Ukraine-Krieg

Korruption in Putins Militär: Neuer Mann im Verteidigungsministerium soll aufräumen

  • VonBettina Menzel
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Das Verteidigungsministerium in Moskau wird von Korruptionsskandalen geplagt. Im russischen Militär sei „alles verrottet, alle korrumpiert“, sagt ein Kreml-Insider. Finanzexperte Beloussow soll aufräumen.

Moskau – Der russische Verteidigungsminister Sergej Schoigu musste am Sonntag (12. Mai) überraschend seinen Posten räumen. Kremlchef Wladimir Putin geht der militärische Fortschritt im Ukraine-Krieg zu langsam – doch das gilt als nur ein Grund für die Entlassung des Ministers.

Bestechungsskandale im Verteidigungsministerium und Druck aus der Rüstungsindustrie

Zahlreiche Bestechungsskandale erschütterten unlängst das Verteidigungsministerium in Moskau. Ende April wurde der Vize-Verteidigungsminister Timur Iwanow wegen Korruptionsverdacht verhaftet. Der General galt als enger Vertrauter Schoigus. Am Sonntag verlor dann Schoigu seinen Posten, ihm wurde allerdings ein ehrenvoller Abgang beschert: Der 68-Jährige ist nun Sekretär des nationalen Sicherheitsrates. Auf eine Entlassung gedrängt haben soll laut einer Quelle aus dem Kreml auch Rostec-Chef Sergej Tschemesow.

Der Chef des staatlichen Rüstungsunternehmens Rostec liefert laut eigenen Angaben 80 Prozent der Waffen für den Ukraine-Krieg. Anfang Mai betonte Schoigu, dass man „Umfang und Qualität“ der Waffen erhöhen müsse, um das erforderliche Tempo der Offensive aufrechtzuerhalten. Diese Nörgelei gefiel dem Rostec-Chef nach Angaben eines Kreml-Insiders offenbar nicht, wie das russische Exil-Medium Meduza berichtete. Demnach habe der Konzernchef Schoigus Entlassung gefordert und – gemeinsam mit seinem Netzwerk – auf die Korruption im Verteidigungsministerium hingewiesen.

Putins Zirkel der Macht im Kreml – die Vertrauten des russischen Präsidenten

Zu den Scharfmachern im Ukraine-Krieg gehört auch Ramsan Kadyrow.
Am 2. März 2007 wählte das tschetschenische Parlament ihn auf Putins Vorschlag zum Präsidenten des Landes
Der russische Außenminister Sergei Lawrow ist so etwas wie „Putins rechte Hand“.
Seit Beginn des Ukraine-Kriegs wiederholt Lawrow seine Vorwürfe, der Westen führe in der Ukraine Krieg gegen Russland.
Putins Zirkel der Macht im Kreml – die Vertrauten des russischen Präsidenten

Das zeigte offenbar Wirkung. „Wenn eine Person schimpft und um die Absetzung bittet, ist das eine Sache. Wenn es zwei sind, ist es eine andere“, so die Quelle weiter. Tschemesow hat demnach einen guten Draht zu Putin und wurde gehört. Wie zum Beweis für die Selbstbedienungsmentalität im Ministerium musste am vergangenen Dienstag auch Generalleutnant Juri Kusnezow seinen Posten räumen. Der Militär wurde wegen des Vorwurfs der Bestechlichkeit festgenommen.

So will Russland den Ukraine-Krieg gewinnen: Steigerung der Rüstungsproduktion

Aufräumen soll das Chaos nun Schoigus Nachfolger, Wirtschafts- und Finanzexperte Andrej Beloussow. Er wird sich mit der Korruption im Verteidigungsministerium befassen müssen. Womöglich deshalb wählte Putin einen Finanzfachmann und keinen Militär für den Job. „Derzeit gibt es kein Militärpersonal. Alles ist verrottet, alle sind korrumpiert“, hieß es vom Kreml-Insider dazu laut Meduza. Die Ernennung eines Finanzexperten wird von Experten auch als Zeichen gedeutet, dass der Kreml die Rüstungsindustrie weiter ankurbeln will.

Putin hatte zuletzt wiederholt die Steigerung der Rüstungsproduktion als Voraussetzung für einen Sieg gegen die Ukraine genannt. Längst hat Russland auf Kriegswirtschaft umgestellt. In drei Schichten produzieren Rüstungskonzerne rund um die Uhr Nachschub für die Front. Moskaus Kriegsmaschinerie stellt damit bereits fast dreimal so viel Munition pro Jahr her wie Europa und die USA zusammen. Laut Angaben des russischen Präsidenten fließen bereits 8,7 Prozent des Bruttoinlandsproduktes in Militär und Sicherheit.

Der russische Verteidigungsminister Andrej Beloussow (links) am 15. Mai 2024 bei einem Treffen mit dem russischen Präsidenten Wladimir Putin und den Kommandanten der Militärbezirke.

Am Mittwoch betonte der Kremlchef die Bedeutung stärkerer und fortschrittlicher Waffen im Kampf gegen die Ukraine. „Wir haben oft gesagt, dass derjenige gewinnt, der die neuesten Mittel des bewaffneten Kampfes schneller beherrscht“, so Putin, der außerdem deutlich mehr Tempo bei der Rüstungsproduktion forderte. „Wir müssen einen Schritt voraus sein: Wir müssen unsere Anstrengungen in diesem Gebiet verdoppeln und verdreifachen.“ Vor einer Woche startete Russland eine Bodenoffensive in Charkiw. Die Ukraine habe die Lage in der Region derzeit „weitgehend unter Kontrolle“, erklärte der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj am Donnerstag bei Telegram. 

Rubriklistenbild: © IMAGO/Gavriil Grigorov/ITAR-TASS