Unterstützung für Harris

„Irrsinn“ nach Kapitol-Sturm: Grisham spricht auf Demokraten-Parteitag

  • Franziska Schwarz
    VonFranziska Schwarz
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Eine ehemalige Pressesprecherin von Donald Trump setzt sich vor der US-Wahl für Kamala Harris ein. Ihre Motive sind anscheinend vielfältig.

Chicago – Stephanie Grisham war von 2017 bis 2019 Pressesprecherin der ehemaligen First Lady Melania Trump, bevor sie rund neun Monate lang den Posten der Pressesprecherin von Donald Trump übernahm. Anschließend war sie erneut Sprecherin von dessen Ehefrau. Damit dürfte sie jetzt also eine Unterstützerin der Republikaner bei der US-Wahl sein? Nein.

Bilder einer Karriere: Kamala Harris strebt Präsidentenamt in den USA an

Mit dem Verzicht von Joe Biden auf die Kandidatur der Demokraten rückt seine Stellvertreterin Kamala Harris vor der US-Wahl 2024 in den Fokus.
Nachdem die Demokraten die Vizepräsidentin aufgestellt haben, hat Harris die Chance, als erste Frau in der Geschichte der USA das Präsidentenamt zu übernehmen. Damit wäre sie die mächtigste Frau der Welt.
Harris wurde am 20. Oktober 1964 in Oakland im Bundesstaat Kalifornien geboren. Ihr Vater war aus Jamaika in die USA eingewandert, um Wirtschaft zu studieren. Ihre Mutter, eine 2009 verstorbene Brustkrebsforscherin, kam aus Indien in die USA. Sie kam aus Indien und lernte Harris‘ Vater in den 60er Jahren in den USA kennen. 
Harris und ihre jüngere Schwester Maya wuchsen bei ihrer Mutter auf, zeitweise lebten sie im kanadischen Montreal. „Sie erzog uns zu stolzen, starken Schwarzen Frauen. Und sie hat uns beigebracht, unser indisches Erbe zu kennen und darauf stolz zu sein“, sagte Harris 2020 in einer Rede. Darin betonte sie auch, dass die USA einen Präsidenten brauchten, „der uns alle zusammenbringt – Schwarze, Weiße, Latinos, Asiaten, Indigene – um die Zukunft zu erreichen, die wir gemeinsam wollen“.
Bilder einer Karriere: Kamala Harris strebt Präsidentenamt in den USA an

Beim Parteitag der Demokraten in Chicago hat Grisham jetzt der Präsidentschaftskandidatin der Demokraten, Kamala Harris, ihre Unterstützung ausgesprochen. „Sie respektiert das amerikanische Volk“, sagte sie. „Und sie hat meine Stimme.“ Weiter sagte Grisham, sie habe Trump früher glühend unterstützt. „Ich war eine seiner engsten Beraterinnen. Die Familie Trump wurde zu meiner Familie.“ Sie habe Ostern, Thanksgiving, Weihnachten und Neujahr mit den Trumps verbracht.

US-Wahl: Grisham hält Trump-kritische Rede bei Demokraten-Parteitag in Chicago

Dann wurde ihre Rede allerdings schärfer. „Ich habe ihn gesehen, wenn die Kameras ausgeschaltet waren“, erzählte sie mit Blick auf den Ex-Präsidenten. „Hinter verschlossenen Türen verhöhnt Trump seine Anhänger.“ Er habe kein Einfühlungsvermögen, keine Moral und keine Treue zur Wahrheit. Trump würde seine Fans „Kellerbewohner“ nennen, sagte sie.

6. Januar 2021 - der Sturm aufs Kapitol in Bildern

Donald Trump bei seiner Rede am 6. Januar 2021 in Washington DC
Tausende Menschen finden sich am 6. Januar auf den Stufen des Kapitols in Washington DC ein
Ein Galgen, wohl für Mike Pence, ist vor den Stufen des Kapitols in Washington DC am 6. Januar zu sehen.
Der Maga-Mob prügelt sich am 6. Januar vor dem Kapitol in Washington DC mit der Polizei
6. Januar 2021 - der Sturm aufs Kapitol in Bildern

Trump habe ihr immer gesagt: „Es ist egal, was du sagst, Stephanie, sag‘ es oft genug und die Leute werden dir glauben.“ Es sei aber wichtig, was jemand sage und was nicht, mahnte Grisham. Nach der Attacke auf das US-Kapitol durch Trump-Anhänger sei sie zurückgetreten, weil sie nicht mehr „Teil dieses Irrsinns“ habe sein wollen. 

Ex-Trump-Sprecherin Grisham trat nach Kapitol-Sturm an First Lady Melania heran

„Es ist egal, was du sagst, Stephanie – wenn du es oft genug sagst, werden dir die Leute glauben“, habe er ihr einmal erklärt, schreibt der US-Sender NBC. Außerdem heißt es in dem Bericht: Grisham habe Melania Trump kurz nach dem Kapitol-Sturm gebeten, zu twittern, dass zwar alle Amerikaner ein Recht auf friedlichen Protest habe, es aber „keinen Platz für Gesetzlosigkeit oder Gewalt“ gebe. Melania Trump habe nur mit „Nein“ geantwortet, zitiert NBC Grisham. „Ich war die erste leitende Mitarbeiterin, die an diesem Tag zurücktrat“, sagte sie weiter.

Seine Ex-Sprecherin Stephanie Grisham (l., Bildmontage) zeigt sich auf dem Demokraten-Parteitag in Chicago enttäuscht vom Republikaner Donald Trump.

Nach ihrem Ausstieg aus der Trump-Regierung hatte Grisham ein Buch veröffentlicht und ist seitdem eine offene Kritikerin des früheren Präsidenten. Beim Demokraten-Parteitag trat auch ein ehemaliger Trump-Wähler auf die Bühne, der berichtete, wie er sich aus Frust über dessen Handelspolitik von dem Republikaner abgewandt habe. Nun wolle er für Harris stimmen, sagte er. Auch Trumps früherer Anwalt und „Ausputzer“ Michael Cohen war beim Demokraten-Parteitag – allerdings nicht auf der Bühne. (frs)

Rubriklistenbild: © Joe Lamberti/Charly Triballea/AFP/Montage: IPPEN.MEDIA