Russische Kampfhubschrauber zerstört

Schwerer Rückschlag für Russland: Luftwaffe flieht nach ATACMS-Angriff der Ukraine

Ein Ka-52 Aufklärungs- und Angriffshubschrauber der russischen Armee.
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Ein KA-52 Aufklärungs- und Angriffshubschrauber der russischen Armee. (Archivbild)
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    VonChristian Stör
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Die Ukraine greift Mitte Oktober eine Basis der russischen Truppen an. Dabei verliert Russland mehrere Hubschrauber. Die Luftwaffe zieht sich zurück.

Berdjansk – Lange hat die Ukraine auf Raketen vom Typ ATACMS warten müssen. Seit dem 17. Oktober aber sind sie im Einsatz – und zwar mit großem Erfolg, wie es scheint. Schon die ersten Angriffe schlugen offenbar voll durch: In Berdjansk und Luhansk wurden damals vermutlich neun russische Militärhubschrauber auf einen Schlag komplett zerstört.

Die Zahlen stammen von einem ukrainischen Spezialeinsatzkommando und konnten unabhängig noch nicht bestätigt werden. Die Investigativgruppe Oryx, die durch Bildbelege alle Verluste im Ukraine-Krieg zu erfassen versucht, behauptete ihrerseits, dass sieben Kampfhubschrauber des Typs Ka-52 und zwei Transporthelikopter des Typs Mi-8 zerstört worden seien. Zudem seien weitere 15 Hubschrauber möglicherweise irreparabel beschädigt worden.

Russische Luftwaffe zieht sich nach ATACMS-Angriff auf Flugplatz zurück

Für Russland bedeuten diese Verluste einen schweren Rückschlag. Immerhin diente der Luftwaffenstützpunkt in Berdjansk dem Militär im Ukraine-Krieg als wichtige Basis für seine Einsätze entlang der südlichen Front. Damit ist es jetzt offenbar erst einmal vorbei. Aktuelle Satellitenbilder zeigen jedenfalls, dass sämtliche Hubschrauber, die noch intakt waren, inzwischen vom Flugplatz in Berdjansk verschwunden sind. Die Fotos hat der Militäranalyst Brady Africk auf der Internetplattform X zur Verfügung gestellt.

Auf Bildern vom 29. September sah alles noch ganz anders aus. Darauf ist zu erkennen, dass auf dem Luftwaffenstützpunkt in Berdjansk insgesamt 20 Hubschrauber der Typen Ka-52 und Mi-8 stationiert waren, also fast ein ganzes russisches Luftregiment. Zur Erinnerung: Der ATACMS-Angriff ereignete sich in der Nacht zum 17. Oktober.

