Junge Wähler wenden sich ab

Bidens Kampf um Wähler: Der Big Mac, sein Ausweis und seine Israel-Haltung arbeiten gegen ihn

  • Christoph Gschoßmann
    VonChristoph Gschoßmann
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Joe Biden kämpft derzeit an vielen Fronten um Wähler. Die Inflation stellt ein Problem dar, genauso wie sein Alter und seine Haltung im Israel-Konflikt.

Washington - Joe Biden muss sich aktuell mit Truthähnen herumschlagen - aber auch mit Burgern. Vor dem Feiertag Thanksgiving hat er traditionsgemäß zwei Truthähne begnadigt, sich bei der Ansprache erneut Aussetzer geleistet und selbst über sein Alter gewitzelt. Tatsächlich scheint er die junge Generation aktuell zu verlieren. Und auch der „Big-Mac-Index“ arbeitet gegen ihn. Darüber berichtet auch ntv.

„Big-Mac-Index“ zeigt die Inflation unter Biden - doch die Konjunktur zieht an

Mit diesem Index dokumentiert das Magazin The Economist den Durchschnittspreis des 1967 ins Sortiment von McDonald‘s aufgenommen Burger, anhand dessen sich die Inflation im Land ablesen lässt. Im Moment kostet der Big Mac 5,38 Dollar, und bei Bidens Amtsübernahme 2020 waren es noch 4,82 Dollar. Dies lässt im Biden-Lager die Alarmglocken läuten, obwohl der Präsident eine Rekordanzahl von 14 Millionen neuen Jobs geschaffen hat. Die Reallöhne sind um ein Prozent gesunken, nur unter Jimmy Carter und George Bush waren sie niedriger. Beide mussten nach vier Jahren gehen - ein Schicksal, das Biden bei der US-Wahl 2024 eigentlich vermeiden will.

US-Präsident Joe Biden muss sich vieler Probleme erwehren.

Nicht alle Zahlen sprechen aber gegen Biden. Trotz des Big-Mac-Index steht fest, dass die Konjunktur in den USA im dritten Quartal deutlich an Fahrt gewonnen hat. Die Wirtschaft wuchs im Zeitraum von Juli bis September so stark wie seit Ende 2021 nicht mehr, wie aus am Donnerstag veröffentlichten Zahlen des Handelsministeriums hervorgeht. Angekurbelt wurde das Wachstum von den privaten Konsumausgaben der Verbraucherinnen und Verbraucher, die sich angesichts eines robusten Arbeitsmarktes weiterhin ausgabefreudig zeigten. Biden wertete die Konjunkturdaten als Bestätigung für seine Wirtschaftspolitik und nannte sie „ein Zeugnis für die Widerstandsfähigkeit“ sowohl der Verbraucherinnen und Verbraucher in den USA als auch der „amerikanischen Arbeiter“.

Bidens Alter bleibt ein Problem: Er leistet sich erneut einen Aussetzer

Auch eine andere Zahl, Bidens Alter, bleibt ein Problem. An seinem 81. Geburtstag machte er selbst Witze darüber, als er die beiden Truthähne Liberty (Freiheit) und Bell (Glocke) begnadigte. Umfragen zeigen, dass viele Wähler Bidens hohes Alter als großes Problem ansehen - zumal der Präsident immer wieder mit Versprechern und Stolperern für Aufsehen sorgt. Rechte Politiker und Kommentatoren sprechen Biden regelmäßig die geistige und körperliche Fitness für den harten Job des US-Präsidenten ab.

