„Polaris Dawn“

Tickende Uhr für „Hubble“: Milliardär will Weltraumteleskop retten – Nasa ist skeptisch

Sieht aus wie eine „Blechdose“ im All: Das „Hubble“-Weltraumteleskop umkreist die Erde seit 1990 in einer Höhe von etwa 550 Kilometern. (Archivbild)
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Sieht aus wie eine „Blechdose“ im All: Das „Hubble“-Weltraumteleskop umkreist die Erde seit 1990 in einer Höhe von etwa 550 Kilometern. (Archivbild)
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Die Lebensdauer des „Hubble“-Teleskops ist begrenzt, doch ein Milliardär plant dessen Rettung. Die Nasa ist skeptisch – mit Blick in die Vergangenheit.

Washington D.C. – Es gibt wohl kein anderes Instrument, das das Bild vom Universum so sehr geformt hat, wie das „Hubble“-Weltraumteleskop. Seit 1990 liefert es unzählige Aufnahmen und wissenschaftliche Daten, die unter anderem nachwiesen, dass sich das Universum ausdehnt. Doch die Lebenszeit von „Hubble“ ist begrenzt. Ursprünglich ausgesetzt in einer Höhe von etwa 550 Kilometern über der Erde, sinkt es durch die atmosphärische Reibung immer weiter ab. Fachleute prognostizieren einen Absturz in den 2030er Jahren.

Blick in die Tiefen des Universums – So sieht „Hubble“ das Weltall

Der Blasennebel (NGC 7635) im Sternbild Kassiopeia ist ein Emissionsnebel in etwa 7100 Lichtjahren Entfernung von der Erde. Seine Blasen-Form entsteht durch den Sternwind eines Sterns, der gerade große Mengen an Gas ausstößt. Die Gase stoßen auf eine riesige Molekülwolke, die sich in dieser Region befindet – eine Stoßwelle entsteht, die die äußere Hülle der Gasblase bildet.
Dieses Aufnahme des „Hubble“-Weltraumteleskops zeigt den offenen Sternhaufen Trumpler 14 (auch Collinder 230) im Sternbild „Kiel des Schiffs“. Der Sternhaufen befindet sich etwa 9000 Lichtjahre entfernt im Carinanebel. Er ist einer der jüngeren Sternhaufen der Milchstraße und nur etwa 300.000 bis 500.000 Jahre alt. Trumpler 14 beherbert etwa 2000 junge Sterne, unter anderem einen der hellsten Sterne der Milchstraße.
Die „Säulen der Schöpfung“ sind eines der berühmtesten „Hubble“-Bilder überhaupt. Hier blickt das Nasa-Weltraumteleskop auf eine kleine Region des Adler-Nebels (M16), es handelt sich um ein Sternenentstehungsgebiet etwa 6500 Lichtjahre von der Erde entfernt.
Die Spiralgalaxie M83 (südliche Feuerradgalaxie) ist ein beliebtes Ziel für Amateurastronomen. Sie befindet sich 15 Millionen Lichtjahre entfernt im Sternbild Wasserschlange und ist am Himmel auf der südlichen Erdhalbkugel eine der hellsten Spiralgalaxien. In der „Hubble“-Aufnahme sind tausende Sternenhaufen, hunderttausende einzelne Sterne und Überbleibsel von Sternentoden (Supernovae) zu sehen.
Blick in die Tiefen des Universums – So sieht „Hubble“ das Weltall

Das Problem: Seit dem Ende der „Space Shuttles“ im Sommer 2011 gibt es keine Möglichkeit mehr, „Hubble“ zu reparieren oder seine Flugbahn anzuheben. Immer wieder kämpft das Weltraumteleskop mit technischen Problemen, konnte jedoch bisher immer wieder von der Erde aus zum Laufen gebracht werden. Trotzdem ist eines klar: „Hubble“ wird nicht mehr ewig durchhalten.

