Übereinstimmende Berichte

Trotz Sanktionen: Bayerische Firma liefert wohl Maschine zur Munitionsherstellung nach Russland

Ukraine-Krieg Munition für einen russischen Panzer liegt auf einem Feld zwischen Okhtyrka und Trostyanets, Ukraine, auf dem Boden. - Trostyanets
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Ein deutsches Unternehmen soll Berichten zufolge eine Maschine an Russland geliefert haben, die zur Herstellung von Munition verwendet werden soll.
  • Felix Durach
    VonFelix Durach
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Westliche Unternehmen umgehen immer wieder die Sanktionen gegen Russland. Nun gibt es Vorwürfe gegen einen Werkzeugmaschinenbauer aus Bayern.

München/Kiew – Kurz nach dem Beginn des Ukraine-Kriegs im Februar 2022 hatte sich die Bundesregierung gemeinsam mit diversen inernationalen Partnern auf scharfe Sanktionen gegen Russland geeinigt. Die wirtschaftlichen Beziehungen zur Russischen Föderation wurden weitestgehend auf Eis gelegt.

Umso befremdlicher wirkt vor diesem Hintergrund ein Bericht des US-Portals Bloomberg, der in dieser Woche veröffentlicht wurde. Der Inhalt: Eine Firma aus Bayern soll eine Maschine an einen russischen Rüstungskonzern ausliefern, die zur Herstellung von Munition verwendet werden kann. Eine Anfrage unserer Redaktion für eine Stellungnahme an das Unternehmen blieb zunächst unbeantwortet (Stand: 21. September, 13 Uhr).

Ukraine-Krieg: Trotz Sanktionen – bayerische Firma soll Maschinen an russischen Rüstungsbauer liefern

Im Fokus der Berichte steht eine bayerische Werkzeugmaschinenfabrik, die sich unter anderem auf die Herstellung von CNC-Drehmaschinen und Fräsen spezialisiert hat. Diese haben einen vielseitigen Einsatzbereich in der Industrie und sind für sich genommen kein Kriegsgerät. Doch wie Bloomberg mit Verweis auf „informierte Kreise“ berichtet, geht die Regierung in Kiew davon aus, dass noch im September eine CNC-Fräse des Herstellers an den russischen Rüstungskonzern Serov Mechanical Plant JSC geliefert werden soll. Dort könne die Maschine zur Herstellung von hochexplosiven Splittergeschossen genutzt werden. Munition, welche die russische Armee anschließend auch in der Ukraine einsetzen könnte.

Servov Mechacnical Plant hat unter anderem Verbindungen zum staatlichen russischen Rüstungskonzern Rostec, der unter Sanktionen der EU und der USA steht. Die Europäische Union führt darüber hinaus unter anderem „Spitzentechnologie“ wie Quantencomputer und fortgeschrittene Halbleiter, sowie bestimmte Arten von Maschinen und Fahrzeugen auf einer Liste von Gütern auf, die nicht aus der EU nach Russland ausgeführt werden dürfen.

Kiew schlägt Alarm – deutsche Maschine zur Munitionsherstellung auf dem Weg nach Russland

„Es versteht sich von selbst, dass wir, sobald die Maschine Russland erreicht hat, wenig tun können, um ihre Verwendung für militärische Zwecke durch Russland zu verhindern”, zitiert Bloomberg die ukrainische Anti-Korruptions-Behörde. Auch das ukrainische Investigativprojekt Trap Aggressor berichtet am Mittwoch (20. September) von der bevorstehenden Lieferung. Deren Informationen zufolge soll die Lieferung bereits am Donnerstag (21. September) in Russland eintreffen.

Weiter heißt es in dem Bericht, dass die Maschine bereits am 30. August auf einen Lastwagen in der Türkei verladen und zum weiteren Transport in einen Hafen am Schwarzen Meer gebracht wurde. Die ukrainische Anti-Korruptions-Behörde habe sich daraufhin sowohl an die Bundesregierung als auch in einem Brief direkt an das deutsche Unternehmen gerichtet – wohl um die Lieferung zu verhindern.

