„Vollkommen inakzeptabel“

Musk fordert nach Magdeburg-Attacke von Scholz: „Sofort zurücktreten“

  • VonLea Winkler
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Im Anschluss an den mutmaßlichen Angriff in Magdeburg äußern viele weltweit ihr Mitgefühl für die Leidtragenden. Musk hingegen entsendet harsche Worte nach Deutschland.

Washington, D.C./Magdeburg – Bei dem Anschlag auf dem Weihnachtsmarkt in Magdeburg am Freitagabend (20. Dezember) sind mindestens vier Menschen getötet und Dutzende weitere verletzt worden. Politikerinnen und Politiker aus der ganzen Welt hatten sich kurz nach dem mutmaßlichen Anschlag betroffen gezeigt. „Frankreich teilt den Schmerz des deutschen Volkes und bringt seine volle Solidarität zum Ausdruck“, schrieb der französische Präsident Emmanuel Macron auf X. Auch aus Österreich und Italien gab es Worte des Mitgefühls für die Opfer.

Nach Anschlag in Magdeburg: Musk nennt Scholz „Inkompetenter Trottel“

Der Techmilliardär Elon Musk entschied sich für eine andere Reaktion. Auf seiner Social-Media-Plattform X griff Musk Bundeskanzler Olaf Scholz verbal an. „Scholz sollte sofort zurücktreten. Inkompetenter Trottel“, schrieb Musk als Antwort auf eine erneute Veröffentlichung der Reaktion von Scholz auf den mutmaßlichen Anschlag. Auch teilte Musk den Kommentar eines Nutzers, der den Vorfall als direkte Folge ungeregelter „Masseneinwanderung“ bezeichnete.

Anschlag auf Weihnachtsmarkt in Magdeburg: Bilder vom Großeinsatz

Bundeskanzler Olaf Scholz (Mitte, SPD) und Reiner Haseloff (l, CDU), Ministerpräsident von Sachsen-Anhalt, besuchen den Ort des tödlichen Anschlags auf dem Weihnachtsmarkt in Magdeburg.
Eine Frau legt am Gedenkort an der Johanniskirche in Magdeburg ein Plüschtier nieder. Mehrere Menschen waren bei einem Anschlag auf dem Weihnachtsmarkt am Freitagabend ums Leben gekommen.
Menschen trauern vor der Johanniskirche um die Opfer des Anschlags auf den Weihnachtsmarkt in Magdeburg.
Nach dem Anschlag von Magdeburg arbeitet die Spurensicherung an dem Auto, mit dem der Tatverdächtige in eine Menschenmenge auf dem Weihnachtsmarkt gefahren sein soll.
Anschlag auf Weihnachtsmarkt in Magdeburg: Bilder vom Großeinsatz

Schon vor mutmaßlichem Anschlag in Magdeburg: Musk äußert Sympathie gegenüber AfD

Musk hat an der deutschen Politik offenbar einen Narren gefressen. Bereits einige Stunden vor dem mutmaßlichen Anschlag in Magdeburg hatte Musk auf X seine Sympathien gegenüber der AfD geäußert. „Nur die AfD kann Deutschland retten“, schrieb er auf der Plattform und teilte zeitgleich ein Video der rechtspopulistischen Aktivistin Naomi Seibt, in dem diese sich über CDU-Kanzlerkandidat Friedrich Merz ausließ, der eine Zusammenarbeit mit der AfD kategorisch ausschließt. AfD Parteichefin Alice Weidel hatte sich daraufhin in einer Videobotschaft auf X für Musks Worte bedankt.

Auch nach den Geschehnissen in Magdeburg verdeutlichte Musk seine Sympathien gegenüber der AfD und deren Parteichefin Alice Weidel. Die AfD-Politikerin sei „offensichtlich NICHT ,rechtsextrem‘“, sondern besitze lediglich „gesunde Menschenverstand“, schrieb er in einem Post.

Elon Musk hat Bundeskanzler Olaf Scholz auf X zum Rücktritt aufgefordert. (Montage)

Musks X-Beiträge über deutsche Politik: „Attacke auf die deutsche Demokratie“

Für den SPD-Vorsitzenden Lars Klingbeil ist Musks Aufruf zur Wahl der AfD eine „Attacke auf die deutsche Demokratie“. Gegenüber dem Tagesspiegel erklärte er, Musks Post zeige, „dass wir uns auf einen harten Wahlkampf einzustellen haben: nicht nur im eigenen Land gegen Lügen und Hetze der AfD, sondern auch von Akteuren außerhalb, die die deutsche Demokratie attackieren und unser Land destabilisieren wollen“.

SPD-Bundestagsabgeordnete Axel Schäfer bezeichnete Musks Beiträge auf X gegenüber dem Tagesspiegel als „vollkommen inakzeptabel“. „Wir sind den Amerikanern sehr nahe, aber jetzt ist Tapferkeit vor dem Freund gefragt. Wir verbitten uns eine Einmischung in unseren Wahlkampf“, so Schäfer.

Musks Sympathie gegenüber AfD „nicht normal“: Offizielle Stellung der USA zugunsten der AfD?

Der US-Senator Chris Murphy erklärte im Gespräch mit CNN, dass Musks Sympathie gegenüber der AfD „nicht normal“ sei. „Was wir wissen ist, dass die Ansichten von Elon Musk letztlich auch die Ansichten des US-Präsidenten widerspiegeln. Und wenn die USA offiziell Stellung zugunsten der Neo-Nazis in Deutschland beziehen, dann ist das meiner Meinung nach absolut katastrophal“, erklärte Murphy.

Musk reagierte auf einen Abschnitt des Interviews, der auf X veröffentlicht wurde. Er bezeichnete Murphy als „großen Lügner“. Die Politik der AfD sei „identisch mit der Politik der US-Demokraten, als Obama sein Amt antrat! Ich glaube nicht, dass es einen einzigen Unterschied gibt“.

Elon Musk: Erst US-Schattenpräsident – und jetzt Trump-Gegenspieler?

Geboren wurde Elon Musk 1971 in Pretoria in Südafrika.
Errol Musk baute als Maschinenbau- und Elektroingenieur ein Vermögen auf.
Mitte der 1990er Jahre begann der Aufstieg Elon Musks in den USA.
Im Jahr 2002 gründete Elon Musk das Unternehmen SpaceX.
Elon Musk: Erst US-Schattenpräsident – und jetzt Trump-Gegenspieler?

Musk mischt sich in internationale Politik ein: Musks „massiver Einfluss“ müsse abgewehrt werden

Der Chef des CDU-Arbeitnehmerflügels und EU-Parlamentarier, Dennis Radtke, erklärte gegenüber dem Handelsblatt, dass Musk eine „Bedrohung für die Demokratie in der westlichen Welt“ sei. „Die EU und Deutschland müssen sich zum Schutz unserer Demokratie“, gegen den „massiven Einfluss“ Musks, wehren.

Musk hatte nach dem mutmaßlichen Anschlag in Magdeburg einen Beitrag des britischen Rechtspopulisten Nigel Farage, der Vermutungen über die Tat anstellte, geteilt. Zuvor hatte Musk sich auch in die britische Innenpolitik eingemischt und Sympathien für Rechtsaußen-Bewegungen in anderen Staaten bekundet. In britischen Medien wird seit Wochen über eine bis zu 100 Millionen US-Dollar (95 Millionen Euro) hohe Spende von Musk für die Reform-Partei von Farage spekuliert, wie der Spiegel berichtet. (lw)

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