In Krisenraum geeilt

Plötzliche Gefahrenlage? Biden unterbricht abrupt Israel-Rede – Video zeigt Situation

  • Stephanie Munk
    VonStephanie Munk
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In Syrien haben pro-iranische Gruppen offenbar mehrere US-Militärbasen beschossen. Präsident Biden brach urplötzlich eine Rede ab, um in den Krisenraum zu eilen.

Washington, D.C. – US-Präsident Joe Biden sprach am Montagabend zur Lage in Israels, forderte die Freilassung von Geiseln der Hamas und lehnte eine Waffenruhe im Gaza-Streifen ab – da geschah plötzlich etwas Unerwartetes: Der 80-Jährige brach seine Rede ab. „Ich entschuldige mich, ich muss in den Situation Room, es gibt eine Angelegenheit, um die ich mich kümmern muss“, erklärte Biden unvermittelt. Der Situation Room ist der Krisenraum im Weißen Haus. In den sozialen Medien kursiert ein Video der Szene.

US-Präsident Joe Biden (Archivbild) unterbrach eine Rede zum Krieg in Israel.

Biden bricht Rede zu Israel und Gaza ab – Stecken Drohnenangriffe dahinter?

Was der Grund für seinen spontanen Abgang war, ist bisher nicht bekannt. Biden verlor darüber keine weiteren Worte. Möglicherweise stecken jedoch Angriffe auf Militärbasen der USA am Montagabend (23. Oktober) in Syrien dahinter, über die mehrere Medien berichteten. Der US-Sender Fox News schreibt von einem Drohnenangriff auf den US-Militärstützpunkt Al-Tanf in Syrien, nahe der Grenze zu Jordanien und zum Irak. Dazu bekannt habe sich eine vom Iran unterstützte iranische Gruppe, der „Islamische Widerstand im Irak“. Laut dem US-Sender sollen sie von Irak aus zwei Drohnen auf die US-Kaserne abgefeuert haben. Verletzt wurde offenbar niemand.

Die Times of Israel berichtet von zwei weiteren Attacken am Montagabend auf US-Stützpunkte in Syrien. Die Rede ist von Drohnenangriffen auf dem größten amerikanischen Stützpunkt auf dem Al-Omar-Ölfeld sowie dem Stützpunkt Al-Shadaddi im Nordosten Syriens.

Bereits in den vergangenen Tagen hatte es Drohnenattacken auf US-Truppen in Syrien und im Irak gegeben. Immer mehr pro-iranische Milizen steigen in den Krieg in Israel und im Gazastreifen ein. Am Freitag (20. Oktober) wurden vier solcher Angriffe gemeldet, ein ziviler Mitarbeiter starb dabei, mehrere US-Soldaten wurden verletzt.

Biden bricht Rede zu Israel plötzlich ab – Weißes Haus äußert sich

Ob Bidens abrupter Abbruch seiner Rede etwas mit den neuesten Attacken zu tun hat, ist unklar. Das Weiße Haus gab kurz darauf auf der Plattform X bekannt, Biden sei bei einer normalen Sitzung gewesen und teilte ein Bild des US-Präsidenten mit dessen Vize-Präsidentin Kamala Harris im Situation Room mit dem Text: „Präsident Biden und Vizepräsident Harris wurden heute von ihrem nationalen Sicherheitsteam über die neuesten Entwicklungen in Israel und Gaza informiert.“ Den plötzlichen Abbruch der Rede erklärt dies nicht – eigentlich wollte Biden noch zur US-amerikanischen Wirtschaft sprechen, dazu kam es dann aber nicht mehr.

Der Situation Room im Weißen Haus ist ein Lagebesprechungsraum des US-Präsidenten und das Zentrum für verschlüsselte Kommunikation. Er ist rund um die Uhr von sogenannten Watch Teams bewacht, die nationale und internationale Ereignisse beobachten. Weltberühmt wurde ein Foto aus dem Situation Room von 2011, auf dem unter anderem US-Präsident Barack Obama und Außenministerin Hillary Clinton zu sehen sind, die gebannt eine Mission zur Tötung von Osama bin Laden beobachten.

