Fokus auf ethnische Minderheiten?

Hohe Verluste im Ukraine-Krieg: Russland will nun 500 Männer aus Randregion – wöchentlich

  • Felix Durach
    VonFelix Durach
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Putins Armee braucht neue Soldaten. Aus der russische Region Jakutien sollen nun verstärkt Rekruten an die Front in der Ukraine geschickt werden.

Moskau – Die russischen Streitkräfte erleiden an der Front im Ukraine-Krieg weiterhin erhebliche Verluste. Erst Anfang November attestierte der US-Thinktank Institute for the Study of War (ISW) der russischen Armeeführung eine Unfähigkeit, aus vergangenen Fehlern zu lernen.

Ähnlich wie bei der Schlacht um Bachmut im Winter 2022 und Frühjahr 2023 verliert Russland beim Kampf um die Stadt Awdijiwka seit Wochen unzählige Soldaten. Die Armee von Präsident Wladimir Putin sucht händeringend nach Nachschub und der soll nun in großen Zahlen aus Sibirien kommen.

Ein russischer Soldat feuert eine Haubitze in der Ostukraine ab (Symbolbild).

Verluste im Ukraine-Krieg – Russland sucht in Sibirien nach neue Rekruten

Der Militärkommissar der Region Jakutien, Aleksandr Awdonin, plant offenbar pro Woche über 500 Männer aus der Region im Osten Russlands an die Front in der Ukraine zu schicken. Das berichtet das Portal Radio Free Europe mit Verweis auf das Menschenrechtsorganisation Free Yakutia Foundation. Awdonin äußerte dem Bericht zufolge in einem Treffen mit Offiziellen aus der Region Kritik an der bisherigen Abstellung von Soldaten in der Region. Eine Tonaufnahme des Treffens liegt der Free Yakutia Foundation vor.

Jakutien habe bislang den Rekrutierungsplan der russischen Führung lediglich zu einem Drittel erfüllt und weise somit die niedrigsten Rekrutierungszahlen in den östlichen Regionen Russlands auf. Ein Umstand, der sich nun ändern soll. Awdonins Plan: künftig soll jeder der 36 Bezirke von Jakutien pro Woche 15 Rekruten in die Ostukraine entsenden. Damit käme Jakutien insgesamt auf 540 Rekruten – pro Woche.

Nachschub im Ukraine-Krieg – Jakutien soll 500 Rekruten pro Woche stellen

Jakutien liegt im Nordosten der Russischen Föderation und ist flächenmäßig die größte Unterrepublik des Landes. Auf einer Fläche von über drei Millionen Quadratkilometern leben gerade einmal knapp 960.000 Einwohner. Zum Vergleich: in Deutschland leben auf knapp einem Zehntel der Fläche über 80 Mal so viele Menschen. Ethnische Russen stellen in der Region jedoch eine Minderheit dar. Jakutien wird zu knapp 50 Prozent von Jakuten bewohnt.

Seit Beginn des Kriegs im Februar 2022 wurde der russischen Armeeführung wiederholt vorgeworfen, bewusst ethnische Minderheiten an der Front in der Ukraine zu verheizen. Der Fokus von Putin und seinem Verteidigungsminister Schoigu läge auf armen Männern aus den ländlichen Regionen des Landes und weniger auf der bürgerlichen Bevölkerung der westlichen Metropolen Moskau oder St. Petersburg.

Russlands Rekrutierungsstrategie im Krieg – Ethnische Minderheiten als „Kanonenfutter“

„Sie kommen aus Arbeiterstädten in Sibirien und gehören einem unverhältnismäßig hohen Anteil ethnischer Minderheiten an. Und sie sind sein Kanonenfutter“, erklärte der britische Geheimdienstchef Richard Moore im Sommer 2022. Anton Geraschtschenko, ein Berater des ukrainischen Innenministers, bekräftige wiederholt ähnliche Vorwürfe über die Plattform X: „Putin versucht, hauptsächlich ethnische Minderheiten in den Krieg zu schicken“, schrieb Geraschtschenko unter anderem im August 2022.

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Awdonin befürchtete den Informationen der Free Yakutia Foundation zufolge, dass ihm und der Region Konsequenzen drohen würden, falls man die Rekrutierungszahlen nicht erhöhe. Verteidigungsminister Schoigu und der stellvertretende Vorsitzende des Sicherheitsrats, Dmitri Medwedew, würden den Rekrutierungsprozess in Russland überwachen. „Wir werden arbeiten, wir werden hart arbeiten, wir werden Leute schicken. Denn nichts ist zu Ende“, zitiert Radio Free Europe Awdonin mit Blick auf den Ukraine-Krieg. Die Regionalhauptstadt Jakutsk liegt über 5500 Kilometer entfernt von der Front bei Awdijiwka. (fd)

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