Sanktionen gegen Russland

Waffenhilfe für Diktator Kim und Putin: Westliche Bauteile in Nordkorea-Raketen gefunden

  • Stefan Krieger
    VonStefan Krieger
    schließen

Nordkorea gelingt es offenbar, UN-Sanktionen zu umgehen und westliche Teile für seine Waffenproduktion zu nutzen. Ein Bericht enthüllt die Details.

London – Ein in der Ukraine entdeckter nordkoreanischer Marschflugkörper weist laut einem Bericht Komponenten von Firmen aus den USA und Europa auf. Das in Nordkorea produzierte Geschoss enthielt über 290 elektronische Bauteile, die nicht aus dem Land selbst stammten, so der kürzlich veröffentlichte Bericht der Organisation CAR, die den Transport von Waffen und militärischem Material in Konfliktzonen überwacht und untersucht.

Der CAR-Bericht weist darauf hin, dass Pjöngjang trotz harter Sanktionen in der Lage ist, an westliche Komponenten für seine Waffenproduktion zu gelangen, und dass diese Waffen von Russland im Ukraine-Krieg eingesetzt werden. Gleichzeitig sei es aber auch ein Hinweis darauf, wie sehr das Land auf Importe aus dem Ausland angewiesen sei.  Demnach konnten 75 Prozent der ausländischen Teile Unternehmen in den USA und 16 Prozent Unternehmen in Europa zugeordnet werden.

Test eines nordkoreanischen Marschflugkörpers vom Typ „Hwasal-2“. (Symbolbild)

Nordkorea umgeht Sanktionen der UN

Das zeige, dass es Nordkorea gelinge, die UN-Sanktionen gegen das Land für Komponenten von ballistischen Raketen zu umgehen, so der Bericht weiter. Anhand von Datumskennzahlen kamen die CAR-Ermittler zu dem Schluss, dass der gefundenen Marschflugkörper nicht vor März 2023 gefertigt geborgen. Demnach wurde das untersuchte Geschoss am 2. Januar 2024 in der Region Charkiw geborgen.

Sanktionen gegen Nordkorea

Bei den umfangreichen Sanktionen gegen Nordkorea handelt es sich um Vorgaben des UN-Sicherheitsrates, die durch EU-autonome Maßnahmen ergänzt und verschärft wurden. Im Beschuss zum Militärgüterembargo heißt es:

Verboten ist die Lieferung, der Verkauf, die Weitergabe auf direktem oder indirektem Weg von Rüstungsgütern oder sonstigem Wehrmaterial jeder Art einschließlich Waffen, Munition, Militärfahrzeugen und Militärausrüstung sowie paramilitärischer Ausrüstung und Ersatzteilen sowie bestimmte Materialien und Geräte, die zu den Nuklearprogrammen, Programmen für ballistische Flugkörper oder andere Massenvernichtungswaffen von Nordkorea beitragen könnten. Gleichfalls untersagt ist die damit in Zusammenhang stehende technische Unterstützung, Vermittlung sowie Finanzierung. (Art 7 Verordnung (VO) 2017/1509). 

Teile aus den USA und Deutschland in Nordkorea-Raketen gefunden

Es geht dem Bericht zufolge vor allem um Teile, die im Navigationssystem der Raketen verbaut waren. Neben den USA und Deutschland seien auch Teile aus Singapur, Japan, der Schweiz, China, den Niederlanden und Taiwan gefunden worden. 

Panzer, Drohnen, Luftabwehr: Waffen für die Ukraine

Die Bundeswehr nutzt den Kampfpanzer Leopard in verschiedenen Varianten seit 1979. Bewaffnet mit einer 120-Millimeter-Kanone lassen sich in den jüngeren Modellen von vier Soldaten an Bord Ziele in einer Entfernung bis zu 5000 Metern bekämpfen. Die Ukraine erhält Panzer des Typs Leopard 2 A6. Das 62,5 Tonnen-Gefährt war bei seiner Einführung im Jahr 2001 als verbesserte Variante des A5 etwa mit neuer Hauptwaffe versehen worden. Das Modell A6M verfügt zudem über einen erhöhten Minenschutz.
Der US-Kampfpanzer M1 Abrams gleicht dem Leopard 2 in weiten Teilen. Den M1 Abrams gibt es seit 1980 in mittlerweile drei Hauptvarianten. Seit dem Modell M1A1 ist eine 120-Millimeter-Kanone an Bord. Die vier Insassen werden von einer Stahl-Panzerung vor Angriffen geschützt. Mit 1500 PS kommt der je nach Modell bis zu 74 Tonnen schwere Abrams auf eine Höchstgeschwindigkeit von knapp 68 Kilometern pro Stunde. Anders als der Leopard 2 wird der M1 Abrams über eine Gasturbine mit Kerosin angetrieben.
Die Hauptwaffe der US-amerikanischen Bradley-Schützenpanzer besteht aus einer 25-Millimeter-Maschinenkanone M242 Bushmaster, die zwischen 100 und 200 Schuss pro Minute verschießen kann. Zudem sind die gepanzerten Kettenfahrzeuge, die nach General Omar N. Bardley benannt sind, mit Maschinengewehren des Typs M240 sowie panzerbrechende Raketen ausgestattet. Die Besatzung umfasst bis zu zehn Soldaten: Fahrer, Kommandant, Richtschütze sowie bis zu sieben Soldaten als Infanterietrupp. Der Panzer wurde dafür konzipiert, im Verbund mit Panzerartillerie und Kampfhelikoptern zu operieren.
Beim AMX-10 RC aus Frankreich handelt es sich um einen amphibischen Spähpanzer. Der Panzer wird aufgrund seiner schwereren Panzerung und Bewaffnung hauptsächlich bei der Aufklärung eingesetzt. Ausgestattet ist er mit einer 105-Millimeter-Kanone, wodurch er auch als Panzerjäger verwendet werden kann. Die Besatzung besteht aus mindestens vier Soldaten. Bei einer Gefechtsmasse von 14,2 Tonnen ist der Panzer mit 85 km/h extrem mobil.
Panzer, Drohnen, Luftabwehr: Waffen für die Ukraine

Die Organisation Conflict Armament Research mit Sitz in London, deren Arbeit teilweise von der EU finanziert wird, untersucht Waffensysteme in Kriegsgebieten auf die Lieferketten, mit deren Hilfe sie hergestellt wurden.

Die US-Regierung in Washington hatte zu Beginn des Jahres bekannt gegeben, dass Nordkorea Russland mit Marschflugkörpern und Raketenwerfern beliefert hat, die bei Angriffen in der Ukraine zum Einsatz kamen. Weder Pjöngjang noch Moskau haben sich bislang zu den Vorwürfen geäußert. (skr/dpa/afp)

Rubriklistenbild: © KCNA/dpa