Milliardär will mit SpaceX-Kapsel das „Hubble“-Teleskop für die Nasa retten

Im Dezember 2022 kündigte die US-Raumfahrtorganisation Nasa an, dass das private Raumfahrtunternehmen SpaceX eine Studie durchführt, um Möglichkeiten zur Anhebung der Flughöhe des Teleskops zu untersuchen. Später wurde bekannt, dass der Milliardär Jared Isaacman plant, mit seinem Raumfahrtprogramm „Polaris Dawn“ das „Hubble“-Teleskop zu retten. Isaacman, der 2021 zusammen mit drei anderen Laien eine mehrtägige Raumfahrtmission an Bord der SpaceX-Raumkapsel „Crew Dragon“ durchführte, hat weitere Weltraumflüge von SpaceX erworben und plant den ersten privaten Ausstieg ins All im Rahmen des „Polaris Dawn“-Programms.

Trotz der potenziellen Kosteneinsparungen für die Nasa, scheint die Raumfahrtorganisation skeptisch gegenüber dem Vorschlag zu sein. Das legt ein Bericht des US-Radiosenders NPR nahe, der aus internen Nasa-Mails zitiert. Besonders die Risiken eines Außenbordeinsatzes, der noch nie von einer „Crew Dragon“-Kapsel aus durchgeführt wurde, bereiten den Zuständigen offenbar Bedenken.

Isaacman will Risiko „Weltraumspaziergang“ eingehen – Nasa soll das nutzen

Isaacman betonte jedoch bei einer Veranstaltung anlässlich seines geplanten „Weltraumspaziergangs“: „Dieses Risiko wird auf jeden Fall eingegangen“. Seine Gruppe werde auf jeden Fall mit privaten Weltraumspaziergängen fortfahren – die Nasa solle das nutzen. „Ich würde sagen, das ist mehr als logisch. Es ist so naheliegend, dies zu tun“, so Isaacman.

Auf X (ehemals Twitter) macht Isaacman im Januar deutlich, dass die Zeit drängt: „Da die ‚Hubble‘-Umlaufbahn immer kleiner wird, bleibt nur eine begrenzte Zeit, um eine Mission zu planen, zu trainieren und zu fliegen. Ich bin ein wenig besorgt, dass die ‚Uhr‘ bei diesem Spiel abläuft“. Er fügte hinzu: „Was die Besatzung anbelangt, so würden wir Leute zusammenbringen, die der Mission die besten Erfolgsaussichten geben. Ich bin nur besorgt, dass es bei diesem Tempo vielleicht kein ‚Hubble‘ mehr zu retten gibt.“

Nasa hat Bedenken, wenn es um eine private „Hubble“-Rettung geht

Die Bedenken der Nasa sind jedoch nicht unbegründet – die Raumfahrtorganisation weiß, was es bedeutet, wenn Astronautinnen und Astronauten im Einsatz sterben. Die tragischen Unglücke der Space Shuttles „Challenger“ und „Columbia“ sind tief in der DNA der Behörde verankert. Eine Nasa-Studie zeigt außerdem, dass auch bei Außenbordeinsätzen nicht immer alles glattgeht. Bei 22 Prozent der Außenbordeinsätze der Jahre 1965 bis 2019 habe es „erhebliche Zwischenfälle“ oder „Beinaheunfälle“ gegeben, so die Studie.

Nasa-Astronauten reparieren 2009 zum letzten Mal das „Hubble“-Weltraumteleskop. (Archivbild)

Zudem besteht das Risiko, dass das „Hubble“-Teleskop bei dem Einsatz beschädigt wird – geht die Mission schief, könnte die Nasa viele Jahre mit zahlreichen „Hubble“-Bildern und Daten verlieren. Auch zwei Startups haben der Nasa eine Rettung des „Hubble“-Weltraumteleskops vorgeschlagen. Eine Entscheidung der Raumfahrtorganisation gibt es bisher noch nicht. (tab)

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