Konträre Aussagen der Slowakei

Ukraine unter „totaler Kontrolle der Vereinigten Staaten“ – Slowakischer Regierungschef Fico provoziert

  • VonLisa Mahnke
    schließen

Vor seinem Besuch in der Ukraine stichelt der slowakische Ministerpräsident. Man einigt sich auf Pragmatik. In Berlin folgt dann die Überraschung.

Uschhorod – Der slowakische Regierungschef Robert Fico traf sich am Mittwoch (24. Januar) nicht in Kiew mit dem ukrainischen Ministerpräsidenten Denys Schmyhal, sondern in Uschhorod, an der Grenze zur Slowakei. Obwohl Kiew und andere ukrainische Städte nur wenige Stunden zuvor einer neuen Welle russischer Raketenangriffe ausgesetzt waren, ist sich Fico laut der dpa sicher: „Gehen Sie hin und Sie werden feststellen, dass in dieser Stadt normales Leben herrscht, ein absolut normales Leben.“

„Glauben Sie wirklich, dass in Kiew Krieg herrscht? Das kann nicht Ihr Ernst sein?“, fragte der seit dem Herbst amtierende slowakische Ministerpräsident. Bei einer Pressekonferenz erklärte Fico, der Konflikt sei lokal begrenzt. Das war allerdings nicht der alleinige Grund für den Ort des Treffens: Es sei auch praktischer.

Kurswechsel der Slowakei: Kompromiss und humanitäre Hilfe statt Kriegslieferungen

Der Ministerpräsident hat seit Beginn seiner Amtszeit einen außenpolitischen Kurswechsel vollzogen: Er ist gegen Sanktionen gegen Russland und gegen Militärhilfen für die Ukraine. Der vorherige Ministerpräsident stand militärischer Unterstützung offen gegenüber. Fico ist der Ansicht, der Krieg verlängere sich durch die Hilfen nur. Er möchte stattdessen ein „Angebot humanitärer Hilfe“ machen.

Dem RTVS erklärte er, die Ukraine sei „kein unabhängiges und souveränes Land“ und forderte einen „Kompromiss“ im Ukraine-Krieg. Der überwiegend prorussisch angesehene Fico stellte sich gegen die Einstellung, Ukraine müsse für Sicherheit in Europa gewinnen: „Was erwarten sie? Dass Russland Donbas und Luhansk verlassen wird? Oder dass sie die Krim verlassen? Nein, das ist komplett unrealistisch. Jeder weiß das.“

Zuerst stichelt der slowakische Ministerpräsident Robert Fico, dann wird sich auf Pragmatismus geeinigt. In Berlin spricht Fico sich überraschend für die EU-Politik aus.

Es sind drei Regionen, in denen Russland bereits 2014 die Kontrolle übernommen hat. Die Ukraine sei währenddessen seit 2014 unter „totaler Kontrolle der Vereinigten Staaten“. Der slowakische Ministerpräsident wandte sich auch gegen eine NATO-Mitgliedschaft der Ukraine: „Ich werde dagegen ein Veto einlegen, denn das Einzige, wozu das führen würde, wäre ein Dritter Weltkrieg.“

Slowakei und Ukraine pragmatisch – in Berlin folgt die überraschende Unterstützung der EU-Politik zur Ukraine

Die Ukraine sprach sich trotz der Aktionen von Fico für „pragmatische Beziehungen“ aus. Schmyhal erklärte laut dpa bei dem Treffen der beiden Ministerpräsidenten: „Trotz der Meinungsverschiedenheiten beabsichtigen wir, mit der Slowakei eine Politik des Pragmatismus zu verfolgen.“ Der ukrainische Ministerpräsident setzt auf „einen konstruktiven Dialog“. Unmittelbar nach dem Treffen reiste Fico nach Berlin weiter, um am Abend von Olaf Scholz (SPD) empfangen zu werden.

