Er kommt aus Ghana
„Mann, der ins Gefängnis gehört“: Papst-Anwärter wird scharf kritisiert
VonJulia Hanigkschließen
Es wird bereits über den Nachfolger von Papst Franziskus gesprochen. Unter den möglichen Kandidaten ist auch Kardinal Peter Turkson. Jedoch stößt er auf Widerstand.
Rom – Nach dem Tod von Papst Franziskus folgt die Kirche einem festgelegten Protokoll. Die Kardinäle müssen spätestens 20 Tage nach seinem Tod in der Sixtinischen Kapelle mit der Wahl beginnen. Anfang Mai wird voraussichtlich das Konklave zusammentreten, um den neuen Papst zu wählen, wie die dpa berichtet. Derzeit sind 135 Kardinäle aus aller Welt, die jünger als 80 Jahre sind, wahlberechtigt.
Als „papabile“ gelten etwa zwei Dutzend Männer, die als geeignet für das Papstamt angesehen werden. Der Italiener Pietro Parolin wird von vielen als Favorit betrachtet. Da Papst Franziskus viele Kardinäle aus weit entfernten Ländern ernannt hat, die sich untereinander nicht gut kennen, könnte die Wahl offener verlaufen als bei früheren Konklaven. Beobachter halten es für möglich, dass der neue Papst, ähnlich wie der argentinische Papst Franziskus, aus einer Region der Welt stammt, die bisher noch nie das Oberhaupt der katholischen Kirche gestellt hat.
Franziskus-Nachfolge: Die Favoriten unter den Papst-Kandidaten – Deutscher mischt mit




Als Papst-Nachfolger im Gespräch: Kardinal Peter Turkson
Ein Kandidat, der in diesem Zusammenhang oft genannt wird, ist Kardinal Peter Turkson aus Ghana. Der 76-Jährige setzt sich besonders für soziale Gerechtigkeit ein und hat sich in seiner früheren Funktion als Leiter des Dikasteriums für die ganzheitliche Entwicklung des Menschen mit Themen wie Klimawandel, Armut und wirtschaftlicher Fairness beschäftigt. Turkson gilt als Vertrauter von Papst Franziskus. Sollte er gewählt werden, wäre dies ein historisches Ereignis, da er der erste afrikanische Papst seit Jahrhunderten wäre. Der letzte afrikanische Papst regierte von 492 bis 496 n. Chr.
Papst-Nachfolger als Ghana gilt als stark konservativ
Allerdings ist Turksons Favoritenrolle nicht ohne Kontroversen. Das ZDF berichtet, dass er als stark konservativ gilt und sich in der Vergangenheit abfällig über Homosexualität geäußert hat. In einem Interview mit der BBC erklärte er jedoch, dass LGBTQIA-Menschen nicht kriminalisiert werden sollten, „da sie kein Verbrechen begangen haben“. Dennoch bezeichnete er gleichgeschlechtliche Beziehungen als „Sünde“ und betonte, dass er die Informationslage dazu verbessern wolle.
In einer Rede vor der slowakischen Bischofskonferenz 2014 äußerte er: „Damit verbunden ist der Vorschlag, die Ehe irgendwie neu zu definieren, obwohl die Ehe von Natur aus eine Ehe zwischen einem Mann und einer Frau ist, die sich gegenseitig lieben und die menschliche Familie vergrößern, wie es im Völkerrecht bestätigt ist. Solche Positionen verzerren die Realität, weil sie versuchen, die menschliche Natur umzuschreiben, die de natura nicht umgeschrieben werden kann.“
Experte kritisiert Turkson scharf: „Homophober Mann“
Vatikan-Experte Andreas Englisch äußerte sich bei t-online.de sehr kritisch zu einer möglichen Wahl von Turkson: „Es wäre ein absolutes Desaster. Ich kann mir nicht vorstellen, dass so eine dumme Entscheidung getroffen werden könnte. Turkson hat in Interviews wiederholt behauptet, in Afrika gebe es keine homosexuellen Menschen – also auch keinen Kindesmissbrauch. Das ist völliger Blödsinn. Turkson ist ein klar homophober Mann, der ins Gefängnis gehört.“
Turkson würde in Bezug auf Homosexualität wahrscheinlich einen anderen Kurs als Papst Franziskus verfolgen. Franziskus segnete queere Paare, telefonierte mit queeren Menschen und schrieb ihnen persönliche Briefe. Obwohl er keine grundlegenden Veränderungen in diesem Bereich bewirken konnte, zeigte er sich reformbereit. Hendrik Johanneman vom katholischen LSBT+ Komitee sagte der KNA: „Gerade mit Blick auf seine Amtsvorgänger kann man Papst Franziskus wohl als den besten Papst bezeichnen, den queere Gläubige jemals hatten“. Allerdings sorgte auch Franziskus mit homophoben Äußerungen für Aufsehen. (jh)
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