Ukraine Krieg

Neue Waffen für die Ukraine: Patriot-Raketen aus Deutschland für Krieg gegen Russland

  • Erkan Pehlivan
    VonErkan Pehlivan
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Die Ukraine bekommt ein weiteres Luftabwehrsystem des Typs Patriot aus Deutschland. Doch die Lage für Kiew bleibt weiterhin angespannt.

Kiew - Während die USA Kiew auf weitere Militärhilfen warten lässt, kann die Ukraine auf Unterstützung aus einigen europäischen Staaten hoffen. Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj kündigte an, dass die Ukraine mehr Patriot-Luftabwehrsysteme erhalten werde. „Mehrere neue Patriot-Systeme werden in der Ukraine sein, um unser Land im Winter zu schützen“, sagte Selenskyj. Die Waffenlieferungen seien ein „sehr wichtiges Ergebnis“ seiner jüngsten Reisen ins Ausland.

Deutschland liefert weiteres Patriot-System in die Ukraine

Auch Deutschland werde ein Patriot-Systeme an die Ukraine liefern, schreibt das Online-Branchenmagazin Defence Express. Bereits im Oktober hatte Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) dem ukrainischen Präsidenten für die Wintermonate ein weiteres Flugabwehrsystem vom Typ Patriot zugesagt. Schon in den kommenden Tagen soll das System den Luftraum über der Ukraine vor russischen Angriffen schützen.

Scholz hatte darüber hinaus ausdrücklich die Notwendigkeit einer möglichen Ausweitung der deutschen Hilfe durch zusätzliche Befugnisse im Ernstfall zugesichert. Bereits zuvor hatte Deutschland gemeinsam mit den Niederlanden dem Land ein Patriot-System zur Verfügung gestellt. Auch die USA hatten dasselbe System bereits geliefert. Damit werden insgesamt drei Patriot Systeme in der Ukraine im Einsatz sein.

Ukraine bekommt auch IRIS-T Systeme aus Deutschland

Im Oktober hatte Deutschland der Ukraine ein Hilfspaket von einer Milliarde zugesagt. Nach Angaben des Verteidigungsministeriums hat das zweite Patriot-System einen deutlich größeren Umfang als das im April gelieferte erste System: Neben dem Feuerleitstand und dem Radargerät werden „acht weitere Startgeräte und voraussichtlich über 60 Lenkflugkörper“ geliefert. Zudem wurden damals auch zwei weitere IRIS-T-Systeme für die ukrainische Luftabwehr versprochen.

Deutschland will ein weiteres Flugabwehrsystem vom Typ Patriot in die Ukraine liefern.

Kiew will im Ukraine-Krieg künftig aber neben weiteren Waffensystemen auch mehr Soldaten einsetzen. Nach Angaben des ukrainischen Präsidenten hat die Armeeführung um die Mobilisierung von Hunderttausenden Ukrainern gebeten. Die Militärspitze habe vorgeschlagen, „450.000 bis 500.000 Kräfte“ zu mobilisieren, sagte Selenskyj am Dienstag bei seiner Jahresend-Pressekonferenz in Kiew.

Ukraine muss Munition im Krieg gegen Russland rationieren

Sorgen bereitet Selenskyj vor allem, dass die westlichen Hilfen ins Stocken geraten. Nach Angaben des in den USA angesiedelten Think-Tanks Institute for the Study of War (ISW) ist die Ukraine bereits gezwungen, Munition zu rationieren. Selenskyj war deswegen zuletzt in mehreren westlichen Ländern unterwegs, darunter in den USA, um für weitere militärische und politische Unterstützung im Ukraine-Krieg zu werben.

In Kiew versicherte Selenskyj nun, er vertraue darauf, dass die USA die Ukraine nicht „verraten“ und die Vereinbarungen einhalten würden. Zugleich gab er an, dass ein möglicher Sieg des Republikaners Donald Trump bei der US-Präsidentschaftswahl Ende 2024 den Verlauf des Krieges stark beeinflussen könne. Trump werde „sicherlich eine andere Politik“ gegenüber der Ukraine verfolgen.

