J.D. Vance gegen Kamala Harris

Kamala Harris teilt gegen Trump-Vize J.D. Vance aus – „Das ist nicht die ganze Story“

  • VonSimon Schröder
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Nachdem J.D. Vance von Donald Trump als sein Running Mate ausgerufen wurde, lässt Vizepräsidentin Kamala Harris kein gutes Haar an dem Senator.

Fayetteville – J.D. Vance wird im November offiziell mit Donald Trump auf dem Wahlzettel stehen. Nachdem Trump seinen Vizepräsidentschaftskandidaten am Montag (15. Juli) beim Parteitag der Republikaner bekannt gegeben hatte, appellierte der 39-jährige Senator an die republikanische Wählerschaft und erklärte seinen bisherigen Lebensweg und seine Ziele als Trumps Vize in seiner Dankesrede.

Vance betonte seine schwere Kindheit und Jugend, zwischen Armut und Sucht. Des Weiteren erklärte er seine Ziele in Sachen Wirtschaft, Einwanderungspolitik und Handel. Kamala Harris, Joe Bidens Vizepräsidentin, ließ mit Kritik nicht lange auf sich warten. Harris befand seine Rede sarkastisch als „fesselnde Geschichte“ und betonte: „Es war fesselnd. Eine fesselnde Geschichte. Aber es ist nicht die ganze Story“, so Harris bei einer Wahlkampfveranstaltung in Fayetteville, North Carolina.

Die US-Wahl 2024 wird auch ein Duell der beiden Vizekandidaten: Direkt nachdem J.D. Vance (rechts) von Donald Trump ausgerufen wurde, findet Kamala Harris harte Worte für den Republikaner.

„Ehrlich gesagt, ist es sehr aufschlussreich, worüber er auf dieser Bühne nicht gesprochen hat. Er sprach nicht über das ‚Project 2025‘, den 900-seitigen Plan für eine zweite Amtszeit von Trump. Er hat nicht darüber gesprochen, weil ihre Pläne extrem sind, und sie spalten.“ Obwohl sich Trump vom „Project 2025“ distanziert hatte, kommt die Blaupause doch aus seinem Zirkel von Unterstützern. Die „Heritage Foundation“ hatte „Project 2025“ in Zusammenarbeit mit einigen Verbündeten Trumps konzipiert, um die Regierung und die USA nach rechts-konservativen Vorbild umzubauen. Sollte Trump im November gewinnen, könnten das Projekt als Blaupause dienen und die Regierung umstrukturieren.

Harris kritisiert „Project 2025“ des Trump-Lagers scharf: Beraubt „Amerikanern ihre Grundfreiheiten“

Es soll „sowohl ein Regierungsprogramm als auch die richtigen Leute (vorschlagen, Anm. d. Red.), die bereit sind, dieses Programm vom ersten Tag der nächsten konservativen Regierung an umzusetzen“, wie es auf der offiziellen Website des Projekts heißt. Viele sehen in dem Plan der Trump-Anhänger eine echte Gefahr für die amerikanische Demokratie. Zum Beispiel schlagen die Autoren in dem 900-seitigen Dokument vor, die größtenteils apolitischen Beamten der USA, durch rechts-konservative Trump-Anhänger zu ersetzen, wie die New York Times anmerkt.

Weiter würde ein implementiertes „Project 2025“ den Zugang zu Abtreibungen stark limitieren, Rechte für LGBTQ-Mitglieder und Bildung weiter einschränken. Harris betonte, Worte würden nicht reichen, wenn man für Einigkeit stehe. „Sie können nicht für Einheit stehen, wenn Sie eine Agenda vorantreiben, die ganze Gruppen von Amerikanern ihrer Grundfreiheiten beraubt. Sie können nicht behaupten, dass Sie für Einheit stehen, wenn Sie die Absicht haben, den Menschen in Amerika die reproduktiven Freiheiten zu nehmen.“

Kamala Harris als mögliche Präsidentschaftskandidatin sollte Biden zurücktreten?

