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Übergang zur Kriegswirtschaft: So viel gibt Russland für den Ukraine-Krieg aus

  • Markus Hofstetter
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Die russische Bevölkerung spürt im täglichen Leben noch wenig von den Folgen des Ukraine-Kriegs. Das könnte sich ändern, wenn der Krieg noch schlimmer wird und länger andauert.

München - Kriege sind teuer, das gilt natürlich auch für den Ukraine-Krieg. Zwar macht der Kreml keine Angaben zu seinen Militärausgaben, doch es gibt Schätzungen. Die Deutsche Gesellschaft für Auswärtige Politik (DGAP) geht davon aus, dass Russland im vergangenen Jahr rund fünf Prozent seines Bruttoinlandsprodukts (BIP) in das Militär investiert hat. Das entspricht umgerechnet rund 83,7 Milliarden Euro. Von 2023 bis 2025 sollen laut dem russischen Finanzministerium jährlich rund 5,7 Prozent des BIP in das Militär, die nationale Sicherheit und die Strafverfolgung fließen.

Russland geht zur Kriegswirtschaft über: Militärausgaben im Verhältnis gesehen geringer als die der Ukraine

Diese Ausgaben stellen laut DGAP zwar eine große Bürde für die russische Bevölkerung dar. Verglichen mit der Ukraine ist dies im Verhältnis gesehen nur ein Bruchteil. Denn das angegriffene Land soll in diesem Jahr 27,9 Milliarden Euro für den Krieg ausgeben, was 43 Prozent der Ausgaben entspricht.

Die militärische Unterstützung des Westens sei deswegen von zentraler Bedeutung, damit die Ukraine militärisch mit Russland auf Augenhöhe bleibe. Und angesichts des Zusammenbruchs der Wirtschaft seien die Budgethilfen für die Ukraine von entscheidender Bedeutung.

Zusammenbau eines T-72B3 Panzer in der Uralvagonzavod-Fabrik in Nischni Tagil (Archivfoto von 2019)

Russland geht zur Kriegswirtschaft über: Russen beschweren über Qualität heimischer Ersatzgüter

Auch Christoph Bluth, Professor für internationale Beziehungen an der Universität Bradford, glaubt, dass die Auswirkungen des Krieges für die russische Bevölkerung spürbarer werden. Denn das Land scheint auf dem Weg in die Kriegswirtschaft zu sein, um Ersatz zu zerstörtes Militärgerät zu produzieren. Hinzu kommen die westlichen Sanktionen, weswegen viele Produkte, die eigentlich aus dem Ausland kommen, von heimischen Firmen produziert werden, mit entsprechenden Folgen. Bluth schreibt, dass die Hälfte der von der Forschungsfirma Romir befragten Russen sich über die Qualität der Ersatzgüter beschwert hat.

Das kann zu einem Problem für Wladimir Putin werde. „Der Kreml vollführt einen heiklen Balanceakt, indem er beträchtliche Ressourcen in das Militär und die damit verbundenen Industrien umleitet“, so Bluth. Gleichzeitig versuche er, die Störung der allgemeinen Wirtschaft so gering wie möglich zu halten, da er sonst Gefahr laufe, die Unterstützung großer Teile der Bevölkerung zu verlieren.

Problem für den Kreml: Übergang zur totalen Kriegswirtschaft könnte Kreml Unterstützung der Bevölkerung kosten

Ein Lichtblick für die Bevölkerung ist, dass die russische Wirtschaft die Folgen der Sanktionen gut zu verkraften scheint. Der Internationale Währungsfonds (IWF) schätzt, dass diese im Jahr 2022 um 2,2 Prozent geschrumpft ist. Für 2023 wird ein Wachstum von 0,3 Prozent und für 2024 von 2,1 Prozent prognostiziert. Die Prognosen stehen jedoch auf tönernen Füßen, denn der Zugang zu zuverlässigen Daten über die russische Wirtschaft ist stark eingeschränkt, und die Behörden des Landes haben geschönte und sehr selektive Wirtschaftsdaten veröffentlicht. Jedoch beeindruckt Russlands Wirtschaft mit Wachstum - auch im Rüstungssektor. Doch es gibt eine Kehrseite.

Panzer, Drohnen, Luftabwehr: Waffen für die Ukraine

Die Bundeswehr nutzt den Kampfpanzer Leopard in verschiedenen Varianten seit 1979. Bewaffnet mit einer 120-Millimeter-Kanone lassen sich in den jüngeren Modellen von vier Soldaten an Bord Ziele in einer Entfernung bis zu 5000 Metern bekämpfen. Die Ukraine erhält Panzer des Typs Leopard 2 A6. Das 62,5 Tonnen-Gefährt war bei seiner Einführung im Jahr 2001 als verbesserte Variante des A5 etwa mit neuer Hauptwaffe versehen worden. Das Modell A6M verfügt zudem über einen erhöhten Minenschutz.
Der US-Kampfpanzer M1 Abrams gleicht dem Leopard 2 in weiten Teilen. Den M1 Abrams gibt es seit 1980 in mittlerweile drei Hauptvarianten. Seit dem Modell M1A1 ist eine 120-Millimeter-Kanone an Bord. Die vier Insassen werden von einer Stahl-Panzerung vor Angriffen geschützt. Mit 1500 PS kommt der je nach Modell bis zu 74 Tonnen schwere Abrams auf eine Höchstgeschwindigkeit von knapp 68 Kilometern pro Stunde. Anders als der Leopard 2 wird der M1 Abrams über eine Gasturbine mit Kerosin angetrieben.
Die Hauptwaffe der US-amerikanischen Bradley-Schützenpanzer besteht aus einer 25-Millimeter-Maschinenkanone M242 Bushmaster, die zwischen 100 und 200 Schuss pro Minute verschießen kann. Zudem sind die gepanzerten Kettenfahrzeuge, die nach General Omar N. Bardley benannt sind, mit Maschinengewehren des Typs M240 sowie panzerbrechende Raketen ausgestattet. Die Besatzung umfasst bis zu zehn Soldaten: Fahrer, Kommandant, Richtschütze sowie bis zu sieben Soldaten als Infanterietrupp. Der Panzer wurde dafür konzipiert, im Verbund mit Panzerartillerie und Kampfhelikoptern zu operieren.
Beim AMX-10 RC aus Frankreich handelt es sich um einen amphibischen Spähpanzer. Der Panzer wird aufgrund seiner schwereren Panzerung und Bewaffnung hauptsächlich bei der Aufklärung eingesetzt. Ausgestattet ist er mit einer 105-Millimeter-Kanone, wodurch er auch als Panzerjäger verwendet werden kann. Die Besatzung besteht aus mindestens vier Soldaten. Bei einer Gefechtsmasse von 14,2 Tonnen ist der Panzer mit 85 km/h extrem mobil.
Panzer, Drohnen, Luftabwehr: Waffen für die Ukraine

„Die gewöhnlichen Russen - diejenigen, die keine Angehörigen auf dem Schlachtfeld oder im Exil verloren haben - blicken also relativ zuversichtlich auf den Alltag“, schreibt Bluth. „Aber ein längerer, intensiverer Konflikt, der eine Umstellung auf eine totale Kriegswirtschaft erfordert, könnte eine ganz andere Sache sein.“

Derweil gibt es bei Rüstungsriese Krauss-Maffei Wegmann eine gravierende Änderung: Der Markenname ist Geschichte.

Rubriklistenbild: © Donat Sorokin/imago

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