Bei Besuch in Kiew

Merz erkennt „kleine Chance“ für Ende des Ukraine-Kriegs – „hört erst auf, wenn …“

  • Felix Durach
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Friedrich Merz beabsichtigt, Putin stärker unter Druck zu setzen. Bei einem Besuch in Kiew sprach der Kanzler über ein mögliches Ende vom Ukraine-Krieg.

Kiew – Als frisch gebackener Bundeskanzler will Friedrich Merz (CDU) mit Blick auf den Ukraine-Krieg schnell an die Arbeit gehen. Am Samstag veranstaltete Merz deswegen mit seinen Amtskollegen aus Frankreich, Großbritannien und Polen ein Gipfeltreffen in Kiew, bei dem es vor allem um ein mögliches Ende des Ukraine-Kriegs ging. Merz sagte dabei, er sähe aktuell eine „kleine Chance“, um den Krieg zwischen Russland und der Ukraine zu beenden – und nannte auch eine aus seiner Sicht zentrale Bedingung.

Bei Besuch in Kiew: Merz sieht kleine Chance auf Ende des Ukraine-Kriegs

Putin wird irgendwann erkennen müssen – und vielleicht dauert das auch noch etwas – dass er diesen Krieg mit militärischen Mitteln nicht gewinnen kann“, sagte Kanzler Merz im Gespräch mit n-tv in Kiew. Das sei dem CDU-Chef nach schon immer seine Position gewesen. „Dieser Krieg hört erst dann auf, wenn Putin versteht, dass er ihn mit militärischen Mittel nicht gewinnen kann“, führte Merz weiter aus. Dieser Punkt – so Merz vorsichtig – nähere sich möglicherweise.

Merz und seine Amtskollegen Emmanuel Macron, Keir Starmer und Donald Tusk forderten bei ihrem Ukraine-Gipfel mit Präsident Wolodymyr Selenskyj in Kiew Wladimir Putin zu einer 30-tägigen Waffenruhe auf. Für den Bundeskanzler ein erster, notwendiger Schritt in Richtung Kriegsende. Merz gab sich dabei vorsichtig optimistisch. „Dieser Krieg muss aufhören. Und ich glaube, es gibt jetzt eine kleine Chance. Aber es gibt diese Chance“, sagte er in einem von Kiew aus geführten Interview der ARD-„Tagesthemen“.

Panzer, Drohnen, Luftabwehr: Waffen für die Ukraine

Die Bundeswehr nutzt den Kampfpanzer Leopard in verschiedenen Varianten seit 1979. Bewaffnet mit einer 120-Millimeter-Kanone lassen sich in den jüngeren Modellen von vier Soldaten an Bord Ziele in einer Entfernung bis zu 5000 Metern bekämpfen. Die Ukraine erhält Panzer des Typs Leopard 2 A6. Das 62,5 Tonnen-Gefährt war bei seiner Einführung im Jahr 2001 als verbesserte Variante des A5 etwa mit neuer Hauptwaffe versehen worden. Das Modell A6M verfügt zudem über einen erhöhten Minenschutz.
Der US-Kampfpanzer M1 Abrams gleicht dem Leopard 2 in weiten Teilen. Den M1 Abrams gibt es seit 1980 in mittlerweile drei Hauptvarianten. Seit dem Modell M1A1 ist eine 120-Millimeter-Kanone an Bord. Die vier Insassen werden von einer Stahl-Panzerung vor Angriffen geschützt. Mit 1500 PS kommt der je nach Modell bis zu 74 Tonnen schwere Abrams auf eine Höchstgeschwindigkeit von knapp 68 Kilometern pro Stunde. Anders als der Leopard 2 wird der M1 Abrams über eine Gasturbine mit Kerosin angetrieben.
Die Hauptwaffe der US-amerikanischen Bradley-Schützenpanzer besteht aus einer 25-Millimeter-Maschinenkanone M242 Bushmaster, die zwischen 100 und 200 Schuss pro Minute verschießen kann. Zudem sind die gepanzerten Kettenfahrzeuge, die nach General Omar N. Bardley benannt sind, mit Maschinengewehren des Typs M240 sowie panzerbrechende Raketen ausgestattet. Die Besatzung umfasst bis zu zehn Soldaten: Fahrer, Kommandant, Richtschütze sowie bis zu sieben Soldaten als Infanterietrupp. Der Panzer wurde dafür konzipiert, im Verbund mit Panzerartillerie und Kampfhelikoptern zu operieren.
Beim AMX-10 RC aus Frankreich handelt es sich um einen amphibischen Spähpanzer. Der Panzer wird aufgrund seiner schwereren Panzerung und Bewaffnung hauptsächlich bei der Aufklärung eingesetzt. Ausgestattet ist er mit einer 105-Millimeter-Kanone, wodurch er auch als Panzerjäger verwendet werden kann. Die Besatzung besteht aus mindestens vier Soldaten. Bei einer Gefechtsmasse von 14,2 Tonnen ist der Panzer mit 85 km/h extrem mobil.
Panzer, Drohnen, Luftabwehr: Waffen für die Ukraine

Merz lobt „größte diplomatische Initiative“ – und droht Putin mit umfassenden Sanktionen

Kreml-Chef Putin müsse erkennen, dass eine Fortführung des Krieges aussichtslos sei. Dafür sei auch ein weiteres Sanktionspaket in der EU bereits in der Vorbereitung. Weiter kündigten Merz, Starmer und Macron eine andauernde umfassende militärische Unterstützung der Ukraine an, sollte Putin sich gegen eine Verlängerung der Waffenruhe entscheiden. „Dies ist die größte diplomatische Initiative, die es in den letzten Monaten, wenn nicht Jahren gegeben hat, um den Krieg in der Ukraine zu beenden“, sagte Merz dem ZDF.

Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) zeigte sich mit Blick auf ein mögliches Ende des Ukraine-Kriegs vorsichtig optimistisch – und sprach von einer „kleinen Chance“.

Präsident Putin hatte wegen der Feierlichkeiten zum „Tag des Sieges“ am Freitag eine einseitige dreitägige Waffenruhe im Ukraine-Krieg verhängt. Am 9. Mai feiert Russland traditionell den Sieg der Roten Armee über Nazi-Deutschland mit einer Militärparade auf dem Roten Platz in Moskau. Mit Blick auf die Verlängerung der Waffenruhe stellte der Kreml bereits erste Bedingungen. Russland forderte unter anderem das Ende der Waffenlieferungen an die Ukraine als Grundvoraussetzung.

Merz, Macron und Starmer erhöhen Druck auf Putin – Waffenruhe im Ukraine-Krieg gefordert

Wichtige westliche Verbündete der Ukraine lehnen die von Moskau gestellten Bedingungen für eine Waffenruhe ab. Die Staats- und Regierungschefs der sogenannten Koalition der Willigen forderten eine „bedingungslose“ Einigung, sagte der britische Premierminister Starmer in Kiew. Großbritannien und Frankreich führen das Bündnis zur Unterstützung der Ukraine, das vorrangig aus europäischen Staaten besteht, an.

Der russische Präsident Wladimir Putin habe jetzt die Chance, zu zeigen, ob er es mit einem Frieden ernst meine, indem er einer 30-tägigen Waffenruhe zustimme. Bislang habe immer nur die Ukraine ihre Bereitschaft signalisiert, betonte Starmer. (fd mit dpa)

Rubriklistenbild: © Kay Nietfeld/dpa