Panzer, Drohnen, Luftabwehr: Waffen für die Ukraine

Die Bundeswehr nutzt den Kampfpanzer Leopard in verschiedenen Varianten seit 1979. Bewaffnet mit einer 120-Millimeter-Kanone lassen sich in den jüngeren Modellen von vier Soldaten an Bord Ziele in einer Entfernung bis zu 5000 Metern bekämpfen. Die Ukraine erhält Panzer des Typs Leopard 2 A6. Das 62,5 Tonnen-Gefährt war bei seiner Einführung im Jahr 2001 als verbesserte Variante des A5 etwa mit neuer Hauptwaffe versehen worden. Das Modell A6M verfügt zudem über einen erhöhten Minenschutz.
Der US-Kampfpanzer M1 Abrams gleicht dem Leopard 2 in weiten Teilen. Den M1 Abrams gibt es seit 1980 in mittlerweile drei Hauptvarianten. Seit dem Modell M1A1 ist eine 120-Millimeter-Kanone an Bord. Die vier Insassen werden von einer Stahl-Panzerung vor Angriffen geschützt. Mit 1500 PS kommt der je nach Modell bis zu 74 Tonnen schwere Abrams auf eine Höchstgeschwindigkeit von knapp 68 Kilometern pro Stunde. Anders als der Leopard 2 wird der M1 Abrams über eine Gasturbine mit Kerosin angetrieben.
Die Hauptwaffe der US-amerikanischen Bradley-Schützenpanzer besteht aus einer 25-Millimeter-Maschinenkanone M242 Bushmaster, die zwischen 100 und 200 Schuss pro Minute verschießen kann. Zudem sind die gepanzerten Kettenfahrzeuge, die nach General Omar N. Bardley benannt sind, mit Maschinengewehren des Typs M240 sowie panzerbrechende Raketen ausgestattet. Die Besatzung umfasst bis zu zehn Soldaten: Fahrer, Kommandant, Richtschütze sowie bis zu sieben Soldaten als Infanterietrupp. Der Panzer wurde dafür konzipiert, im Verbund mit Panzerartillerie und Kampfhelikoptern zu operieren.
Beim AMX-10 RC aus Frankreich handelt es sich um einen amphibischen Spähpanzer. Der Panzer wird aufgrund seiner schwereren Panzerung und Bewaffnung hauptsächlich bei der Aufklärung eingesetzt. Ausgestattet ist er mit einer 105-Millimeter-Kanone, wodurch er auch als Panzerjäger verwendet werden kann. Die Besatzung besteht aus mindestens vier Soldaten. Bei einer Gefechtsmasse von 14,2 Tonnen ist der Panzer mit 85 km/h extrem mobil.
Panzer, Drohnen, Luftabwehr: Waffen für die Ukraine

EU blockiert wegen Ungarn Milliardenhilfen für Kiew

Auch kündigte der ukrainische Präsident an, er wolle wegen blockierter Gelder der Europäischen Union für die Ukraine mit dem ungarischen Ministerpräsidenten Viktor Orban sprechen. Orban hatte in der vergangenen Woche sein Veto gegen weitere Wirtschaftshilfen der EU in Höhe von 50 Milliarden Euro eingelegt. Auf eine Blockade der Beitrittsverhandlungen mit der Ukraine und dem Nachbarland Moldau verzichtete Orban aber. „Wir sind Nachbarn und wir versuchen, Lösungen für unsere Fragen zu finden, aber dafür müssen wir ein Treffen organisieren“, sagte Selenskyj.

Die Sorgen in Kiew sind berechtigt. UN-Menschenrechtskommissar Volker Türk beklagt eine zunehmende Kriegsmüdigkeit der internationalen Gemeinschaft beim Ukraine-Krieg. „Die Aufmerksamkeit der Welt scheint von den zahlreichen Krisen, mit denen wir konfrontiert sind, abgestumpft zu sein“, sagte Türk vor dem UN-Menschenrechtsrat in Genf.

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