Ukrainische Luftverteidigung

Unterirdische Bunker und falsche Landebahnen: Ukraine schützt die F16-Jets vor Putins Attacken

  • Paula Völkner
    VonPaula Völkner
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Noch in diesem Jahr sollen F-16 Kampfjets in die Ukraine geliefert werden. Putin droht schon jetzt mit der Zerstörung der Jets. Die Ukraine bereitet sich vor.

Kiew – Lange hat die Ukraine um die Lieferung der F-16 Kampfjets gerungen. Noch sind die Jets nicht in der Ukraine, die Lieferung haben einige Staaten wie die Niederlande und Dänemark jedoch bereits angekündigt. Während der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj nach der Zusicherung von einem Durchbruch sprach, reagierte Russlands Präsident Wladimir Putin mit einer Warnung.

Putin kündigte an, alle F-16 Kampfjets, die durch die Nato an die Ukraine geliefert werden, zu zerstören. Bei einem Besuch eines Militärstützpunktes bei Moskau habe Putin Berichten der Zeitung Newsweek zufolge gesagt, die Jets dürften auch auf Nato-Flugplätzen abgeschossen werden, „wenn sie von Flugplätzen in Drittstaaten aus eingesetzt werden“. In der Ukraine werden daher bereits Vorkehrungen getroffen, wie die Jets geschützt werden können.

Ukraine will F-16 Jets der „Kampfjet-Koalition“ vor russischen Angriffen schützen

Der Sprecher der ukrainischen Luftwaffe Illia Yevlash sagte Defense Express zufolge, es laufen bereits „Bemühungen, die F-16 sicher in der Ukraine unterzubringen, damit sie Missionen effektiv durchführen und unseren Luftraum verteidigen können“. Hierfür sei unter anderem der Bau von unterirdischen Bunkern vorgesehen.

Ukrainische Piloten werden in Nato-Staaten bereits für die Nutzung der F16-Kampfjets geschult. Russland kündigte an, die Jets in der Ukraine zu zerstören, sobald diese dort ankommen (Archivbild)

Die Kampfjets sicher vor gezielten russischen Angriffen unterzubringen, sei mit hohen Kosten verbunden, erklärte der Sprecher der Luftwaffe. Durch die Unterbringung der Jets auf verschiedenen Typen von Landebahnen wolle die Ukraine Russland in die Irre führen.

Seit Beginn des Ukraine-Kriegs bittet Kiew die westlichen Unterstützer um die Lieferung der Kampfjets. Mehrfach betonte Selenskyj die Bedeutung der Jets für die Verteidigung der Ukraine gegen den russischen Aggressor. Der „F 16 Fighting Falcon“, wie der amerikanische Kampfjet offiziell heißt, erreicht eine Höchstgeschwindigkeit von etwa 2100 Kilometer pro Stunde. Die Maschinen können sowohl in der Luftverteidigung als auch gegen Ziele am Boden eingesetzt werden. Der Jet wird unter anderem von der US Air Force, der israelischen Luftwaffe sowie von Staaten wie Norwegen und Dänemark genutzt.

Internationale Koalition zur Lieferung von Kampfjets: 14 Staaten bereiten F-16 Lieferung an Ukraine vor

Bereits im Juli 2023 hat sich eine internationale Koalition gebildet, um ukrainische Piloten für die Nutzung der F-16 Jets zu schulen. Im August 2023 kam aus Washington die Genehmigung an die Staaten, die Jets an die Ukraine zu liefern.

Die „Kampfjet-Koalition“ wuchs später auf eine Unterstützer-Anzahl von 14 Staaten unter der Führung von den USA, Dänemark und den Niederlanden. Unter den Staaten sind die Aufgaben zur Unterstützung der Ukraine aufgeteilt. Während einige Staaten für die Lieferung zuständig sind, stellen andere Jets und Ausbilder für die Schulung der ukrainischen Piloten bereit.

