Signal an Moskau

Völlig neue Taktik: Ukraine versteckt F-16-Kampfjets vor Putins Raketen im Ausland

  • Patrick Mayer
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Die ukrainischen Streitkräfte planen, einen Teil ihrer F-16-Kampfjets außerhalb der Ukraine zu stationieren. Eine Frage bleibt im Kampf gegen Russland offen.

Kiew - Sie sollen es der Ukraine ermöglichen, ihr Territorium im Ukraine-Krieg in der Luft weitaus besser gegen Russland verteidigen zu können: F-16-Kampfjets. Kiew soll in den kommenden Wochen, Monaten und teils Jahren von vier Nato-Staaten mehrere Dutzende dieser Kampfflugzeuge erhalten.

F-16-Kampfjets für die Ukraine: Kiew will einen Teil im Ausland stationieren

Zudem kündigte Frankreich nun die Lieferung von Kampfjets Dassault Mirage 2000-5 an. Doch: Wie wollen die Ukrainer ihre neuen Staffeln vor den Langstrecken-Raketen des Moskau-Regimes wie der Iskander-M schützen? Wie Sergey Golubtsov von den ukrainischen Luftstreitkräften erklärte, soll ein Teil der gelieferten Kampfjets als Reserve im Ausland bleiben.

Zum einen sollen neue Kampfpiloten auf diesen Maschinen mit ukrainischem Hoheitssymbol trainiert werden. Zum anderen soll so ermöglicht werden, dass im Falle von Wartungs- und/oder Reparaturarbeiten an anderen Maschinen schnell Ersatz bereitsteht, ohne diese Flugzeuge unnötig den Gefahren von Raketenangriffen auszusetzen. Es ist eine völlig neue Taktik, da es sich bei eben jenem Ausland sehr wahrscheinlich um Nato-Gebiet handeln dürfte. Wo genau die Stationierung erfolgt, ließ Golubtsov – sehr wahrscheinlich aus taktischen Gründen – indes offen.

Ein Kampfflugzeug vom Typ Lockheed Martin F-16 Fighting Falcon der polnischen Luftwaffe – hier bei einer Übung im Jahr 2023.

Waffen für die Ukraine: Rund 100 F-16-Kampfjets aus alten Nato-Beständen

„Eine bestimmte Anzahl von Flugzeugen wird auf sicheren Luftwaffen-Stützpunkten außerhalb der Ukraine gelagert, damit sie hier nicht ins Visier genommen werden“, sagte Golubtsov, der Leiter der Luftfahrtabteilung des ukrainischen Luftstreitkräfte-Kommandos ist, im Gespräch mit den Sendern Radio Free Europe und Radio Liberty. „Wir verfügen über eine bestimmte Anzahl vorbereiteter Flugplätze und wissen, wie viele Flugzeuge dieses Jahr eintreffen werden“, erzählte er. Einige der Kampfjets würden „in den Zentren bleiben, in denen unsere Piloten und unser Luftfahrtpersonal ausgebildet werden“, erklärte Golubtsov: „Das werden ukrainische Flugzeuge sein, mit denen wir unsere eigenen Piloten ausbilden.“

Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj hatte zuletzt erklärt, sein Land brauche zwischen 120 und 130 F-16-Kampfjets, um den russischen Luftangriffen wirkungsvoll zu begegnen. Die Ukrainer sollen in den kommenden Monaten und Jahren aus Dänemark (19 Flugzeuge), aus den Niederlanden (bis zu 42 Flugzeuge), Norwegen (fünf bis zehn Stück) und Belgien (30 Flugzeuge) rund 100 Kampfjets der älteren Version F-16A/B erhalten.

Panzer, Drohnen, Luftabwehr: Waffen für die Ukraine

Die Bundeswehr nutzt den Kampfpanzer Leopard in verschiedenen Varianten seit 1979. Bewaffnet mit einer 120-Millimeter-Kanone lassen sich in den jüngeren Modellen von vier Soldaten an Bord Ziele in einer Entfernung bis zu 5000 Metern bekämpfen. Die Ukraine erhält Panzer des Typs Leopard 2 A6. Das 62,5 Tonnen-Gefährt war bei seiner Einführung im Jahr 2001 als verbesserte Variante des A5 etwa mit neuer Hauptwaffe versehen worden. Das Modell A6M verfügt zudem über einen erhöhten Minenschutz.
Der US-Kampfpanzer M1 Abrams gleicht dem Leopard 2 in weiten Teilen. Den M1 Abrams gibt es seit 1980 in mittlerweile drei Hauptvarianten. Seit dem Modell M1A1 ist eine 120-Millimeter-Kanone an Bord. Die vier Insassen werden von einer Stahl-Panzerung vor Angriffen geschützt. Mit 1500 PS kommt der je nach Modell bis zu 74 Tonnen schwere Abrams auf eine Höchstgeschwindigkeit von knapp 68 Kilometern pro Stunde. Anders als der Leopard 2 wird der M1 Abrams über eine Gasturbine mit Kerosin angetrieben.
Die Hauptwaffe der US-amerikanischen Bradley-Schützenpanzer besteht aus einer 25-Millimeter-Maschinenkanone M242 Bushmaster, die zwischen 100 und 200 Schuss pro Minute verschießen kann. Zudem sind die gepanzerten Kettenfahrzeuge, die nach General Omar N. Bardley benannt sind, mit Maschinengewehren des Typs M240 sowie panzerbrechende Raketen ausgestattet. Die Besatzung umfasst bis zu zehn Soldaten: Fahrer, Kommandant, Richtschütze sowie bis zu sieben Soldaten als Infanterietrupp. Der Panzer wurde dafür konzipiert, im Verbund mit Panzerartillerie und Kampfhelikoptern zu operieren.
Beim AMX-10 RC aus Frankreich handelt es sich um einen amphibischen Spähpanzer. Der Panzer wird aufgrund seiner schwereren Panzerung und Bewaffnung hauptsächlich bei der Aufklärung eingesetzt. Ausgestattet ist er mit einer 105-Millimeter-Kanone, wodurch er auch als Panzerjäger verwendet werden kann. Die Besatzung besteht aus mindestens vier Soldaten. Bei einer Gefechtsmasse von 14,2 Tonnen ist der Panzer mit 85 km/h extrem mobil.
Panzer, Drohnen, Luftabwehr: Waffen für die Ukraine

F-16 für die Ukraine: Die Kampfjets aus den USA sind schon sehr alt

Abzuwarten bleibt, wie sich die F-16 Fighting Falcon der Ukrainer etwa im Vergleich zur MiG-35 der Russen schlagen wird. Zwar gelten die Luft-Luft-Raketen Sidewinder und AMRAAM der einstrahligen F-16 als effektiv im Luftkampf. Und das Kampfflugzeug des US-Rüstungsherstellers Lockheed Martin kann bei einer maximalen Geschwindigkeit von geschätzt bis zu Mach 2,02 (2142 km/h) auch deutsche Luftabwehrraketen IRIS-T abfeuern.

Der Jet stammt aber aus den 1970er Jahren und flog zum Beispiel schon Kampfeinsätze im Vietnamkrieg. Entsprechend alt sind etwa die Instrumente der Avionik für die Piloten im Cockpit. (pm)

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