US-Präsident unter Beschuss

Schwere Bestechungsvorwürfe gegen Joe Biden – es geht um eine Millionensumme

Joe Biden geht durch ein Spalier von Soldatinnen
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Vorwürfe gegen den US-Präsidenten: Joe Biden soll vor einigen Jahren einen ukrainischen Konzern bestochen haben.
  • Marcus Giebel
    VonMarcus Giebel
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Joe Biden soll ein ukrainisches Unternehmen bestochen haben. Bislang sieht es jedoch nicht so aus, als müsste der US-Präsident Ermittlungen befürchten.

Washington, D.C. – Im Ukraine-Krieg stehen die USA eisern an der Seite des von Russland überfallenen Landes. Vor allem dank Staatsoberhaupt Joe Biden. Denn die Widerstände gegen die milliardenschweren Hilfspakete nehmen zu.

Auf einem ganz anderen Gebiet muss sich der US-Präsident derzeit unangenehme Fragen im Zusammenhang mit der Ukraine gefallen lassen. Es steht der Vorwurf im Raum, der 80-Jährige und sein Sohn Hunter Biden hätten je fünf Millionen US-Dollar vom ukrainischen Gaskonzern Burisma erpresst. Das US-Portal Newsweek schreibt in diesem Zusammenhang ebenfalls in Anführungsstrichen von „Nötigung“.

Offenbar sollen die Bidens das Geld als Belohnung für die guten Beziehungen zwischen Washington und Kiew verlangt haben. Zugetragen habe sich der Vorfall während der Vize-Präsidentschaft des jetzigen starken Mannes im Weißen Haus. Wirkliche Beweise zu den Vorwürfen gibt es demnach nicht. Doch sie stehen nun im Raum und könnten – wie so oft bei prominenten Personen – ein Eigenleben entwickeln. In dem Artikel wird erwähnt, die Kritik an den beiden Bidens stütze sich auf unbestätigte Behauptungen, die frühere Regierungen für unglaubwürdig befunden hätten.

Geriet schon beim Präsidentschaftswahlkampf 2020 ins Visier der Republikaner: Hunter Biden war einst im Verwaltungsrat von Burisma.

Biden und die Ukraine: Trump forderte 2019 von Selenskyj Ermittlungen gegen seinen Widersacher

Das auf Zypern sitzende Unternehmen Burisma geriet bereits in der Vergangenheit in die internationalen Schlagzeilen, denn im Mai 2014 stieg Hunter Biden in den Verwaltungsrat des Konzerns ein – der Sitz war extra geschaffen worden. Im US-Wahlkampf nutzte der damals amtierende US-Präsident Donald Trump die wirtschaftlichen Verstrickungen des Biden-Sohnes, um seinen Herausforderer zu verleumden. Bereits im Sommer 2019 bat er den damals frisch gewählten ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj darum, Ermittlungen gegen Biden junior aufzunehmen, wie später bekannt wurde.

Die sogenannte „Ukraine-Affäre“, die für Trump in einem Amtsenthebungsverfahren endete, fußte auf seiner Annahme, Hunter Biden habe seinen Einfluss geltend gemacht, um die ukrainische Regierung von Ermittlungen gegen Burisma abzuhalten. Zudem soll er beim Rücktritt des ukrainischen Generalstaatsanwalts Wiktor Schokin seine Hände im Spiel gehabt haben.

Joe Biden: Leben und Karriere des 46. US-Präsidenten in Bildern

Joe Biden gehört seit vielen Jahren zum Establishment der Demokratischen Partei und blickt auf eine lange politische Karriere zurück. Bei der US-Wahl 2020 ist es ihm im dritten Anlauf endlich gelungen, sein großes Ziel zu erreichen: Biden ist zum 46. Präsidenten der USA gewählt worden. Es war die Krönung eines jahrzehntelangen Politikerlebens, in dem er auch schwere Schicksalsschläge zu verkraften hatte.
Joseph „Joe“ Robinette Biden, Jr. wurde am 20. November 1942 in Scranton (Pennsylvania) geboren. Nach einem Studium der Rechtswissenschaften begann der Jurist Ende der 60er-Jahre, sich politisch zu engagieren. Zunächst ließ er sich im US-Bundesstaat Delaware als Unabhängiger registrieren – weil er weder den republikanischen Präsidenten Richard Nixon noch den demokratischen Gouverneur Charles Terry ausstehen konnte. Um die Lage nach der Ermordung von Martin Luther King im April 1968 zu beruhigen, hatte Terry die Nationalgrade zu Hilfe gerufen. Für Biden wurde die Bürgerrechtsbewegung zum Auslöser seiner Politisierung.
Im Jahr 1972 trat Biden im Alter von nur 29 Jahren bei der Wahl zum US-Senat an. Er besiegte den langjährigen republikanischen Vertreter Cale Boggs und zog als einer der jüngsten Senatoren in den Kongress ein. Der Triumph wurde allerdings von einem schweren Autounfall am 18. Dezember 1972 überschattet, bei dem seine erste Ehefrau Neilia und Tochter Naomi ums Leben kamen. Die Söhne Beau und Hunter überlebten verletzt. Seinen Eid legte Biden im Januar 1973 am Krankenbett von Beau ab, dessen Bein immer noch im Streckverband war. 1977 heiratete Biden die Lehrerin Jill Tracy Jacobs. Aus dieser Ehe stammt Tochter Ashley.
Von 1973 bis 2009 saß Biden 36 Jahre lang als Vertreter des Bundesstaates Delaware im Senat. Er wohnte allerdings weiterhin in Wilmington (Delaware) und pendelte jeden Tag per Bahn nach Washington, D.C. 1994 war er maßgeblich an einem heute kontrovers diskutierten Gesetz zur Reform des Strafrechts und der Inneren Sicherheit beteiligt. Mitte der 90er sprach er sich für die Nato-Intervention in Bosnien-Herzegowina und die Bombardierung Serbiens im Kosovo-Krieg 1999 aus. Im Jahr 2002 stimmte er für die Irak-Resolution.
Joe Biden: Leben und Karriere des 46. US-Präsidenten in Bildern

