Kampf gegen die Inflation
Kurswechsel in der Türkei: Erdogan ernennt angesehenen Ökonomen zum Finanzminister
VonUlrike Hagenschließen
Nach seiner Wiederwahl ernennt der türkische Präsident einen angesehenen Ökonomen zum Finanzminister. Experten deuten das als Zeichen für einen wirtschaftlichen Kurswechsel.
Ankara – Am 2. Juni ist nach der Türkei-Wahl das neue Parlament erstmals zusammengekommen. Zum Parlament des alten und neuen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan gehört auch der an den Finanzmärkten angesehene Ökonom Mehmet Simsek. Dass der Posten des Wirtschaftsministers an den ehemaligen Finanzminister Mehmet Simsek geht, wird von Experten als Zeichen für einen Kurswechsel der Regierung, die bisher an niedrigen Zinsen zur Bekämpfung der Inflation festhielt, gewertet.
Erdogan ernennt Finanzminister: Kurswechsel und Ende der Niedrigzinspolitik in der Türkei
Die Inflation in der Türkei hatte sich in den letzten sechs Monaten zwar abgeschwächt, lag aber zuletzt immer noch bei beunruhigenden 44 Prozent. Das unabhängige Wirtschaftsinstitut „Enagrup“ berechnet die Inflation sogar noch höher. Auch die Lebensmittelpreise in der Türkei explodieren, der Mindestlohn einer Familie reicht nach Berichten nicht einmal für die Ernährung.
Jetzt soll ein angesehener Ökonom das Ruder herumreißen. Fachleute sehen die Ernennung Simseks nach der Wiederwahl Recep Tayyip Erdogan als Indiz für eine Wende in der türkischen Wirtschaftspolitik. Der bisherige Kurs des Präsidenten gilt als maßgeblich verantwortlich für die ökonomische Instabilität, da er entgegen der klassischen wirtschaftlichen Logik an niedrigen Zinssätzen festhielt, um die Inflation zu bekämpfen.
Mehmet Simsek – der neue Wirtschaftsminister der Türkei
- Mehmet Simsek ist ein türkischer Politiker und Ökonom. Er wurde am 1. Januar 1967 in Kayseri, Türkei, geboren.
- Nach seinem Wirtschaftsstudium in Ankara und an der University of Exeter arbeitete er für verschiedene internationale Banken. Er war unter anderem bei Merrill Lynch in London als Vizepräsident für europäische Aktien tätig. Anschließend leitete er bei der Deutsche Securities in Istanbul die Abteilung für Aktienanalyse und Research.
- Simsek begann seine politische Karriere in der Türkei im Jahr 2007 als Mitglied der Regierungs-Partei für Gerechtigkeit und Aufschwung (AKP). Im selben Jahr wurde er zum Minister für Wirtschaft ernannt und übte dieses Amt bis zum Jahr 2009 aus. Danach diente er als stellvertretender Ministerpräsident und Finanzminister von 2009 bis 2018.
Kurswechsel in der Türkei: Erdogan will mit Mehmet Simsek die Wirtschaft retten
Im Gegensatz dazu gilt der 56-jährige Simsek als Verfechter einer konservativen Finanz- und Wirtschaftspolitik. Es wird erwartet, dass er anstrebt, die kontroverse Niedrigzinspolitik aufzugeben. Der ehemalige internationale Investment-Banker hatte bereits bis vor fünf Jahren als Finanzminister unter Erdogan gedient, wurde jedoch 2018 nach der Umstellung auf das Präsidialsystem entlassen.
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Türkische Wirtschaft: Das könnte der Kurswechsel für Urlauber und Touristen bedeuteten
Nun also spielt Simsek nach der jüngsten Türkei-Wahl, nach deren Erdogan-Sieg es immer mehr Ärztinnen und Ärzten ins Ausland zieht, wider Erwarten erneut eine relevante Rolle in der türkischen Wirtschaftspolitik. Sollten seine Pläne zur Zinserhöhung umgesetzt werden, könnte dies dazu führen, dass das Reisen in die Türkei in diesem Jahr teurer wird.
Sollte er sich jedoch nicht gegen Erdogans Niedrigzinspolitik durchsetzen können, und sein Vorhaben scheitert, könnte die Währung schneller an Wert verlieren, als die Inflation steigt. Das wäre schlimm für die türkische Wirtschaft; deutsche Touristen jedoch könnten sich freuen. Sie würden von einer deutlichen Abwertung der Währung profitieren, und das Reiseziel Türkei wird für sie entsprechend günstiger. (Ulrike Hagen)
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