Trumps Zolloffensive

Menschenleere Inseln, Erdbebenbetroffene und eine Million Pinguine: So zufällig besteuert Trump den Planeten

  • VonHelmi Krappitz
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Donald Trump setzt eine willkürliche Zollstrategie in Gang. Seine Zölle erstrecken sich nun auch auf menschenleere Inseln, Militärstützpunkte und abgelegene Gebiete.

Washington, D.C. – Selbst die entlegensten Winkel der Welt wurden von der Zolloffensive des US-Präsidenten Donald Trump nicht verschont. Am Mittwoch (2. April) erstreckten sich die umfassenden Zölle auch auf unbewohnte Inseln, eine US-Militärbasis und ein Land, das massiv unter den jüngsten Erdbeben leidet. Gleichzeitig stößt die Diskrepanz der Zollhöhe in verschiedenen Regionen auf Unverständnis.

Trumps willkürliche Zoll-Offensive trifft die ganze Welt – auch unbewohnte Inseln

Auf den Heard- und McDonaldinseln im subantarktischen Indischen Ozean sollen künftig Grundzölle in Höhe von 10 Prozent auf US-Importe anfallen, berichtete Axios. Die beiden Inseln gehören zu australischen Territorium – und zählen zum UNESCO-Weltkulturerbe und sind größtenteils von karger Landschaft geprägt. Laut einem Bericht des Australian Antarctic Program ist das Gebiet dicht von Robben, Pinguinen und anderen Vogelkolonien besiedelt. Wer dort jedoch nicht lebt: Menschen.

Trotzdem gelten Trumps Zölle auch in der abgelegenen Region. Die Heard- und McDonaldinseln wurden einbezogen, weil sie australisches Territorium sind, sagte ein Beamter des Weißen Hauses.

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Zoll-Diskrepanz: Zölle auf winziger australischen Insel fast dreimal so hoch

Doch die Inseln sind nicht das einzige Ziel von Trumps Zoll-Plänen, das Fragen aufwirft. Ein weiteres australisches Territorium wurde mit US-Zöllen belegt, die fast dreimal so hoch sind wie die für den Rest des Landes. Während Trump dem übrigen Australien einen Zollsatz von 10 Prozent auferlegte, wurde für die kleine Norfolkinsel eine Abgabe von 29 Prozent festgesetzt. Das Weiße Haus lieferte keine Erklärung für den Schritt.

Der australische Premierminister Anthony Albanese reagierte verblüfft: „Ich bin nicht ganz sicher, ob die Norfolkinsel in dieser Hinsicht ein Handelskonkurrent der riesigen Volkswirtschaft der Vereinigten Staaten ist“, sagte er laut australischem Nachrichtenportal 9News. „Ich bin nicht sicher, was die wichtigsten Exportgüter der Norfolkinsel in die USA sind oder warum sie so besonders hervorgehoben wurde, aber das ist der Fall.“ Die Norfolk Island liegt etwa 1400 km östlich des australischen Festlands und hat eine Bevölkerung von etwa 2000 Menschen.

Trump im Zollwahn: Auch US-Militärbasis von Zoll-Bazooka betroffen

Ein weiteres Gebiet auf Trumps Liste ohne ständige menschliche Bevölkerung ist die Vulkaninsel Jan Mayen im Arktischen Ozean, so Axios. Sie wird zusammen mit Spitzbergen erwähnt, einem Archipel etwa 930 Kilometer nördlich von Tromsø, Norwegen, das für seine Eisbären und geringe menschliche Besiedlung bekannt ist.

Trump hat für Spitzbergen und Jan Mayen Zölle in Höhe von 10 Prozent verhängt, während Norwegen mit einer Abgabe von 15 Prozent auf US-Importe rechnen muss.

Auch das Britische Territorium im Indischen Ozean unterliegt Basissteuer von 10 Prozent auf US-Importe. Dieses Gebiet wird ausschließlich von US-amerikanischem und britischem Militärpersonal auf dem Stützpunkt Diego Garcia bewohnt. Was der US-Präsident sich von den Zöllen auf diese Gebiete verspricht ist ebenfalls unklar.

Donald Trumps Zölle weiten sich auf die abgelegensten Ecken der Welt aus.

Zolloffensive: Trump besteuert Erdebengebiet und Millionen Pinguine

Ein weiterer bemerkenswerter Eintrag auf der Zollliste war Myanmar, das sich gerade von den Folgen eines Erdbebens erholt, bei dem tausende Menschen ums Leben kamen. Nun werden die Exporte des Landes in die USA mit neuen Zöllen von 44 Prozent belegt.

Besonders stark betroffen sind die britischen Falklandinseln, die mit ihren 3.200 Einwohnern und rund einer Million Pinguinen hohe Abgaben hinnehmen müssen. Das südatlantische Gebiet, das vor allem durch den britisch-argentinischen Krieg von 1982 bekannt wurde, wurde mit Zöllen von 41 Prozent auf Exporte in die USA belegt. (AFP/hk)

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