Joe Biden: Leben und Karriere des 46. US-Präsidenten in Bildern

Joe Biden gehört seit vielen Jahren zum Establishment der Demokratischen Partei und blickt auf eine lange politische Karriere zurück. Bei der US-Wahl 2020 ist es ihm im dritten Anlauf endlich gelungen, sein großes Ziel zu erreichen: Biden ist zum 46. Präsidenten der USA gewählt worden. Es war die Krönung eines jahrzehntelangen Politikerlebens, in dem er auch schwere Schicksalsschläge zu verkraften hatte.
Joseph „Joe“ Robinette Biden, Jr. wurde am 20. November 1942 in Scranton (Pennsylvania) geboren. Nach einem Studium der Rechtswissenschaften begann der Jurist Ende der 60er-Jahre, sich politisch zu engagieren. Zunächst ließ er sich im US-Bundesstaat Delaware als Unabhängiger registrieren – weil er weder den republikanischen Präsidenten Richard Nixon noch den demokratischen Gouverneur Charles Terry ausstehen konnte. Um die Lage nach der Ermordung von Martin Luther King im April 1968 zu beruhigen, hatte Terry die Nationalgrade zu Hilfe gerufen. Für Biden wurde die Bürgerrechtsbewegung zum Auslöser seiner Politisierung.
Im Jahr 1972 trat Biden im Alter von nur 29 Jahren bei der Wahl zum US-Senat an. Er besiegte den langjährigen republikanischen Vertreter Cale Boggs und zog als einer der jüngsten Senatoren in den Kongress ein. Der Triumph wurde allerdings von einem schweren Autounfall am 18. Dezember 1972 überschattet, bei dem seine erste Ehefrau Neilia und Tochter Naomi ums Leben kamen. Die Söhne Beau und Hunter überlebten verletzt. Seinen Eid legte Biden im Januar 1973 am Krankenbett von Beau ab, dessen Bein immer noch im Streckverband war. 1977 heiratete Biden die Lehrerin Jill Tracy Jacobs. Aus dieser Ehe stammt Tochter Ashley.
Von 1973 bis 2009 saß Biden 36 Jahre lang als Vertreter des Bundesstaates Delaware im Senat. Er wohnte allerdings weiterhin in Wilmington (Delaware) und pendelte jeden Tag per Bahn nach Washington, D.C. 1994 war er maßgeblich an einem heute kontrovers diskutierten Gesetz zur Reform des Strafrechts und der Inneren Sicherheit beteiligt. Mitte der 90er sprach er sich für die Nato-Intervention in Bosnien-Herzegowina und die Bombardierung Serbiens im Kosovo-Krieg 1999 aus. Im Jahr 2002 stimmte er für die Irak-Resolution.
Joe Biden: Leben und Karriere des 46. US-Präsidenten in Bildern

In einer scherzhaften Ansprache ging der Präsident auf die erste ähnliche Truthahn-Zeremonie im Weißen Haus vor 76 Jahren ein: „Ich war nicht dabei, ich war da zu jung.“ Für Stirnrunzeln sorgte der Präsident, als er bei einem weiteren Witz ins Stammeln geriet und dabei Popstar Taylor Swift mit Sängerin Britney Spears zu verwechseln schien. Biden sprach von „Britneys Tournee“ und fügte hinzu: „Sie ist unten in ..., es ist derzeit irgendwie warm in Brasilien.“ Tatsächlich hatte Taylor Swift am Freitag in Rio de Janeiro ein Konzert gegeben. Auch demokratische Parteikollegen hatten an Bidens erneuter Kandidatur Zweifel verlauten lassen.

Biden verliert viele junge Wähler - vor allem wegen seiner Haltung zu Israel

Doch nicht nur wegen dem Altersunterschied verliert Biden derzeit junge Wähler. Viele junge Menschen stellen sich derzeit auf Seite der Palästinenser und kritisieren Bidens Unterstützung für Israel. Laut einer Umfrage der Quinnipiac University sympathisieren demokratische Wähler unter 35 Jahren zu 74 Prozent mit den Palästinensern.

Nur 16 Prozent stellen sich auf die Seite Israels. Ganze 69 Prozent der jungen demokratischen Wähler halten Bidens Haltung für „nicht angemessen“. Bei der letzten Wahl im Jahr 2020 hatte Biden unter jungen Wählern einen Vorsprung von 20 Prozentpunkten gegenüber Donald Trump. Laut der Umfrage hat sich dieser Vorsprung bereits halbiert. Auch viele muslimische Wähler droht Biden wegen seiner Haltung zu Israel zu verlieren. (cgsc mit dpa)

Rubriklistenbild: © Stephanie Scarbrough/AP/dpa

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