Bidens Rückzug

Harris statt Biden? Neue Umfragen zeigen, warum Trump noch nicht gewonnen hat

  • VonKilian Beck
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Die US-Vizepräsidentin könnte auf Joe Biden folgen. Ihre Umfragewerte sind ähnlich wie die des Präsidenten, in manchen Staaten steht sie jedoch deutlich besser da.

Washington D.C. – US-Präsident Joe Biden tritt nach der US-Wahl im November ab. Seine Wunschnachfolgerin, die er am Sonntag nach Bekanntgabe seines Rückzugs empfahl, ist Vizepräsidentin Kamala Harris. Ob sie die Partei nominiert, war am Montagnachmittag noch unklar. US-Meinungsforschungsinstitute fragten Harris bereits seit Wochen hypothetische Kandidatin ab. Harris erklärte noch am Sonntag, dass sie kandieren wolle. Diese Umfragen zeigen nun, Harris hat eine Chance gegen Ex-US-Präsident Donald Trump zu gewinnen.

Nach Bidens Rücktritt soll Vizepräsidentin Harris antreten. Was sagen die Umfragen?

Nach Rücktritt Joe Bidens von Kandidatur – Kamala Harris hat schneidet gut in neuen Umfragen ab

Die Umfragen, in den Joe Biden noch als designierter Kandidat der Demokraten im Rennen war, zeigen ihn mit einer Ausnahme hinter Donald Trump. In Umfragen der Sender CBS, FOX und NBC lag Biden im Juli zwischen einem und fünf Prozentpunkte zurück. Einzig in einer Umfrage von PBS lag er mit 50 gegen 48 Prozent knapp vorne. Vizepräsidentin Harris würde diese Ergebnisse halten und sogar noch leicht verbessern können. In allen vier Umfragen liegt sie maximal drei Prozentpunkte hinter Joe Biden. In der PBS-Umfrage konnte sie Bidens Ergebnis halten, obwohl Trump etwas aufholen konnte. In allen Umfragen lag der Abstand zwischen Harris und Trump innerhalb der statistischen Schwankungsbreite.

US-Wahl: Landesweite Umfragen zu Duell zwischen Trump und Harris

UmfrageBidenTrumpHarrisTrumpSchwankungsbreite
CBS47%52%48%51%2,7%
NBC43%45%45%47%3,5%
FOX48%49%48%49%3%
PBS50%48%50%49%3,3 %

(Quelle: NBC)

Laut Umfragen hat Harris bessere Chancen auf Sieg bei US-Wahl als Biden

Die Datenjournalismus-Plattform FiveThirtyEight schätzte Harris Chancen, eine Stimmenmehrheit im Electoral College zu erreichen, mit 38 Prozent etwa besser ein, als die Bidens, die bei 35 lagen. Allerdings basiert diese Berechnung auf Umfragen, die vor Bidens Rückzug und Harris Kandidatur lagen. Hypothetische Szenarien in Umfragen gelten in der Politikwissenschaft als unpräzise, da sie eine weitere Abstraktionsebene von den Befragten verlangen, da sie sich in das Szenario erst hineindenken müssen.

Diese Szenarien können unterschiedlich interpretiert werden, beispielsweise, da unklar ist, wer Harris Vizepräsidentin oder Vizepräsident wird. Zudem war damals noch unklar, welche Themen Harris in den Fokus rücken würde.

Gegen Trump: Harris hat in zwei entscheidenden Staaten bessere Umfragewerte als Biden

Durch das Wahlsystem wird ein Fokus der Demokraten bei der Auswahl einer Kandidatin oder eines Kandidaten auf den Umfrageergebnissen in umkämpften Bundesstaaten, in denen die Präsidentschaftswahl im November entschieden wird. Eine Umfrage des Siena Colleges im Auftrag der New York Times sah Harris mit fünf Prozentpunkten klar vor Trump in Virginia, in Pennsylvania schnitt Harris einen Prozentpunkt hinter Trump ab. Für weitere wahlentscheidende Bundesstaaten gibt es aktuell kaum Umfragen, aus denen sich ein Trend ablesen ließe, da sie meist nur mit wenigen hundert Befragten umgesetzt wurden und teils Schwankungsbreiten um die fünf Prozent aufwiesen.

US-Wahl: Kamala Harris Umfrageweite in Swing-States – Klarer Vorsprung in Virginia

BundesstaatBidenTrumpHarrisTrumpSchwankungsbreite
Pennsylvania45%48%47%48%3,8%
Virginia48%45%49%44%4,4%

(Quelle: New York Times)

Wer siegt bei der US-Wahl 2024: Donald Trump oder die wahrscheinliche neue Kandidatin der Demokraten, Kamala Harris?

