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Kein Nutzen für Putin in Kursk: Soldaten aus Nordkorea im Ukraine-Krieg vielleicht unbrauchbar

  • Babett Gumbrecht
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Mehr als 11.000 Soldaten hat Pjöngjang bereits in das Grenzgebiet geschickt. Es bleibt ungewiss, wie Moskau die militärische Hilfe verwenden wird.

Kiew/Moskau – Im russischen Grenzgebiet Kursk sind nach ukrainischen Angaben bereits 11.000 nordkoreanische Soldaten eingetroffen. Ob die Soldaten für Wladimir Putin im Krieg gegen die Ukraine aber eine Hilfe sind, ist bisher umstritten. Jonas Oman, ein ehemaliger schwedischer Militärangehöriger und Vertreter einer litauischen Nichtregierungsorganisation, sieht in der Unterstützung aus Nordkorea jedenfalls keinen Vorteil für Putin.

Der Grund: Das Schlachtfeld in Kursk sei lang und es werde eher zu einem Drohnenkrieg kommen als zu einer Bodenoffensive, sagte Oman im Gespräch mit der südkoreanischen Rundfunkanstalt KBS. „In der Schlacht von Kursk gibt es nur Artillerie, Mörser und Drohnen. Die Kampfdistanz beträgt etwa sechs bis 15 Kilometer“. Speziell ausgebildete Soldaten wie beispielsweise Scharfschützen aus Nordkorea seien demnach nutzlos an der Front in Kursk.

Rolle des nordkoreanischen Militärs im Ukraine-Krieg: Soldaten sollen Putins Front-Verluste ausgleichen

Der Militärexperte und Politikwissenschaftler Gustav Gressel sagte im Interview mit dem ZDF Ende Oktober dagegen, dass Putin die Unterstützung an der Front durchaus braucht. Zur Lage sagte Gresssel: „Kursk ist natürlich für Russland peinlich, und er [Wladimir Putin] sucht jetzt nordkoreanische Hilfe, die eventuell disziplinierter vorgehen und eventuell das Kursk-Problem für ihn lösen“.

Kremlchef Wladimir Putin hatte schon im Januar Nordkoreas Außenministerin Choe Son Hui im Kreml empfangen. (Archivbild)

Von der engeren militärischen Kooperation profitiert Putin vor allem, weil Russland durch die hohen Verluste im Angriffskrieg gegen die Ukraine über immer weniger Soldaten verfügt. Auch die Rekrutierung neuer Soldaten gestaltet sich für das russische Militär zunehmend schwerer. Durch die dezimierten russischen Soldaten sei ein „Rückgriff auf nordkoreanische Gastarbeiter im Grunde logisch“, erklärt der Politikwissenschaftler.

Selenskyj über Lage in Kursk: Zahl der nordkoreanischen Soldaten steigt

Oman berichtet, dass nordkoreanische Truppen bereits in Kursk im Einsatz seien. Bestätigt wurde diese Information bisher nicht. Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj äußerte sich in seiner abendlichen Videobotschaft am Montag (4. November) über die Lage in Kursk: „Wir sehen eine Zunahme der Nordkoreaner, aber wir sehen keine Zunahme der Reaktion unserer Partner. Leider“, so Selensky. Seine Angaben beruhen demnach auf Erkenntnissen ukrainischer Geheimdienste.

Die Führung in Kiew befürchtet, dass die Soldaten bereits in Kürze auf ukrainischem Staatsgebiet eingesetzt werden und Nordkorea damit einen Verstoß gegen UN-Sanktionen billigend in Kauf nimmt. Aus Sicht von Deutschland und anderen westlichen Staaten würde dieser Schritt eine massive Eskalation des Konflikts bedeuten.

Putin empfängt nordkoreanische Außenministerin im Kreml: Pjöngjang will Russland zum Sieg verhelfen

Weder Moskau noch Pjöngjang haben bislang die Berichte über eine Entsendung Tausender nordkoreanischer Soldaten dementiert. Russlands Präsident Putin empfing aber erneut Nordkoreas Außenministerin Choe Son Hui im Kreml. Gesprächsinhalte drangen nicht nach außen. Klar ist aber, dass Nordkorea den Nachbarn Russland im Angriffskrieg gegen die Ukraine unterstützt. Choe war zuletzt im Januar im Kreml zu Gast gewesen - und erklärte am Freitag (1. November) bei einem Treffen mit ihrem russischen Amtskollegen Sergej Lawrow, Nordkorea werde Russland im Krieg gegen die Ukraine bis zum Sieg helfen.

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Das international weitgehend isolierte Land steht zudem wegen Waffenlieferungen an Russland in der Kritik. Im Sommer hatte Putin bei einem Besuch in Nordkorea mit Machthaber Kim Jong Un einen Vertrag über eine strategische Partnerschaft beider Länder geschlossen, der auch gegenseitigen militärischen Beistand vorsieht. Putin sagte dazu jüngst, dass die Ausgestaltung des entsprechenden Artikels noch zu klären sei (bg/dpa).

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