Panzer, Drohnen, Luftabwehr: Waffen für die Ukraine

Die Bundeswehr nutzt den Kampfpanzer Leopard in verschiedenen Varianten seit 1979. Bewaffnet mit einer 120-Millimeter-Kanone lassen sich in den jüngeren Modellen von vier Soldaten an Bord Ziele in einer Entfernung bis zu 5000 Metern bekämpfen. Die Ukraine erhält Panzer des Typs Leopard 2 A6. Das 62,5 Tonnen-Gefährt war bei seiner Einführung im Jahr 2001 als verbesserte Variante des A5 etwa mit neuer Hauptwaffe versehen worden. Das Modell A6M verfügt zudem über einen erhöhten Minenschutz.
Der US-Kampfpanzer M1 Abrams gleicht dem Leopard 2 in weiten Teilen. Den M1 Abrams gibt es seit 1980 in mittlerweile drei Hauptvarianten. Seit dem Modell M1A1 ist eine 120-Millimeter-Kanone an Bord. Die vier Insassen werden von einer Stahl-Panzerung vor Angriffen geschützt. Mit 1500 PS kommt der je nach Modell bis zu 74 Tonnen schwere Abrams auf eine Höchstgeschwindigkeit von knapp 68 Kilometern pro Stunde. Anders als der Leopard 2 wird der M1 Abrams über eine Gasturbine mit Kerosin angetrieben.
Die Hauptwaffe der US-amerikanischen Bradley-Schützenpanzer besteht aus einer 25-Millimeter-Maschinenkanone M242 Bushmaster, die zwischen 100 und 200 Schuss pro Minute verschießen kann. Zudem sind die gepanzerten Kettenfahrzeuge, die nach General Omar N. Bardley benannt sind, mit Maschinengewehren des Typs M240 sowie panzerbrechende Raketen ausgestattet. Die Besatzung umfasst bis zu zehn Soldaten: Fahrer, Kommandant, Richtschütze sowie bis zu sieben Soldaten als Infanterietrupp. Der Panzer wurde dafür konzipiert, im Verbund mit Panzerartillerie und Kampfhelikoptern zu operieren.
Beim AMX-10 RC aus Frankreich handelt es sich um einen amphibischen Spähpanzer. Der Panzer wird aufgrund seiner schwereren Panzerung und Bewaffnung hauptsächlich bei der Aufklärung eingesetzt. Ausgestattet ist er mit einer 105-Millimeter-Kanone, wodurch er auch als Panzerjäger verwendet werden kann. Die Besatzung besteht aus mindestens vier Soldaten. Bei einer Gefechtsmasse von 14,2 Tonnen ist der Panzer mit 85 km/h extrem mobil.
Panzer, Drohnen, Luftabwehr: Waffen für die Ukraine

„Das müssen wir stoppen“: Kiew appelliert wegen Lieferungen an Berlin und Ankara

„Wir bitten unsere deutschen und türkischen Partner, die Lieferung einzustellen. Wenn der Angreifer kostenlos mit Ausrüstung aus Drittländern beliefert wird, um das Blutvergießen zu steigern, stimmt etwas mit der gegenwärtigen Weltordnung nicht. Das müssen wir stoppen“, zitiert Trap Aggressor Agiya Zagrebelska, die Vorsitzende der Anti-Korruptions-Agentur.

Die Behörde äußert in ihrem Schreiben keinerlei Vorwürfe gegen das deutsche Unternehmen. Darüber hinaus wird dem Hersteller auch nicht unterstellt, dass er die Maschine wissentlich an einen russischen Rüstungskonzern ausgeliefert habe.

Sanktionen umgangen – gleich mehrere Vorwürfe gegen deutsche Unternehmen

Der Fall würde jedoch erneut zeigen, wie einfach es für russische und westliche Unternehmen sein kann, die verhängten Sanktionen zu umgehen. Westliche Unternehmen könnten demnach gezielt die Sanktionen umgehen, in dem sie ihre Produkte über Drittländer vertreiben, die sich nicht an den Sanktionen beteiligen. Dazu zählen unter anderem China, Indien und die Türkei.

Für Aufsehen sorgte in diesem Rahmen zu Beginn des Jahres auch der Fund von deutschen Computerchips in russischen Kampfpanzern. Erst Ende August wurde darüber hinaus in Frankfurt ein früherer Geschäftsführer eines Werkzeugmaschinenherstellers aus Baden-Württemberg festgenommen. Der Vorwurf: das Unternehmen soll trotz Sanktionen Maschinen an Russland ausgeliefert habe, die zur Serienproduktion von Scharfschützengewehren verwendet wurden. Das berichtete der Spiegel.

Sanktionen im Ukraine-Krieg – westliche Firmen liefern zum Teil weiter an Russland

Der Osteuropaexperte Klaus Gestwa von der Uni Tübingen äußerte sich vor knapp zwei Wochen gegenüber der Tagesschau kritisch, mit Blick auf die Haltung deutscher Unternehmen zu den Sanktionen: „Deutsche Unternehmen, die nichts dagegen tun, dass ihre Waren durch die Schlupflöcher der Sanktionspolitik nach Russland geraten, tragen dazu bei, die deutsche und die europäische Sanktionspolitik zu sabotieren.“

Wirtschaftsminister Robert Habeck bezeichnete das Umgehen der Sanktionen bereits im Februar als „kein Kavaliersdelikt“.  „Hier wird das Interesse der Menschen, die um ihre Freiheit kämpfen, verraten“, sage der Grünen-Politiker gegenüber ntv. (fd)