Joe Biden: Leben und Karriere des 46. US-Präsidenten in Bildern

Joe Biden gehört seit vielen Jahren zum Establishment der Demokratischen Partei und blickt auf eine lange politische Karriere zurück. Bei der US-Wahl 2020 ist es ihm im dritten Anlauf endlich gelungen, sein großes Ziel zu erreichen: Biden ist zum 46. Präsidenten der USA gewählt worden. Es war die Krönung eines jahrzehntelangen Politikerlebens, in dem er auch schwere Schicksalsschläge zu verkraften hatte.
Joseph „Joe“ Robinette Biden, Jr. wurde am 20. November 1942 in Scranton (Pennsylvania) geboren. Nach einem Studium der Rechtswissenschaften begann der Jurist Ende der 60er-Jahre, sich politisch zu engagieren. Zunächst ließ er sich im US-Bundesstaat Delaware als Unabhängiger registrieren – weil er weder den republikanischen Präsidenten Richard Nixon noch den demokratischen Gouverneur Charles Terry ausstehen konnte. Um die Lage nach der Ermordung von Martin Luther King im April 1968 zu beruhigen, hatte Terry die Nationalgrade zu Hilfe gerufen. Für Biden wurde die Bürgerrechtsbewegung zum Auslöser seiner Politisierung.
Im Jahr 1972 trat Biden im Alter von nur 29 Jahren bei der Wahl zum US-Senat an. Er besiegte den langjährigen republikanischen Vertreter Cale Boggs und zog als einer der jüngsten Senatoren in den Kongress ein. Der Triumph wurde allerdings von einem schweren Autounfall am 18. Dezember 1972 überschattet, bei dem seine erste Ehefrau Neilia und Tochter Naomi ums Leben kamen. Die Söhne Beau und Hunter überlebten verletzt. Seinen Eid legte Biden im Januar 1973 am Krankenbett von Beau ab, dessen Bein immer noch im Streckverband war. 1977 heiratete Biden die Lehrerin Jill Tracy Jacobs. Aus dieser Ehe stammt Tochter Ashley.
Von 1973 bis 2009 saß Biden 36 Jahre lang als Vertreter des Bundesstaates Delaware im Senat. Er wohnte allerdings weiterhin in Wilmington (Delaware) und pendelte jeden Tag per Bahn nach Washington, D.C. 1994 war er maßgeblich an einem heute kontrovers diskutierten Gesetz zur Reform des Strafrechts und der Inneren Sicherheit beteiligt. Mitte der 90er sprach er sich für die Nato-Intervention in Bosnien-Herzegowina und die Bombardierung Serbiens im Kosovo-Krieg 1999 aus. Im Jahr 2002 stimmte er für die Irak-Resolution.
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Biden äußert sich in Rede zu Waffenruhe in Gaza und Geiseln der Hamas

In seiner Rede hatte Biden zuvor betont, dass Gespräche über einen Waffenstillstand im Gazastreifen nur dann stattfinden könnten, wenn die Hamas alle Geiseln frei lässt, die sie bei ihrem Großangriff auf Israel am 7. Oktober in den Gazastreifen verschleppt hat. „Die Geiseln müssen freigelassen werden, erst dann können wir reden“, sagte Biden im Weißen Haus auf die Frage, ob er einen Waffenstillstand unterstützen würde.

UN-Generalsekretär António Guterres hatte am Wochenende am Rande des Nahost-Gipfels in Kairo zu einem vorläufigen Ende der Kämpfe zwischen Israel und der Hamas aufgerufen. Die Europäische Union ist in der Frage uneins. Die US-Rüstungsindustrie plant unterdessen wegen des Konflikts offenbar mehr Munition für das Raketenabwehrsystem Iron Dome ein. (smu mit Material von AFP)

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