Panzer, Drohnen, Luftabwehr: Waffen für die Ukraine

Die Bundeswehr nutzt den Kampfpanzer Leopard in verschiedenen Varianten seit 1979. Bewaffnet mit einer 120-Millimeter-Kanone lassen sich in den jüngeren Modellen von vier Soldaten an Bord Ziele in einer Entfernung bis zu 5000 Metern bekämpfen. Die Ukraine erhält Panzer des Typs Leopard 2 A6. Das 62,5 Tonnen-Gefährt war bei seiner Einführung im Jahr 2001 als verbesserte Variante des A5 etwa mit neuer Hauptwaffe versehen worden. Das Modell A6M verfügt zudem über einen erhöhten Minenschutz.
Der US-Kampfpanzer M1 Abrams gleicht dem Leopard 2 in weiten Teilen. Den M1 Abrams gibt es seit 1980 in mittlerweile drei Hauptvarianten. Seit dem Modell M1A1 ist eine 120-Millimeter-Kanone an Bord. Die vier Insassen werden von einer Stahl-Panzerung vor Angriffen geschützt. Mit 1500 PS kommt der je nach Modell bis zu 74 Tonnen schwere Abrams auf eine Höchstgeschwindigkeit von knapp 68 Kilometern pro Stunde. Anders als der Leopard 2 wird der M1 Abrams über eine Gasturbine mit Kerosin angetrieben.
Die Hauptwaffe der US-amerikanischen Bradley-Schützenpanzer besteht aus einer 25-Millimeter-Maschinenkanone M242 Bushmaster, die zwischen 100 und 200 Schuss pro Minute verschießen kann. Zudem sind die gepanzerten Kettenfahrzeuge, die nach General Omar N. Bardley benannt sind, mit Maschinengewehren des Typs M240 sowie panzerbrechende Raketen ausgestattet. Die Besatzung umfasst bis zu zehn Soldaten: Fahrer, Kommandant, Richtschütze sowie bis zu sieben Soldaten als Infanterietrupp. Der Panzer wurde dafür konzipiert, im Verbund mit Panzerartillerie und Kampfhelikoptern zu operieren.
Beim AMX-10 RC aus Frankreich handelt es sich um einen amphibischen Spähpanzer. Der Panzer wird aufgrund seiner schwereren Panzerung und Bewaffnung hauptsächlich bei der Aufklärung eingesetzt. Ausgestattet ist er mit einer 105-Millimeter-Kanone, wodurch er auch als Panzerjäger verwendet werden kann. Die Besatzung besteht aus mindestens vier Soldaten. Bei einer Gefechtsmasse von 14,2 Tonnen ist der Panzer mit 85 km/h extrem mobil.
Panzer, Drohnen, Luftabwehr: Waffen für die Ukraine

Das bedeutet, dass das russische Militär etwas weniger als zwei Wochen benötigte, um Hubschrauber, Unterstützungs- und Wartungsausrüstung zu evakuieren. Offen bleibt, wie viele dieser Hubschrauber die Basis selbstständig verlassen konnten und wie viele am Boden transportiert werden mussten.

Bedrohung durch ATACMS-Raketen: Russland zieht Fluggerät offenbar auch von der Krim ab

Die Tatsache, dass Russland seine Hubschrauber an einen sichereren Ort bringen musste, bestätigt die Prognosen rund um die Wirksamkeit der ATACMS-Raketen. Schon am 20. Oktober hatte das britische Verteidigungsministerium in seinem täglichen Geheimdienst-Update gemeldet, dass sich die Verluste in Luhansk und Berdjansk „höchstwahrscheinlich auf die Fähigkeit Russlands auswirken, diese Achse zu verteidigen und weitere Offensivaktivitäten auszuführen“.

Erst flieht die russische Marine, und jetzt flieht die russische Luftwaffe.

Wolodymyr Selenskyj 

Die russischen Truppen seien verstärkt auf Unterstützung durch Hubschrauber angewiesen, hieß es in London weiter. Wegen der Belastung der russischen Rüstungsindustrie werde es kurz- bis mittelfristig schwierig sein, Verluste zu ersetzen. „Es besteht die realistische Möglichkeit, dass dieser Angriff Russland dazu zwingen wird, seine Operationsbasen sowie Kommando- und Kontrollknoten erneut weiter von der Frontlinie zu verlegen, was die Belastung der Logistikketten erhöht“, erklärte das britische Ministerium damals. Genau dies ist jetzt offenbar geschehen.

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Und es ist wohl auch andernorts der Fall. Die Ukraine beobachtet nach eigenen Angaben jedenfalls, dass die russische Luftwaffe nach den ukrainischen Angriffen auf die Fliegerhorste in Luhansk und Berdjansk Fluggerät auch von der Halbinsel Krim abzieht. „Erst flieht die russische Marine, und jetzt flieht die russische Luftwaffe“, betonte Präsident Wolodymyr Selenskyj schon am 25. Oktober. Nur wenige Tage später feuerten die ukrainischen Streitkräfte zwei ATACMS-Raketen auf die westliche Krim. Weitere Angriffe sind zu erwarten. (cs)

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