Heiße Spur führt nach Pennsylvania

Harris steht wohl vor Verkündung von Vizepräsidenten-Kandidat – Drei Favoriten übrig

  • Momir Takac
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Bereits in wenigen Tagen soll feststehen, wer als Vizepräsident mit Kamala Harris in die US-Wahl 2024 zieht. Eine heiße Spur führt nach Pennsylvania.

Update vom 1. August, 17.15 Uhr: US-Vizepräsidentin Kamala Harris soll bis spätestens Montag von ihrer Demokratischen Partei per elektronischem Votum offiziell zur Präsidentschaftskandidatin gekürt werden. Und bis dahin dürfte sie auch ihren Kandidaten für das Vizepräsidentenamt benannt haben. Denn schon am Dienstag will Harris - so hat sie es angekündigt - mit ihrem „running mate“ - bei einer Wahlkampfkundgebung in Philadelphia im Bundesstaat Pennsylvania auftreten.

Harris will ihre Vize-Auswahl offenbar unter strategischen Gesichtspunkten treffen. Der Kandidat an ihrer Seite soll ihr also helfen, ein breiteres Spektrum an Wählergruppen zu erreichen und in wahlentscheidenden Schlüsselstaaten - den „swing states“ - zu gewinnen. Tim Walz, Mark Kelly und Josh Shapiro gelten als die aktuellen Favoriten im Vize-Rennen. Doch auch Andy Beshear und Pete Buttigieg werden als Kandidaten gehandelt.

Vize für Kamala Harris: Heiße Kandidaten für den Posten bei der US-Wahl 2024

Andy Beshear, der Gouverneur von Kentucky, stellt eine politische Besonderheit dar - als Demokrat regiert er einen Bundesstaat, der eigentlich eine Bastion der Republikaner ist. Und der 46-Jährige genießt dort hohe Popularität, obwohl er sich für das Recht auf Abtreibung einsetzt. In Kentucky hatte Trump 2020 mit 62 Prozent gewonnen. Es gilt zwar als unwahrscheinlich, dass Beshear diese Präferenz umkehren kann. Aber er könnte Harris Stimmen der weißen Mittel- und Unterschicht im angrenzenden „Rostgürtel“ beschaffen - jener Region, die unter dem industriellen Niedergang leidet.

Pete Buttigieg, der homosexuelle Verkehrsminister gilt als eines der großen Talente der Demokraten. Der 42-Jährige ist rhetorisch gewandt und charismatisch. Früher war Buttigieg als Soldat in Afghanistan im Einsatz sowie Bürgermeister der Stadt South Bend in Mittelweststaat Indiana. 2019/2020 bewarb er sich um die Präsidentschaftskandidatur der Demokraten. Dabei unterlag er zwar Joe Biden. Dieser war von Buttigieg aber so beeindruckt, dass er ihn in sein Kabinett holte. Die Kandidatur als Vizepräsident kommt für Buttigieg aber womöglich zu früh. Es würde viele US-Wähler überfordern, wenn neben einer Präsidentschaftskandidatin mit indisch-afroamerikanischer Identität ein Homosexueller antreten würde, lautet eine weitverbreitete Einschätzung.

Harris will „running mate“ feststellen: Strategische Gesichtspunkte sollen berücksichtigt werden

Erstmeldung: Washington, D.C. – Dass Kamala Harris die neue Präsidentschaftskandidatin der Demokraten bei der US-Wahl 2024 wird, gilt als Formsache. Ihre Nominierung besiegeln sollen die Delegierten des Parteitags in einer digitalen Abstimmung. Sie sollen von Donnerstag (1. August) bis kommenden Montag ihre Stimme abgeben. Die Frage, wer mit ihr als Vizepräsidenten-Kandidat in den Wahlkampf zieht, könnte auch bald geklärt sein.

Offenbar will Harris am Montag verkünden, wer ihr Vize werden soll. Das sollen zwei mit der Angelegenheit vertraute Personen der Nachrichtenagentur Reuters gesagt haben. Am Dienstag wolle das Duo dann eine mehrtägige Wahlkampftour durch Swing States machen, bestätigte Harris‘ Team Newsweek.

Kamala Harris könnte Josh Shapiro als Vizepräsidenten-Kandidat auswählen.

