Militärische Früherziehung
„Das Leben dem Vaterland“: Propaganda in Russlands Kindergärten
VonAlexandra Heidsiekschließen
Putin fährt seine Propagandamaßnahmen hoch. Aktuell im Fokus: Kindergartenkinder.
Moskau – Man kann nie früh genug mit der patriotischen Erziehung der Jugend beginnen. In Saransk, einer Stadt keine 700 km südöstlich von Russlands Hauptstadt Moskau, fand Ende Februar der Wettbewerb „Formation und Lieder“ statt. Vor einem Banner mit der Aufschrift „Das Leben dem Vaterland, Ehre für niemanden“ bewiesen Kinder im Vorschulalter ihre Fähigkeiten im Marschieren, Singen und Exerzieren. Ein Video des Ereignisses teilte der Berater des ukrainischen Innenministeriums Anton Geraschenko auf X.
Sturmgewehre, Messer, Granaten: nur das beste Spielzeug für Russlands Jugend
Für die militärische Indoktrinierung der Jugend hat Russland eigene Organisationen, eine davon: die Freiwillige Gesellschaft zur Unterstützung der Armee, der Luftstreitkräfte und der Flotte, kurz DOSAAF. Angelehnt an ihr sowjetisches Erbe veranstaltet DOSAAF seit 2014 jedes Jahr die „Sarniza“-Spiele für Jugendliche unter 16 Jahren. „Sarniza“ bedeutet übersetzt „Wetterleuchten“. Teilnehmende treten dort in Disziplinen wie AK-74 zusammenbauen, Messer- und Granatenwerfen sowie Befehle ausführen gegeneinander an. 2022 spielten 290.000 Jugendliche mit.
Passend dazu gibt es seit 2023 ein neues Lehrbuch, das den Schülerinnen und Schülern die Geschichte aus der Perspektive von Russlands Präsident Wladimir Putin näher bringt. Dort finden sich nicht nur Rechtfertigungen zur Krim-Annexion, sogar der Angriffskrieg in der Ukraine als gerechtfertigter Akt zur Selbstverteidigung hat bereits Eingang in das Lehrmaterial gefunden.
Ukraine-Krieg: Die Ursprünge des Konflikts mit Russland




Putin übernimmt Verantwortung für die militärische Früherziehung
Auch Studierende werden dazu gezwungen, dem Ukraine-Krieg zu huldigen: 2023 organisierte der Studiengang „Animation“ der Moskauer Finanz- und Industrieuniversität Synergy in Kooperation mit der kremlnahen Stiftung Snanie (dt. Wissen) eine Ausstellung mit 24 Graphic Novels zu „Helden“ der sogenannten militärischen Spezialoperation. Diese kann man heute noch auf der Webseite героиспецоперации.рф ansehen.
Versuche, die junge Generation für den Krieg zu begeistern, unternimmt Putin schon lange. Schon vor der Einnahme der Krim 2014 existierte die patriotisch-nationalistische Jugendbewegung Naschi (die Unsrigen), seitdem folgten Set (das Netz), die Junarmija (Jugendarmee) und seit Juli 2022 die „Bewegung der Ersten“. Letztere richtet sich an Kinder ab dem sechsten Lebensjahr und agiert auf Putins persönliche Direktive.
Ableger der „Bewegung der Ersten“ sollen an allen Schulen und am besten auch an allen Hochschulen Russlands entstehen – idealerweise mit einem Poster der Ausstellung in jedem Klassenzimmer. An Veranstaltungen der Bewegung nehmen schon jetzt über sieben Millionen Menschen teil. (ah)
Rubriklistenbild: © Dmitri Lovetsky/dpa