Kampfjet-Koalition kündigt F-16 Lieferung in die Ukraine noch für dieses Jahr an

Wie viele der Jets insgesamt an die Ukraine geliefert werden und wann die Lieferung genau erfolgt, ist noch unklar. Dänemark und die Niederlande kündigten an, 61 F-16 Jets zu liefern. Vor kurzem stellte Belgien in Aussicht, F-16 Jets noch im Jahr 2024 zu liefern, wie die ukrainische Zeitung Kyiv Independent berichtete. Auch Belgien war unter den ersten Staaten, die der Koalition beigetreten sind.

Panzer, Drohnen, Luftabwehr: Waffen für die Ukraine

Die Bundeswehr nutzt den Kampfpanzer Leopard in verschiedenen Varianten seit 1979. Bewaffnet mit einer 120-Millimeter-Kanone lassen sich in den jüngeren Modellen von vier Soldaten an Bord Ziele in einer Entfernung bis zu 5000 Metern bekämpfen. Die Ukraine erhält Panzer des Typs Leopard 2 A6. Das 62,5 Tonnen-Gefährt war bei seiner Einführung im Jahr 2001 als verbesserte Variante des A5 etwa mit neuer Hauptwaffe versehen worden. Das Modell A6M verfügt zudem über einen erhöhten Minenschutz.
Der US-Kampfpanzer M1 Abrams gleicht dem Leopard 2 in weiten Teilen. Den M1 Abrams gibt es seit 1980 in mittlerweile drei Hauptvarianten. Seit dem Modell M1A1 ist eine 120-Millimeter-Kanone an Bord. Die vier Insassen werden von einer Stahl-Panzerung vor Angriffen geschützt. Mit 1500 PS kommt der je nach Modell bis zu 74 Tonnen schwere Abrams auf eine Höchstgeschwindigkeit von knapp 68 Kilometern pro Stunde. Anders als der Leopard 2 wird der M1 Abrams über eine Gasturbine mit Kerosin angetrieben.
Die Hauptwaffe der US-amerikanischen Bradley-Schützenpanzer besteht aus einer 25-Millimeter-Maschinenkanone M242 Bushmaster, die zwischen 100 und 200 Schuss pro Minute verschießen kann. Zudem sind die gepanzerten Kettenfahrzeuge, die nach General Omar N. Bardley benannt sind, mit Maschinengewehren des Typs M240 sowie panzerbrechende Raketen ausgestattet. Die Besatzung umfasst bis zu zehn Soldaten: Fahrer, Kommandant, Richtschütze sowie bis zu sieben Soldaten als Infanterietrupp. Der Panzer wurde dafür konzipiert, im Verbund mit Panzerartillerie und Kampfhelikoptern zu operieren.
Beim AMX-10 RC aus Frankreich handelt es sich um einen amphibischen Spähpanzer. Der Panzer wird aufgrund seiner schwereren Panzerung und Bewaffnung hauptsächlich bei der Aufklärung eingesetzt. Ausgestattet ist er mit einer 105-Millimeter-Kanone, wodurch er auch als Panzerjäger verwendet werden kann. Die Besatzung besteht aus mindestens vier Soldaten. Bei einer Gefechtsmasse von 14,2 Tonnen ist der Panzer mit 85 km/h extrem mobil.
Panzer, Drohnen, Luftabwehr: Waffen für die Ukraine

Bei einem Treffen auf der Air Base in Ramstein kündigte auch der US-Verteidigungsminister Lloyd Austin an, dass „mehr als ein Geschwader“ in der Ukraine noch im Jahr 2024 eintreffen soll. Der dänische Botschafter in Kiew, Ole Egberg Mikkelsen, soll laut European Pravda im April in einem Interview angekündigt haben, dass die Jets noch im Sommer 2024 in der Ukraine ankommen sollen.

Selenskyj appellierte bei einer Nato-Konferenz im April an die westlichen Unterstützer und warb für schnelle Lieferung. „Es geht nicht um die Zahl der Versprechen, sondern um die tatsächliche Zahl der Flugzeuge am Himmel“, sagte der ukrainische Präsident mit Blick auf die zugesagten Kampfjets. (pav)

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