Bedrohung durch russische Luftabwehr

F-16 Kampfjets bereiten Ukraine mehr Probleme als angenommen: „Zu gefährlich“

  • Bedrettin Bölükbasi
    VonBedrettin Bölükbasi
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Die Lieferung von F-16 Kampfjets an die Ukraine wird nach monatelangen Verhandlungen konkreter. Doch noch ist nicht alles gelöst. Es müssen noch Fragen beantwortet werden.

Washington/Kiew – Insbesondere im Rahmen der Gegenoffensive bereitet die russische Lufthoheit im Ukraine-Krieg Probleme für die ukrainische Armee. Monatelang hat Kiew daher moderne Kampfjets aus dem Westen gefordert, um Russland auch in der Luft Widerstand leisten zu können. Am Ende erfolgte der Durchbruch: Kiew erhielt eine Zusage zur Lieferung von 42 F-16 Kampfjets aus Dänemark und den Niederlanden.

Ausbildung stellt größte Hürde vor F-16 Einsatz dar: Piloten müssen erst noch Englisch lernen

Doch damit ist die Sache längst nicht erledigt. Denn die Kampfjets sollen erst nach der Ausbildung von ukrainischen Piloten geliefert werden. Das Training läuft bereits in Dänemark, Rumänien und den USA, während auch Griechenland angeboten hat, die Piloten auszubilden. Allerdings wird die Ausbildung mehrere Monate dauern, da die meisten ukrainischen Piloten keine Erfahrung mit westlichen Kampfflugzeugen haben. In der ukrainischen Luftwaffe werden ausschließlich sowjetische MiG und Su-Kampfflugzeuge genutzt.

Ein F-16-Kampfjet der niederländischen Luftwaffe landet während einer Militärübung auf dem Flughafen Schiphol. Die Niederlande und Dänemark wollen Jets dieser Art an die Ukraine liefern.

Zunächst einmal müssen die Piloten Medienberichten zufolge die technische englische Sprache lernen, damit die Ausbildung überhaupt beginnen kann. Außerdem besteht ein Unterschied zwischen dem reinen Fliegen des Kampfjets und tatsächlichen Kampfmissionen. Dabei geht es um den Einsatz westlicher Waffensysteme und spezifische Kampfsituationen. „Zu lernen, wie man damit kämpft, wie man die Raketen einsetzt, das wird rund sechs Monate dauern“, sagte der Sprecher der ukrainischen Luftwaffe, Yuri Ignat, laut dem US-Sender CNN. Der ukrainische Verteidigungsminister Oleksij Resnikow sprach zuletzt von einem Zeitraum zwischen sechs und sieben Monaten.

Gefahr durch russische Luftverteidigung: „F-16 kein dramatischer Game-Changer“

Der Einsatz von F-16 Kampfjets durch die Ukraine führt daneben zu einer beispiellosen Situation. Bisher sind die F-16 trotz ihrer jahrzehntelangen Nutzung nicht gegen russische Luftverteidigungssysteme aufgetreten. Daher ist es schwer, einzuschätzen, was in der Ukraine passieren wird. „Die Idee, mit den F-16 über die Frontlinien zu fliegen und die Pattsituation zu brechen, ist nicht realisierbar, es ist einfach zu gefährlich“, erklärte der Experte Mark Cancian vom Center for Strategic and International Studies gegenüber CNN. Er bezeichnete die russische Luftverteidigung als „sehr beeindruckend“. Tatsächlich setzt Russland in der Ukraine sehr fortgeschrittene Luftabwehrsysteme wie die S-400 ein. Zuletzt wurde ein solches System auf der Krim zerstört.

