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Kritik an Kriegsführung: Putin lässt Ex-General in Moskau verhaften
VonMichael Kisterschließen
Ein russischer Ex-General wurde in Moskau festgenommen. Offiziell wird ihm Betrug vorgeworfen, doch bekannt wurde er wegen Kritik an der Armeeführung.
Moskau – Der wegen seiner Kritik an der Moskauer Kriegsführung im Ukraine-Krieg gefeuerte russische General Iwan Popow ist Medienberichten zufolge wegen Betrugsvorwürfen verhaftet worden. Gegen den 49-jährigen Generalmajor werde wegen Betrugs in besonders großem Ausmaß ermittelt, berichtete die staatlich-russische Nachrichtenagentur Tass am Dienstag unter Berufung auf Quellen im Sicherheitsapparat. Der Haftantrag sei vor einem Militärgericht in Moskau verhandelt worden. Nach Angaben des prorussischen Militärblogs Dwa Majora wird Popow vorgeworfen, Hilfsgüter für seine Armee im Wert von 100 Millionen Rubel (eine Million Euro) zweckentfremdet und verkauft zu haben.
Popow diente bis zum Sommer 2023 als Kommandeur der 58. Armee von Wladimir Putin in dessen Angriffskrieg gegen die Ukraine. Die 58. Armee war maßgeblich an der Besetzung der Hafenstadt Mariupol beteiligt – und stand im vergangenen Sommer im Gebiet Saporischschja, als die Ukraine dort ihre Gegenoffensive startete. Popow kritisierte nach hohen Verlusten die Kriegsführung Moskaus und forderte unter anderem eine Rotation der Kampfeinheiten, um Verluste auszugleichen. Die Rechtmäßigkeit der russischen Invasion selbst stellte er nicht infrage.
Russischer Ex-General Iwan Popow wegen Betrugs in Moskau verhaftet
Trotzdem wurde er wegen seiner Kritik entlassen. Generalstabschef Wladimir Gerassimow soll den bei seinen Untergebenen geschätzten Kommandeur als „Panikmacher“ bezeichnet haben. Popow hatte sich nach seiner Absetzung von seinen Soldaten mit einer Sprachnachricht verabschiedet, in der er der Armeeführung Inkompetenz und Verrat vorwarf und angab, er sei wegen einer Intervention bei seinen Vorgesetzten innerhalb eines Tages entlassen worden.
Popow selbst und der Duma-Abgeordnete Andrej Guruljow verbreiteten die Sprachnachricht über ihre Telegram-Kanäle, in welcher der Ex-General sagte: „Ich hatte nicht das Recht, im Namen aller meiner im Kampf gestorbenen Freunde zu lügen, und deshalb habe ich alle Probleme in der Armee angeprangert.“ Maßgeblich habe er dabei „das Fehlen der Artillerieaufklärung und -bekämpfung und die vielen Toten und Verletzten durch die feindliche Artillerie“ kritisiert.
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Wurde Popow seine offene Kritik an der Armeeführung zum Verhängnis?
Darüber hinaus äußerte Popow einen Vorwurf, der dem sehr ähnlich klang, was Jewgeni Prigoschin kurz vor seinem Marsch auf Moskau dem russischen Verteidigunsminister Sergei Schoigu vorgeworfen hatte: „Die Soldaten der ukrainischen Streitkräfte konnten unsere Front nicht durchbrechen, aber unser Oberbefehlshaber fiel uns in den Rücken und enthauptete die Armee im schwierigsten und intensivsten Moment brutal.“
Popows Popularität bei der Truppe zeigte sich noch im September des vergangenen Jahres. Damals trotzte seine ehemalige Einheit, die 58. Armee, im Oblast Saporischschja der ukrainischen Gegenoffensive. Immer stärker in Bedrängnis geraten, hätten russische Offiziere laut dem Institute for the Study of War (ISW) Popow, und nicht seinen Nachfolger und amtierenden Kommandeur der 58. Armee, um Hilfe gebeten.
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