Panzer, Drohnen, Luftabwehr: Waffen für die Ukraine

Die Bundeswehr nutzt den Kampfpanzer Leopard in verschiedenen Varianten seit 1979. Bewaffnet mit einer 120-Millimeter-Kanone lassen sich in den jüngeren Modellen von vier Soldaten an Bord Ziele in einer Entfernung bis zu 5000 Metern bekämpfen. Die Ukraine erhält Panzer des Typs Leopard 2 A6. Das 62,5 Tonnen-Gefährt war bei seiner Einführung im Jahr 2001 als verbesserte Variante des A5 etwa mit neuer Hauptwaffe versehen worden. Das Modell A6M verfügt zudem über einen erhöhten Minenschutz.
Der US-Kampfpanzer M1 Abrams gleicht dem Leopard 2 in weiten Teilen. Den M1 Abrams gibt es seit 1980 in mittlerweile drei Hauptvarianten. Seit dem Modell M1A1 ist eine 120-Millimeter-Kanone an Bord. Die vier Insassen werden von einer Stahl-Panzerung vor Angriffen geschützt. Mit 1500 PS kommt der je nach Modell bis zu 74 Tonnen schwere Abrams auf eine Höchstgeschwindigkeit von knapp 68 Kilometern pro Stunde. Anders als der Leopard 2 wird der M1 Abrams über eine Gasturbine mit Kerosin angetrieben.
Die Hauptwaffe der US-amerikanischen Bradley-Schützenpanzer besteht aus einer 25-Millimeter-Maschinenkanone M242 Bushmaster, die zwischen 100 und 200 Schuss pro Minute verschießen kann. Zudem sind die gepanzerten Kettenfahrzeuge, die nach General Omar N. Bardley benannt sind, mit Maschinengewehren des Typs M240 sowie panzerbrechende Raketen ausgestattet. Die Besatzung umfasst bis zu zehn Soldaten: Fahrer, Kommandant, Richtschütze sowie bis zu sieben Soldaten als Infanterietrupp. Der Panzer wurde dafür konzipiert, im Verbund mit Panzerartillerie und Kampfhelikoptern zu operieren.
Beim AMX-10 RC aus Frankreich handelt es sich um einen amphibischen Spähpanzer. Der Panzer wird aufgrund seiner schwereren Panzerung und Bewaffnung hauptsächlich bei der Aufklärung eingesetzt. Ausgestattet ist er mit einer 105-Millimeter-Kanone, wodurch er auch als Panzerjäger verwendet werden kann. Die Besatzung besteht aus mindestens vier Soldaten. Bei einer Gefechtsmasse von 14,2 Tonnen ist der Panzer mit 85 km/h extrem mobil.
Panzer, Drohnen, Luftabwehr: Waffen für die Ukraine

Dort kam die Überraschung: Der slowakische Ministerpräsident erklärte die Unterstützung für das 50-Milliarden-Paket der EU, nachdem er dem ukrainischen Regierungschef nur zugesichert hatte, ukrainische Waffenkäufe bei Privatfirmen zu behindern. Auch die EU-Integration soll jedoch durch die Slowakei befürwortet werden, so hieß es in der gemeinsamen Erklärung. Fico gab an, jede mögliche Friedensinitiative zu befürworten, und hielt daran fest, dass der Krieg eingefroren sei. „Da stelle ich mir die Frage: Was für eine Veränderung kommt 2025? Die einzige Veränderung wird sein, dass wir viel mehr Opfer und viel mehr Tote haben werden.“, so Fico laut dpa.

Kreml-Sprecher Peskow bemerkt Rückgang der Ukraine-Hilfsleistungen

Für Kreml-Sprecher Dmitri Peskow ist die Lage ebenfalls klar, er bezeichnet die Ukraine als Verlierer des Kriegs. Für den Westen sei die Unterstützung es Landes „eine Investition, die geplatzt ist“, erklärte Peskow am Dienstag. Der Sprecher stellte auch den Rückgang von Hilfslieferungen heraus: „Sie haben aufgehört, ihm Geld zu geben, im Ausland gibt es nicht genug Granaten für ihn und er hat innenpolitische Probleme.“

Im Westen wird währenddessen versucht, weitere Hilfe in den Gang zu bringen – allerdings mit Hindernissen. Im Kongress der USA blockieren oppositionelle Republikaner die Entscheidung, in der an Einstimmigkeit gebundenen EU stellte sich Ungarn, ein Verbündeter der Slowakei, gegen ein Hilfspaket für Kiew, das 50 Milliarden Euro über vier Jahre beinhaltet.

Nicht nur schlechte Nachrichten: Polen-Präsident Donald Tusk sicher Ukraine Unterstützung

Für die Ukraine gab es allerdings auch gute Nachrichten. Der neue polnische Ministerpräsident Donald Tusk traf Wolodymyr Selenskyj in Kiew, um über eine gemeinsame Waffenproduktion zu reden. In einer Pressemitteilung von Selenskyjs Büro nannte man den Vorschlag „eine neue Form unserer Kooperation – abgezielt auf eine größere Menge von Waffenkäufen für die ukrainischen Bedürfnisse“.

Polen würde laut Tusk die Ukraine auch in dem EU-Eintrittsverfahren helfen, „damit die volle Mitgliedschaft der Ukraine in der Europäischen Union so schnell wie möglich zur Tatsache wird“. Sie zeigten sich zuversichtlich, langfristige Lösungen finden zu können, auch für die Getreideexporte. (lismah)

Rubriklistenbild: © picture alliance/dpa | Kay Nietfeld