen im Frühjahr 2014 und die Aufstände der prorussischen Separatisten im Donbass (ab Sommer 2014) den militärischen Druck auf das geschundene Land erhöht hatten. Bis heute wurde Hrim-2 im Ukraine-Krieg nicht fertiggestellt. Doch: Das soll sich angeblich bald ändern.

Verluste für Russland: Hrim-2 soll die Ukraine gegen Putin unabhängiger machen

Das Waffenprojekt ist hochgradig ambitioniert und greift auf Ressourcen zurück, die wohl noch aus der früheren Sowjetunion (bis 1991) stammen. Das ukrainische Entwicklungsbüro KB Juschnoje, das mit der Konstruktion von Hrim-2 beauftragt wurde, gibt es schon seit 1951. Im Kalten Krieg arbeitete es für das damals kommunistische Moskau und war unter anderem maßgeblich an der Entwicklung interkontinentaler ballistischer Raketen der Sowjets beteiligt. Reihenweise gewaltige Raketen zur Abschreckung (oder Bedrohung) der Verteidigungsallianz Nato gingen auf das Konstruktionsbüro aus der ukrainischen Großstadt Dnipro zurück, das sich heute dagegen mutmaßlich sehr eng mit den Ingenieuren aus den Reihen der Nato austauscht.

Das Ambitionierte an dem Raketenprojekt: Die Hrim-2 soll den Fähigkeiten der russischen 9K720 Iskander entsprechen. Mit der wuchtigen Iskander hatten die russischen Streitkräfte den Ukrainern in den vergangenen zweieinhalb Jahren schwere Verluste zugefügt. Unter anderem soll die 7,28 Meter lange Iskander mit einem Durchmesser von immerhin 1,5 Metern für den Verlust eines militärisch wertvollen HIMARS-Mehrfachraketenwerfers auf Seiten Kiews verantwortlich sein. Um die Größenordnung zu veranschaulichen.

Panzer, Drohnen, Luftabwehr: Waffen für die Ukraine

Die Bundeswehr nutzt den Kampfpanzer Leopard in verschiedenen Varianten seit 1979. Bewaffnet mit einer 120-Millimeter-Kanone lassen sich in den jüngeren Modellen von vier Soldaten an Bord Ziele in einer Entfernung bis zu 5000 Metern bekämpfen. Die Ukraine erhält Panzer des Typs Leopard 2 A6. Das 62,5 Tonnen-Gefährt war bei seiner Einführung im Jahr 2001 als verbesserte Variante des A5 etwa mit neuer Hauptwaffe versehen worden. Das Modell A6M verfügt zudem über einen erhöhten Minenschutz.
Der US-Kampfpanzer M1 Abrams gleicht dem Leopard 2 in weiten Teilen. Den M1 Abrams gibt es seit 1980 in mittlerweile drei Hauptvarianten. Seit dem Modell M1A1 ist eine 120-Millimeter-Kanone an Bord. Die vier Insassen werden von einer Stahl-Panzerung vor Angriffen geschützt. Mit 1500 PS kommt der je nach Modell bis zu 74 Tonnen schwere Abrams auf eine Höchstgeschwindigkeit von knapp 68 Kilometern pro Stunde. Anders als der Leopard 2 wird der M1 Abrams über eine Gasturbine mit Kerosin angetrieben.
Die Hauptwaffe der US-amerikanischen Bradley-Schützenpanzer besteht aus einer 25-Millimeter-Maschinenkanone M242 Bushmaster, die zwischen 100 und 200 Schuss pro Minute verschießen kann. Zudem sind die gepanzerten Kettenfahrzeuge, die nach General Omar N. Bardley benannt sind, mit Maschinengewehren des Typs M240 sowie panzerbrechende Raketen ausgestattet. Die Besatzung umfasst bis zu zehn Soldaten: Fahrer, Kommandant, Richtschütze sowie bis zu sieben Soldaten als Infanterietrupp. Der Panzer wurde dafür konzipiert, im Verbund mit Panzerartillerie und Kampfhelikoptern zu operieren.
Beim AMX-10 RC aus Frankreich handelt es sich um einen amphibischen Spähpanzer. Der Panzer wird aufgrund seiner schwereren Panzerung und Bewaffnung hauptsächlich bei der Aufklärung eingesetzt. Ausgestattet ist er mit einer 105-Millimeter-Kanone, wodurch er auch als Panzerjäger verwendet werden kann. Die Besatzung besteht aus mindestens vier Soldaten. Bei einer Gefechtsmasse von 14,2 Tonnen ist der Panzer mit 85 km/h extrem mobil.
Panzer, Drohnen, Luftabwehr: Waffen für die Ukraine

Ballistische Rakete der Ukraine: Präsident Wolodymyr Selenskyj schildert Fortschritte

Anfang Oktober hatte der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj erzählt, dass die „neue ballistische Rakete“ seines Landes Flugtests bestanden habe. Den Namen der offenbar mehrere Meter langen Hrim-2 erwähnte der 46-jährige Politiker explizit nicht. Schon im August hatte Selenskyj dagegen geschildert, dass die Ukraine eine im Inland hergestellte ballistische Rakete getestet habe und die Ergebnisse dieser Tests „positiv“ ausgefallen seien. Auch damals blieb der Widersacher von Kreml-Autokrat Wladimir Putin verklausuliert.

Jacob Parakilas, ein sicherheitspolitischer Experte der britischen Denkfabrik RAND Europem, schätze die wahrscheinliche Reichweite der Hrim-2, die wohl ein Feststoffraketentriebwerk hat, im Gespräch mit Newsweek auf 300 Meilen (ca. 483 km) ein. Also auf rund 480 Kilometer. Daraus ließe sich Moskau aus sicherer Entfernung für das Startfahrzeug auf Basis eines militärischen Lastkraftwagens hinter der ukrainischen Front nicht angreifen.

Ukraine-Krieg: Ziele von Putins Armee in Russland liegen wohl in Reichweite

Laut Parakilas wären jedoch große Munitionsdepots und Luftwaffen-Stützpunkte im äußersten Westen Russlands mögliche Ziele, oder russische Kommandozentralen auf besetzten Gebieten der Ukraine. Auch die Krim wäre etwa von der südukrainischen Region Cherson aus theoretisch in Reichweite der Hrim-2. Während die Entsendung nordkoreanischer Soldaten Kim Jong-uns in Putins russische Armee zuletzt im Ukraine-Krieg für viel Geheimniskrämerei gesorgt hatte, geht auch das Rätselraten um den möglichen Start der Kurzstreckenrakete Hrim-2 mit ihrem (kolportierten) 480-Kilogramm-Splittergefechtskopf weiter. (pm)

Rubriklistenbild: © Screenshot X@AndySch64494719