Bestechungsvorwürfe gegen Biden: Offenbar Gespräche mit Burisma-Gründer mitgeschnitten

Zurück in die Gegenwart. Das konservative US-Magazin The Federalist schreibt im Zusammenhang mit dem „Bestechungsgeld“ in Höhe von zehn Millionen US-Dollar, die Informationen würden von Personen stammen, „die mit der Untersuchung des Umgangs des FBI mit dem vertraulichen Personenbericht FD-1023 vertraut sind“. Es sei unklar, inwiefern ermittelt werde, denn laut den Quellen des Blattes würde das FBI weiterhin abblocken.

Es sollen 17 Tonbandaufnahmen vorliegen, die offenbar Gespräche von Burisma-Gründer Mykola Slotschewskyj – hier wird offiziell immer nur von einem Ausländer gesprochen – mit einem der Bidens – in 15 Fällen Hunter, in den anderen beiden Joe – wiedergeben. Diese Mitschnitte wurden laut Newsweek jedoch nur in einem FD-1023-Formular festgehalten – diese Art Hinweiszettel nutzt das FBI, um unbestätigte Behauptungen über Fehlverhalten zu dokumentieren. Da die Inhalte bislang nicht öffentlich gemacht wurden, werfen die Republikaner der Behörde vor, die Bidens zu decken.

Der stellvertretende FBI-Direktor Paul Abbate sagte demnach bei einer Befragung durch die republikanische Senatorin Marsha Blackburn aus Tennessee unter Eid, die in ihrem Besitz befindlichen Dokumente würden regelmäßig redigiert, „um Quellen und Methoden zu schützen“. Ob es diese Aufnahmen wirklich gibt und sie auch den kolportierten Inhalt haben, ist dem Artikel zufolge jedoch nicht gesichert.

Video: Fox News beschreibt Biden als „Möchtegern-Diktator“

Wirbel um Ukraine-Verstrickung von Biden: Auch Giuliani mischt mit

Chuck Grassley, Senator aus Iowa, bestätigte demnach zwar die Existenz der Aufnahmen. Einige Parteifreunde wollten dagegen nicht so weit gehen und zunächst einmal genau dies überprüfen lassen. Derweil behauptete der umstrittene einstige Trump-Anwalt Rudy Giuliani, dass er Zugang zu einem namentlich nicht genannten Whistleblower aus dem Konzern gehabt habe. Dieser hätte schon zum Zeitpunkt der ersten Anschuldigungen gegen die Bidens konkrete Beweise für deren Fehlverhalten parat gehabt. Mittlerweile sei diese Person jedoch unter „verdächtigen Umständen“ gestorben.

Die Washington Post betont derweil, die gleichen Behauptungen hinsichtlich der Bestechung seien schon vor drei Jahren dem damaligen Justizminister William Barr – also einem Trump-Vertrauten – bekannt gewesen. Zu einer Strafanzeige oder gar konkreten Ermittlungen sei es jedoch nicht gekommen.

Laut Newsweek erklärt das Weiße Haus wie auch bei früheren Anschuldigungen gegen Biden, es fehle an stichhaltigen Beweisen oder die Quellen seien nicht glaubwürdig.

Er soll auf den Tonbandaufnahmen mit den Bidens zu hören sein: Mykola Slotschewskyj gründete Burisma mit einem Geschäftspartner.

Biden reagiert dünnhäutig: „Warum stellen Sie so eine dumme Frage?“

Dass die Geschichte den US-Präsidenten jedoch nicht kaltlässt, verdeutlichte seine Reaktion während einer Pressekonferenz, bei der eigentlich der Verbraucherschutz vor versteckten Gebühren im Vordergrund gestanden hatte. Wie das US-Portal Mediaite berichtet, warf ein Reporter der New York Post die Frage in den Raum: „Warum wurden Sie in der Informantenakte zu Ukraine und FBI als ‚big guy‘ bezeichnet?“ Darauf antwortete Biden mit der Gegenfrage: „Warum stellen Sie so eine dumme Frage?“

Über die Bezeichnung „big guy“ hatte der Washington Examiner berichtet. Demnach gehe aus Quellen des FBI hervor, dass Slotschewskyj Biden so genannt habe. Vom Burisma-Gründer will der bezahlte Informant auch gehört haben, dass mit Vater und Sohn Biden über die jeweils fünf Millionen US-Dollar Bestechungsgeld gesprochen wurde. Weiter heißt es, der einstige Politiker und Vertraute von Ex-Präsident Wiktor Janukowytsch hätte betont, er sei davon ausgegangen, der mutmaßliche Bestechungsplan könne wegen der Anzahl der beteiligten Banken nicht binnen zehn Jahren aufgedeckt werden. (mg)

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