Unterstützung für Harris
„Irrsinn“ nach Kapitol-Sturm: Grisham spricht auf Demokraten-Parteitag
VonFranziska Schwarzschließen
Eine ehemalige Pressesprecherin von Donald Trump setzt sich vor der US-Wahl für Kamala Harris ein. Ihre Motive sind anscheinend vielfältig.
Chicago – Stephanie Grisham war von 2017 bis 2019 Pressesprecherin der ehemaligen First Lady Melania Trump, bevor sie rund neun Monate lang den Posten der Pressesprecherin von Donald Trump übernahm. Anschließend war sie erneut Sprecherin von dessen Ehefrau. Damit dürfte sie jetzt also eine Unterstützerin der Republikaner bei der US-Wahl sein? Nein.
Bilder einer Karriere: Kamala Harris strebt Präsidentenamt in den USA an




Beim Parteitag der Demokraten in Chicago hat Grisham jetzt der Präsidentschaftskandidatin der Demokraten, Kamala Harris, ihre Unterstützung ausgesprochen. „Sie respektiert das amerikanische Volk“, sagte sie. „Und sie hat meine Stimme.“ Weiter sagte Grisham, sie habe Trump früher glühend unterstützt. „Ich war eine seiner engsten Beraterinnen. Die Familie Trump wurde zu meiner Familie.“ Sie habe Ostern, Thanksgiving, Weihnachten und Neujahr mit den Trumps verbracht.
US-Wahl: Grisham hält Trump-kritische Rede bei Demokraten-Parteitag in Chicago
Dann wurde ihre Rede allerdings schärfer. „Ich habe ihn gesehen, wenn die Kameras ausgeschaltet waren“, erzählte sie mit Blick auf den Ex-Präsidenten. „Hinter verschlossenen Türen verhöhnt Trump seine Anhänger.“ Er habe kein Einfühlungsvermögen, keine Moral und keine Treue zur Wahrheit. Trump würde seine Fans „Kellerbewohner“ nennen, sagte sie.
6. Januar 2021 - der Sturm aufs Kapitol in Bildern




Trump habe ihr immer gesagt: „Es ist egal, was du sagst, Stephanie, sag‘ es oft genug und die Leute werden dir glauben.“ Es sei aber wichtig, was jemand sage und was nicht, mahnte Grisham. Nach der Attacke auf das US-Kapitol durch Trump-Anhänger sei sie zurückgetreten, weil sie nicht mehr „Teil dieses Irrsinns“ habe sein wollen.
Ex-Trump-Sprecherin Grisham trat nach Kapitol-Sturm an First Lady Melania heran
„Es ist egal, was du sagst, Stephanie – wenn du es oft genug sagst, werden dir die Leute glauben“, habe er ihr einmal erklärt, schreibt der US-Sender NBC. Außerdem heißt es in dem Bericht: Grisham habe Melania Trump kurz nach dem Kapitol-Sturm gebeten, zu twittern, dass zwar alle Amerikaner ein Recht auf friedlichen Protest habe, es aber „keinen Platz für Gesetzlosigkeit oder Gewalt“ gebe. Melania Trump habe nur mit „Nein“ geantwortet, zitiert NBC Grisham. „Ich war die erste leitende Mitarbeiterin, die an diesem Tag zurücktrat“, sagte sie weiter.
Nach ihrem Ausstieg aus der Trump-Regierung hatte Grisham ein Buch veröffentlicht und ist seitdem eine offene Kritikerin des früheren Präsidenten. Beim Demokraten-Parteitag trat auch ein ehemaliger Trump-Wähler auf die Bühne, der berichtete, wie er sich aus Frust über dessen Handelspolitik von dem Republikaner abgewandt habe. Nun wolle er für Harris stimmen, sagte er. Auch Trumps früherer Anwalt und „Ausputzer“ Michael Cohen war beim Demokraten-Parteitag – allerdings nicht auf der Bühne. (frs)
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