Umfragen zeigen: Harris weniger unbeliebt als Joe Biden

Harris ist zudem weniger unbeliebt in der Bevölkerung als Biden und Trump, laut FiveThirtyEight lehnen trotzdem circa 50 Prozent der Befragten Harris ab. Bei Biden sind es 56 Prozent. Einen besonders großen Vorsprung vor Trump, und einen beträchtlichen vor Biden, hätte Harris unter Schwarzen Wählerinnen und Wählern: Laut einer NBC-Umfrage führt sie in dieser Gruppe mit 78 Prozent, weit vor Donald Trump, der bei 14 Prozent liegt. Joe Biden wäre in dieser Wählergruppe demnach auf 69 Prozent der Stimmen gekommen.

Beliebtheitswerte von US-Präsident Biden und seiner Vize Harris

BidenHarris
Zustimmung38,5%38,5%
Ablehnung56%50%

(Quelle: FiveThirtyEight)

Unter weißen Wählern schnitt Harris allerdings deutlich schlechter ab als Biden. Unter ihnen lag Trump mit 55 Prozent klar vor Harris mit 39 Prozent, gegen Biden erreichte Trump lediglich 52 Prozent, während der Amtsinhaber bei 38 Prozent lag. Auch bei mit Trump unzufriedenen Republikanern hätte Harris demnach wenig Chancen, allerdings waren die auch bereits für Biden kaum noch erreichbar.

Joe Biden: Leben und Karriere des 46. US-Präsidenten in Bildern

Joe Biden gehört seit vielen Jahren zum Establishment der Demokratischen Partei und blickt auf eine lange politische Karriere zurück. Bei der US-Wahl 2020 ist es ihm im dritten Anlauf endlich gelungen, sein großes Ziel zu erreichen: Biden ist zum 46. Präsidenten der USA gewählt worden. Es war die Krönung eines jahrzehntelangen Politikerlebens, in dem er auch schwere Schicksalsschläge zu verkraften hatte.
Joseph „Joe“ Robinette Biden, Jr. wurde am 20. November 1942 in Scranton (Pennsylvania) geboren. Nach einem Studium der Rechtswissenschaften begann der Jurist Ende der 60er-Jahre, sich politisch zu engagieren. Zunächst ließ er sich im US-Bundesstaat Delaware als Unabhängiger registrieren – weil er weder den republikanischen Präsidenten Richard Nixon noch den demokratischen Gouverneur Charles Terry ausstehen konnte. Um die Lage nach der Ermordung von Martin Luther King im April 1968 zu beruhigen, hatte Terry die Nationalgrade zu Hilfe gerufen. Für Biden wurde die Bürgerrechtsbewegung zum Auslöser seiner Politisierung.
Im Jahr 1972 trat Biden im Alter von nur 29 Jahren bei der Wahl zum US-Senat an. Er besiegte den langjährigen republikanischen Vertreter Cale Boggs und zog als einer der jüngsten Senatoren in den Kongress ein. Der Triumph wurde allerdings von einem schweren Autounfall am 18. Dezember 1972 überschattet, bei dem seine erste Ehefrau Neilia und Tochter Naomi ums Leben kamen. Die Söhne Beau und Hunter überlebten verletzt. Seinen Eid legte Biden im Januar 1973 am Krankenbett von Beau ab, dessen Bein immer noch im Streckverband war. 1977 heiratete Biden die Lehrerin Jill Tracy Jacobs. Aus dieser Ehe stammt Tochter Ashley.
Von 1973 bis 2009 saß Biden 36 Jahre lang als Vertreter des Bundesstaates Delaware im Senat. Er wohnte allerdings weiterhin in Wilmington (Delaware) und pendelte jeden Tag per Bahn nach Washington, D.C. 1994 war er maßgeblich an einem heute kontrovers diskutierten Gesetz zur Reform des Strafrechts und der Inneren Sicherheit beteiligt. Mitte der 90er sprach er sich für die Nato-Intervention in Bosnien-Herzegowina und die Bombardierung Serbiens im Kosovo-Krieg 1999 aus. Im Jahr 2002 stimmte er für die Irak-Resolution.
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Verhindert Harris den Wahlsieg Donald Trumps? Zuerst muss die nominiert werden

Noch ist vieles unklar, weswegen die Umfragen maximal ein Schlaglicht auf den weiteren Wahlkampf sind. Spätestens wenn die Demokraten im August ihre Kandidatin oder ihren Kandidaten für die Präsidentschaftswahl nominieren, wird sich abzeichnen, ob die Partei noch eine Chance hat, Donald Trump zu schlagen. Der Einsatz könnte nicht höher sein, wird Trump gewählt, ist davon auszugehen, dass die rechtsradikale Heritage-Stiftung ihr demokratiefeindliches „Projekt 2025“ umsetzt. Hauptleidtragende wären Frauen und Minderheiten. (kb)

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