Ukraine-Krieg

Putin-Sprecher droht der Nato: „Auf Niveau direkter Konfrontation“

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Kremlsprecher Dmitri Peskow im März in Moskau.
  • VonBettina Menzel
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Die Nato wird 75. Doch die Feierlaune bleibt aus. Für den Westen ist die Allianz eine Sicherheitsgarantie, für Moskau ein „Konfrontationsinstrument“.

Moskau – Vor mehr als zwei Jahren überfiel Russland die Ukraine. Die Schuld dafür sieht Moskaus Propaganda bei der Nato. Anlässlich des 75-jährigen Bestehens der Allianz kam nun erneut Kritik aus Russland: Die Nato sei ein „destabilisierender Faktor“, sagte Kremlsprecher Dmitri Peskow.

Kreml sieht Nato als „destabilisierenden Faktor“

Die Gründung der Nato geht auf das Jahr 1949 zurück: Die Allianz war damals als Reaktion auf die als bedrohlich wahrgenommene Politik der Sowjetunion gegründet worden. Deutschland trat dem Bündnis 1955 bei. Die Nato sei auch heute noch eine „überlebenswichtige Sicherheitsgarantie“ für die Bundesrepublik, hieß es vonseiten des Außenministeriums. „Die Nato wurde von den USA als Konfrontationsinstrument - vor allem auf dem europäischen Kontinent - geplant, konfiguriert, erschaffen und gelenkt“, behauptete indes Kremlsprecher Dmitri Peskow am Donnerstag (4. April) laut der Nachrichtenagentur Interfax.

Nato-Generalsekretär Jens Stoltenberg bezeichnete die Nato zum Jubiläum als Garant für Frieden und Sicherheit. Die Tätigkeiten der Nato fördern aus Sicht Peskows derzeit weder Sicherheit noch Stabilität in Europa, „sondern sind im Gegenteil ein destabilisierender Faktor“. Russland führte in der Vergangenheit immer wieder an, sich von der Nato bedroht zu fühlen. Westliche Militärexperten betonen indes, dass es sich um ein Verteidigungsbündnis handle, von dem keine Bedrohung für Russland ausginge. Angesichts der Spannungen zwischen Moskau und dem Westen sprach Peskow am Donnerstag davon, dass die Beziehungen mit der Nato „faktisch auf ein Niveau direkter Konfrontation“ abgerutscht seien.

Bedrohungslage im Westen: Vom „Nachkriegszeitalter zur Vorkriegswelt“

Auch im Westen schien der Ton zuletzt schärfer zu werden. In einem Interview mit der Welt sagte etwa der polnische Ministerpräsident Donald Tusk: „Ich weiß, es klingt niederschmetternd [...] aber wir müssen uns daran gewöhnen, dass eine neue Ära begonnen hat: die Vorkriegszeit.“ Er wolle niemandem Angst mache, „aber Krieg ist kein Konzept mehr aus der Vergangenheit“, so Tusk weiter.

Am Donnerstag äußerte sich auch der britische Verteidigungsminister Grant Shapps entsprechend. „Wir sind von einer Nachkriegs- zu einer Vorkriegswelt übergegangen“, schrieb Shapps in einem Gastbeitrag für die britische Zeitung Telegraph zum Nato-Jubiläum. „Russland bedroht unsere Nachbarn, China ist zunehmend aggressiv. Iran nutzt seine Stellvertreter, um regionales Unheil vom Nahen Osten bis zur Meerenge am Jemen anzurichten“, so Shapps in seinem Gastbeitrag weiter. „Und Nordkorea rasselt kontinuierlich mit dem nuklearen Säbel. Diese bösartigen Mächte verbünden sich zunehmend und unsere Demokratie steht in ihrem Fadenkreuz.“

Panzer, Drohnen, Luftabwehr: Waffen für die Ukraine

Die Bundeswehr nutzt den Kampfpanzer Leopard in verschiedenen Varianten seit 1979. Bewaffnet mit einer 120-Millimeter-Kanone lassen sich in den jüngeren Modellen von vier Soldaten an Bord Ziele in einer Entfernung bis zu 5000 Metern bekämpfen. Die Ukraine erhält Panzer des Typs Leopard 2 A6. Das 62,5 Tonnen-Gefährt war bei seiner Einführung im Jahr 2001 als verbesserte Variante des A5 etwa mit neuer Hauptwaffe versehen worden. Das Modell A6M verfügt zudem über einen erhöhten Minenschutz.
Der US-Kampfpanzer M1 Abrams gleicht dem Leopard 2 in weiten Teilen. Den M1 Abrams gibt es seit 1980 in mittlerweile drei Hauptvarianten. Seit dem Modell M1A1 ist eine 120-Millimeter-Kanone an Bord. Die vier Insassen werden von einer Stahl-Panzerung vor Angriffen geschützt. Mit 1500 PS kommt der je nach Modell bis zu 74 Tonnen schwere Abrams auf eine Höchstgeschwindigkeit von knapp 68 Kilometern pro Stunde. Anders als der Leopard 2 wird der M1 Abrams über eine Gasturbine mit Kerosin angetrieben.
Die Hauptwaffe der US-amerikanischen Bradley-Schützenpanzer besteht aus einer 25-Millimeter-Maschinenkanone M242 Bushmaster, die zwischen 100 und 200 Schuss pro Minute verschießen kann. Zudem sind die gepanzerten Kettenfahrzeuge, die nach General Omar N. Bardley benannt sind, mit Maschinengewehren des Typs M240 sowie panzerbrechende Raketen ausgestattet. Die Besatzung umfasst bis zu zehn Soldaten: Fahrer, Kommandant, Richtschütze sowie bis zu sieben Soldaten als Infanterietrupp. Der Panzer wurde dafür konzipiert, im Verbund mit Panzerartillerie und Kampfhelikoptern zu operieren.
Beim AMX-10 RC aus Frankreich handelt es sich um einen amphibischen Spähpanzer. Der Panzer wird aufgrund seiner schwereren Panzerung und Bewaffnung hauptsächlich bei der Aufklärung eingesetzt. Ausgestattet ist er mit einer 105-Millimeter-Kanone, wodurch er auch als Panzerjäger verwendet werden kann. Die Besatzung besteht aus mindestens vier Soldaten. Bei einer Gefechtsmasse von 14,2 Tonnen ist der Panzer mit 85 km/h extrem mobil.
Panzer, Drohnen, Luftabwehr: Waffen für die Ukraine

Litauens Außenminister Gabrielius Landsbergis warnte, „die größten Schlachten der Nato könnten in der Zukunft liegen“. Wenn sich die Allianz darauf nicht vorbereite, wäre es der „größte Fehler“ ihrer Geschichte. „Ohne Sicherheit ist alles nichts“, schrieb Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) im Onlinedienst X (vormals Twitter) zum 75-jährigen Nato-Bestehen. Im Abwehrkampf gegen Russland verteidigt die Ukraine indes auch die Sicherheit Europas, gerät jedoch militärisch zunehmend unter Druck. Generalsekretär Stoltenberg hatte am Donnerstag mit Blick auf eine mögliche Wiederwahl von Donald Trump las US-Präsident unter anderem vorgeschlagen, die Hilfen für die Ukraine künftig durch die Nato nicht wie bislang von Washington koordinieren zu lassen.