Ohne Zweifel werden die F-16 der Ukraine einen Vorteil verschaffen, doch die Frage ist, zu welchem Grad. „Es ist kein Allheilmittel, sie werden dadurch nicht auf einmal SA-21 Luftabwehrsysteme abschießen, nur weil sie F-16 Kampfjets haben“, warnte US-General James B. Hecker, Chef der US-Luftstreitkräfte in Europa. Eine ernsthafte, kompetente Nutzung sei erst nach vier bis fünf Jahren möglich. Der US-Sekretär für Luftstreitkräfte, Frank Kendall, äußerte sich ähnlich: „Es wird kein dramatischer Game-Changer.“

Panzer, Drohnen, Luftabwehr: Waffen für die Ukraine

Die Bundeswehr nutzt den Kampfpanzer Leopard in verschiedenen Varianten seit 1979. Bewaffnet mit einer 120-Millimeter-Kanone lassen sich in den jüngeren Modellen von vier Soldaten an Bord Ziele in einer Entfernung bis zu 5000 Metern bekämpfen. Die Ukraine erhält Panzer des Typs Leopard 2 A6. Das 62,5 Tonnen-Gefährt war bei seiner Einführung im Jahr 2001 als verbesserte Variante des A5 etwa mit neuer Hauptwaffe versehen worden. Das Modell A6M verfügt zudem über einen erhöhten Minenschutz.
Der US-Kampfpanzer M1 Abrams gleicht dem Leopard 2 in weiten Teilen. Den M1 Abrams gibt es seit 1980 in mittlerweile drei Hauptvarianten. Seit dem Modell M1A1 ist eine 120-Millimeter-Kanone an Bord. Die vier Insassen werden von einer Stahl-Panzerung vor Angriffen geschützt. Mit 1500 PS kommt der je nach Modell bis zu 74 Tonnen schwere Abrams auf eine Höchstgeschwindigkeit von knapp 68 Kilometern pro Stunde. Anders als der Leopard 2 wird der M1 Abrams über eine Gasturbine mit Kerosin angetrieben.
Die Hauptwaffe der US-amerikanischen Bradley-Schützenpanzer besteht aus einer 25-Millimeter-Maschinenkanone M242 Bushmaster, die zwischen 100 und 200 Schuss pro Minute verschießen kann. Zudem sind die gepanzerten Kettenfahrzeuge, die nach General Omar N. Bardley benannt sind, mit Maschinengewehren des Typs M240 sowie panzerbrechende Raketen ausgestattet. Die Besatzung umfasst bis zu zehn Soldaten: Fahrer, Kommandant, Richtschütze sowie bis zu sieben Soldaten als Infanterietrupp. Der Panzer wurde dafür konzipiert, im Verbund mit Panzerartillerie und Kampfhelikoptern zu operieren.
Beim AMX-10 RC aus Frankreich handelt es sich um einen amphibischen Spähpanzer. Der Panzer wird aufgrund seiner schwereren Panzerung und Bewaffnung hauptsächlich bei der Aufklärung eingesetzt. Ausgestattet ist er mit einer 105-Millimeter-Kanone, wodurch er auch als Panzerjäger verwendet werden kann. Die Besatzung besteht aus mindestens vier Soldaten. Bei einer Gefechtsmasse von 14,2 Tonnen ist der Panzer mit 85 km/h extrem mobil.
Panzer, Drohnen, Luftabwehr: Waffen für die Ukraine

Wartung westlicher Kampfjets: Logistikkette muss bis zur Ukraine verlängert werden

Ein Problem ist auch die Wartung der Kampfjets. Die F-16 benötigen hier viel mehr Arbeit als ein durchschnittliches Flugzeug aus Sowjet-Zeiten. Cancian zufolge benötigt ein F-16 Kampfjet 16 Stunden Wartung pro Flugstunde. Daneben kostet ein F-16 Kampfjet pro Flugstunde 27.000 US-Dollar. Der US-Experte machte auf die Logistikkette der Wartungsinfrastruktur aufmerksam. Ein F-16 Kampfjet bestehe schließlich aus tausenden Einzelteilen. Zur Logistik gehören nicht nur Einzelteile, sondern auch Ingenieure und weiteres Wartungspersonal.

Außerdem muss die Ukraine ihre Luftstützpunkte entsprechend der F-16 Kampfjets umstellen und ferner vor russischen Angriffen schützen, damit die westlichen Flugzeuge überhaupt abheben können. Luftwaffensprecher Ignat hatte bereits zu Beginn der Debatte um F-16 Kampfjets betont, man bereite die Start- und Landebahnen schon vor. (bb)

Rubriklistenbild: © Remko De Waal/epa/dpa

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