Militärmaschine in Belgorod abgestürzt

Augenzeuge schildert „seltsame“ Beobachtung kurz vor Flugzeugabsturz in Russland

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    VonFranziska Schwarz
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Bevor die Militärmaschine in Belgorod abstürzte, sollen „mehrere große Objekte“ aus ihr gefallen sein. Eine Sicherheitsexpertin warnt generell vor voreiligen Schlüssen.

Belgorod – Alle 74 Menschen an Bord sollen ums Leben gekommen sein. Unter ihnen waren angeblich auch 65 ukrainische Kriegsgefangene: Der Flugzeugabsturz im russischen Belgorod zieht viele Vorwürfe und Spekulationen nach sich. Ein Augenzeuge berichtet von einem „seltsamen“ Gegenstand, der vor dem Crash aus dem Flieger gefallen sein soll.

Zu Wort meldete sich auch Anton Geraschenko, ein früherer Berater des ukrainischen Innenministeriums. Er sagte, aus der russischen Militärmaschine seien „mehrere große Objekte“ gefallen, wie Newsweek berichtet. Nähere Angaben machte er nicht.

Das US-Portal wies dabei auch auf eine Meldung des russischen Telegram-Kanals „VChK-OGPU“ hin: Laut einem angeblichen Augenzeugen sei „kurz vor dem Absturz“ aus dem Flieger ein „seltsamer“ Gegenstand „geschleudert“ worden, übersetzte Newsweek. aus dem Russischen. Unabhängig prüfen ließen sich diese Angaben nicht.

Flugzeugabsturz in Russland: Putin-Sprecher droht mit „Auswirkungen“ im Ukraine-Krieg

In Russland ist der Vorfall ebenfalls ein großes Thema. Dmitri Peskow, Sprecher von Kremlchef Wladimir Putin, nannte den Absturz einen „absolut ungeheuerlichen Akt“. Russland machte die Ukraine verantwortlich für den Vorfall. „Niemand kann Ihnen sagen, welche Auswirkungen dies auf die Aussichten für eine Verlängerung des Prozesses“ des Gefangenenaustauschs im Ukraine-Krieg haben werde. Das sagte Peskow an diesem Donnerstag (25. Januar) laut staatlichen russischen Nachrichtenagenturen.

Ist die militärische Transportmaschine Il-76 mit 65 Kriegsgefangenen wirklich abgeschossen worden? Nun gibt es Bilder aus Russland, die Wrackteile zeigen sollen.

Ukraine-Krieg: Expertin ordnet im ZDF den Flugzeugabsturz in Belgorod ein

Die Sicherheitsexpertin Claudia Major hat unterdessen im ZDF-„Morgenmagazin“ vor voreiligen Schlüssen gewarnt. Es seien derzeit zwei Fakten bekannt, sagte die Leiterin der Forschungsgruppe Sicherheitspolitik der Stiftung Wissenschaft und Politik (SWP). „Das Flugzeug ist abgeschossen worden. Und es war ein Gefangenenaustausch geplant, der nicht stattgefunden hat.“ Dies seien derzeit „die einzigen verlässlichen Informationen“.

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Wladimir Putin ist seit dem 24. Februar 2022 auch Kriegsherr – auch wenn in Russland nach offizieller Lesart nur von einer militärischen „Spezialoperation“ in der Ukraine gesprochen wird.
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Alles andere, wie etwa Listen zum Gefangenenaustausch, seien bislang „Spekulation“. Daher sei auch die Forderung des ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj nach einer internationalen Untersuchung zur Absturzursache richtig.

Flugzeugabsturz in Belgorod: Claudia Major warnt vor „Propaganda-Effekt“

Die russische Nachrichtenagentur Ria Nowosti hatte unter Berufung auf das Verteidigungsministerium in Moskau berichtet, die ukrainischen Kriegsgefangenen seien am Mittwoch für einen Austausch auf dem Weg nach Belgorod gewesen. Die russischen Streitkräfte hätten mit Radars „den Start von zwei ukrainischen Raketen beobachtet“, erklärte das Ministerium. Das Flugzeug sei von einem Dorf in der ukrainischen Grenzregion Charkiw aus abgeschossen worden.

Militärexpertin Claudia Major im „Morgenmagazin“ des ZDF vom 25. Januar

Die SWP-Sicherheitsexpertin Major sagte, der Vorfall mache noch einmal deutlich, „dass dieser Krieg auch im Informationsraum stattfindet“. Russland versuche „ganz klar“, diesen Krieg auch mit Desinformation zu führen. Daher sei bei den Spekulationen Vorsicht geboten. Am Frontgeschehen ändere der Vorfall nichts, betonte die Expertin.

Die Expertin sieht vor allem einen „Propaganda-Effekt“. Der Vorfall sei „ein Beispiel mehr, wie Russland auch mit den ukrainischen Kriegsgefangenen umgeht“, sagte Major. (frs mit AFP)

Rubriklistenbild: © Uncredited/Russian Investigative Committee/AP/dpa