Mit ihrer Rede in Fayetteville versuchte die Demokratin wichtige Stimmen für die US-Wahl im November zu sichern. North Dakota ist ein Swing-State und daher von großer Bedeutung für die kommende Wahl und Präsident Biden. Zuletzt hatte der Staat 2008 für die Demokraten gestimmt, wie die amerikanische Newsseite The 19th, berichtet. Und Harris könnte bald selbst ganz oben auf dem Ticket stehen. Denn die Rufe nach einem neuen Kandidaten der Demokraten werden zunehmend lauter – auch aus den eigenen Reihen.

Joe Biden: Leben und Karriere des 46. US-Präsidenten in Bildern

Joe Biden gehört seit vielen Jahren zum Establishment der Demokratischen Partei und blickt auf eine lange politische Karriere zurück. Bei der US-Wahl 2020 ist es ihm im dritten Anlauf endlich gelungen, sein großes Ziel zu erreichen: Biden ist zum 46. Präsidenten der USA gewählt worden. Es war die Krönung eines jahrzehntelangen Politikerlebens, in dem er auch schwere Schicksalsschläge zu verkraften hatte.
Joseph „Joe“ Robinette Biden, Jr. wurde am 20. November 1942 in Scranton (Pennsylvania) geboren. Nach einem Studium der Rechtswissenschaften begann der Jurist Ende der 60er-Jahre, sich politisch zu engagieren. Zunächst ließ er sich im US-Bundesstaat Delaware als Unabhängiger registrieren – weil er weder den republikanischen Präsidenten Richard Nixon noch den demokratischen Gouverneur Charles Terry ausstehen konnte. Um die Lage nach der Ermordung von Martin Luther King im April 1968 zu beruhigen, hatte Terry die Nationalgrade zu Hilfe gerufen. Für Biden wurde die Bürgerrechtsbewegung zum Auslöser seiner Politisierung.
Im Jahr 1972 trat Biden im Alter von nur 29 Jahren bei der Wahl zum US-Senat an. Er besiegte den langjährigen republikanischen Vertreter Cale Boggs und zog als einer der jüngsten Senatoren in den Kongress ein. Der Triumph wurde allerdings von einem schweren Autounfall am 18. Dezember 1972 überschattet, bei dem seine erste Ehefrau Neilia und Tochter Naomi ums Leben kamen. Die Söhne Beau und Hunter überlebten verletzt. Seinen Eid legte Biden im Januar 1973 am Krankenbett von Beau ab, dessen Bein immer noch im Streckverband war. 1977 heiratete Biden die Lehrerin Jill Tracy Jacobs. Aus dieser Ehe stammt Tochter Ashley.
Von 1973 bis 2009 saß Biden 36 Jahre lang als Vertreter des Bundesstaates Delaware im Senat. Er wohnte allerdings weiterhin in Wilmington (Delaware) und pendelte jeden Tag per Bahn nach Washington, D.C. 1994 war er maßgeblich an einem heute kontrovers diskutierten Gesetz zur Reform des Strafrechts und der Inneren Sicherheit beteiligt. Mitte der 90er sprach er sich für die Nato-Intervention in Bosnien-Herzegowina und die Bombardierung Serbiens im Kosovo-Krieg 1999 aus. Im Jahr 2002 stimmte er für die Irak-Resolution.
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Biden hatte sich mit seiner miserablen Leistung beim TV-Duell gegen Trump einen Bärendienst erwiesen. Der Fokus sollte auf Trump gelenkt werden – so der Plan vom Biden-Lager, doch durch Bidens Auftritt entfachte die Diskussion um seinen Gesundheitszustand erneut. Auch sein Interview bei ABC News mit George Stephanopoulos konnte die Zweifel nicht aus dem Weg räumen. Ob er auch tatsächlich im November antreten wird oder ob er Kamala Harris die Zügel doch noch überlässt, wird sich der Präsident bis vor dem Parteitag der Demokraten genauestens überlegen müssen. (sischr)

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