US-Wahl 2024: Nur noch drei Kandidaten als Harris‘ Vizepräsidenten-Kandidaten übrig

Konkreter in der Sache wurde der Sender CNN. Demnach habe Harris bereits mit aussichtsreichen Kandidaten Vorgespräche geführt und mit engen Beratern gesprochen. Noch in dieser Woche wolle die 59-Jährige formelle Interviews führen, hieß es. Die Auswahl wird immer enger. Dem Sender zufolge gibt es nur noch drei Favoriten, die als Vizepräsidenten infrage kommen:

  • Tim Walz, Gouverneur von Minnesota
  • Mark Kelly, Senator von Arizona
  • Josh Shapiro, Gouverneur von Pennsylvania

Wegen Wahlkampftermin am Dienstag in Pittsburgh? Josh Shapiro könnte Harris‘ Vize werden

Auffällig ist, dass alle drei Demokraten Swing States vorstehen, also Staaten, die nicht traditionell demokratisch oder republikanisch wählen. Diese sind für den Ausgang der US-Wahl 2024 besonders wichtig. Ein Kandidat aus einem dieser Bundesstaaten würde es erleichtern, die Präsidentenwahl dort zu gewinnen.

Dass Philadelphia am Dienstag der erste Stopp der gemeinsamen Wahlkampftour von Harris und ihrem Vize-Kandidaten ist, nährt Spekulationen, dass es Shapiro wird. Der 51-Jährige gilt als starker Redner und energischer Politiker der Mitte. Dessen Nominierung wäre nachvollziehbar, ist er doch Gouverneur des bevölkerungsreichsten der drei oben genannten Swing States, und würde im Falle eines Sieges viele Wahlmänner einbringen.

Bilder einer Karriere: Kamala Harris strebt Präsidentenamt in den USA an

Mit dem Verzicht von Joe Biden auf die Kandidatur der Demokraten rückt seine Stellvertreterin Kamala Harris vor der US-Wahl 2024 in den Fokus.
Nachdem die Demokraten die Vizepräsidentin aufgestellt haben, hat Harris die Chance, als erste Frau in der Geschichte der USA das Präsidentenamt zu übernehmen. Damit wäre sie die mächtigste Frau der Welt.
Harris wurde am 20. Oktober 1964 in Oakland im Bundesstaat Kalifornien geboren. Ihr Vater war aus Jamaika in die USA eingewandert, um Wirtschaft zu studieren. Ihre Mutter, eine 2009 verstorbene Brustkrebsforscherin, kam aus Indien in die USA. Sie kam aus Indien und lernte Harris‘ Vater in den 60er Jahren in den USA kennen. 
Harris und ihre jüngere Schwester Maya wuchsen bei ihrer Mutter auf, zeitweise lebten sie im kanadischen Montreal. „Sie erzog uns zu stolzen, starken Schwarzen Frauen. Und sie hat uns beigebracht, unser indisches Erbe zu kennen und darauf stolz zu sein“, sagte Harris 2020 in einer Rede. Darin betonte sie auch, dass die USA einen Präsidenten brauchten, „der uns alle zusammenbringt – Schwarze, Weiße, Latinos, Asiaten, Indigene – um die Zukunft zu erreichen, die wir gemeinsam wollen“.
Bilder einer Karriere: Kamala Harris strebt Präsidentenamt in den USA an

Harris attackiert Trump wegen Blockade von Einwanderungsgesetz

Unterdessen rückt im Wahlkampf das Thema Einwanderung immer mehr in den Fokus. Auf einer Veranstaltung in Atlanta ging Harris in die Offensive. „Donald Trump kümmert sich nicht um die Sicherheit der Grenzen, er kümmert sich nur um sich selbst“, sagte die Vizepräsidentin.

Als Präsidentin wolle sie sich für ein neues Einwanderungsgesetz einsetzen, worüber es parteiübergreifend bereits eine Einigung gab, Trump es aber „zunichtemachte, weil er dachte, es würde ihm helfen, eine Wahl zu gewinnen“. „Einige der konservativsten Republikaner in Washington haben das Gesetz unterstützt. Sogar die Grenzpatrouille hat es befürwortet. Es war bereit, verabschiedet zu werden, aber in letzter Minute wies Trump seine Verbündeten im Senat an, dagegen zu stimmen“, wetterte die Demokratin. (mt)

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