Wegen Ukraine-Krieg

Litauen plant Kauf von Leopard-2-Kampfpanzern

  • VonKristina Geldt
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Die Aufrüstungsstrategie Litauens wird greifbarer. Das Land zieht neben Stationierung deutscher Soldaten auch den Erwerb deutscher Waffen in Betracht.

Vilnius – Litauen rüstet auf. Künftig soll in dem an Kaliningrad und Weißrussland angrenzenden Land eine gepanzerte Brigade der deutschen Bundeswehr fest stationiert werden. Zusätzlich möchte Litauen auch eine neue, mit einem Panzerbataillon ausgerüstete, Streitkräfte-Division aufbauen. Dafür gibt es Pläne für den Kauf von Kampfpanzern des Typs Leopard 2 aus Deutschland. Die Beschaffungspläne wurden im Januar angekündigt und nehmen nun Form an.

Die Leopard-2-Panzer können laut Bundeswehr Gewässer bis zu vier Metern Tiefe durchfahren.

Wegen Ukraine-Krieg: Nato-Mitglied Litauen möchte Leopard-Kampfpanzer aus Deutschland kaufen

Das kündigte Verteidigungsminister Laurynas Kasciunas dem öffentlich-rechtliche Rundfunkveranstalter LRT zufolge im litauischen Fernsehen an. Zunächst müsse der litauische Verteidigungsrat eine endgültige Entscheidung treffen. Wenn diese positiv ausfalle, könne der Vertrag im November unterzeichnet werden. Genauere Angaben zur Menge, Variante der Panzer und den Kosten für einen solchen Kauf machte er nicht.

Panzer, Drohnen, Luftabwehr: Waffen für die Ukraine

Die Bundeswehr nutzt den Kampfpanzer Leopard in verschiedenen Varianten seit 1979. Bewaffnet mit einer 120-Millimeter-Kanone lassen sich in den jüngeren Modellen von vier Soldaten an Bord Ziele in einer Entfernung bis zu 5000 Metern bekämpfen. Die Ukraine erhält Panzer des Typs Leopard 2 A6. Das 62,5 Tonnen-Gefährt war bei seiner Einführung im Jahr 2001 als verbesserte Variante des A5 etwa mit neuer Hauptwaffe versehen worden. Das Modell A6M verfügt zudem über einen erhöhten Minenschutz.
Der US-Kampfpanzer M1 Abrams gleicht dem Leopard 2 in weiten Teilen. Den M1 Abrams gibt es seit 1980 in mittlerweile drei Hauptvarianten. Seit dem Modell M1A1 ist eine 120-Millimeter-Kanone an Bord. Die vier Insassen werden von einer Stahl-Panzerung vor Angriffen geschützt. Mit 1500 PS kommt der je nach Modell bis zu 74 Tonnen schwere Abrams auf eine Höchstgeschwindigkeit von knapp 68 Kilometern pro Stunde. Anders als der Leopard 2 wird der M1 Abrams über eine Gasturbine mit Kerosin angetrieben.
Die Hauptwaffe der US-amerikanischen Bradley-Schützenpanzer besteht aus einer 25-Millimeter-Maschinenkanone M242 Bushmaster, die zwischen 100 und 200 Schuss pro Minute verschießen kann. Zudem sind die gepanzerten Kettenfahrzeuge, die nach General Omar N. Bardley benannt sind, mit Maschinengewehren des Typs M240 sowie panzerbrechende Raketen ausgestattet. Die Besatzung umfasst bis zu zehn Soldaten: Fahrer, Kommandant, Richtschütze sowie bis zu sieben Soldaten als Infanterietrupp. Der Panzer wurde dafür konzipiert, im Verbund mit Panzerartillerie und Kampfhelikoptern zu operieren.
Beim AMX-10 RC aus Frankreich handelt es sich um einen amphibischen Spähpanzer. Der Panzer wird aufgrund seiner schwereren Panzerung und Bewaffnung hauptsächlich bei der Aufklärung eingesetzt. Ausgestattet ist er mit einer 105-Millimeter-Kanone, wodurch er auch als Panzerjäger verwendet werden kann. Die Besatzung besteht aus mindestens vier Soldaten. Bei einer Gefechtsmasse von 14,2 Tonnen ist der Panzer mit 85 km/h extrem mobil.
Panzer, Drohnen, Luftabwehr: Waffen für die Ukraine

Den Ukraine-Krieg sieht Litauen als direkte Gefahr für die nationale Sicherheit. Daher erhöhte die Regierung die Militärausgaben und rüstet die Armee massiv auf. Laut LRT beschloss Litauen Anfang des Jahres, die Panzer für die neue Division anzuschaffen. Dafür befinde sich das litauische Verteidigungsministerium in Gesprächen mit dem deutschen Hersteller Krauss-Maffei Wegmann.

Reaktion auf Ukraine-Krieg: Bundeswehr-Brigade bis 2027 dauerhaft in Litauen stationiert

Mit einem Regierungsabkommen legten Deutschland und Litauen Details zur Stationierung der deutschen Brigade fest bis 2027 fest. Bei einem Treffen in Berlin vereinbarten Verteidigungsminister Boris Pistorius (SPD) und Kasciunas, ab 2025 erste Kräfte vorab nach Nemencine und Rokantiskes zu entsenden. Im April kam das Vorkommando mit etwa 20 Soldaten im baltischen Land an. Bis Ende 2024 sollen laut Bundeswehr etwa 120 weitere folgen. Geplant ist, bis zu 5.000 Soldaten dauerhaft in Rudninkai und Rukla im Nato-Land zu stationieren, heißt es.

Der Kampfpanzer Leopard 2 gehört nach Angaben des Bundesministeriums der Verteidigung in Deutschland zu den modernsten Kampfpanzern der Welt. Maßgeblich für seine Schlagkraft sind laut Bundeswehr seine Feuerkraft, Beweglichkeit und sein Panzerschutz. Das Kampffahrzeug erreicht demnach 70 Kilometer pro Stunde, wiegt 60 Tonnen und kann Ziele in einer Entfernung von mehreren tausend Metern treffen. (dpa/gel)

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