Wahlkampf läuft heiß

Nach Harris-Kandidatur: Ex-Obama-Berater sieht Trump vor US-Wahl in einem „echten Kampf“

  • Paula Völkner
    VonPaula Völkner
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Harris und Trump haben weniger als 100 Tage, um den Wahlkampf zu gewinnen. Harris führt in den Umfragen. Die knappe Zeit könnte ihr einen Vorteil verschaffen.

Washington D.C. – Mit US-Präsident Joe Biden als Kandidaten für die Demokraten schien die US-Wahl im November für das demokratische Lager eher aussichtslos. So lauteten jedenfalls zahlreiche Analysen und auch die Umfragen deuteten in den letzten Tagen von Bidens Kandidatur darauf hin. Mit Bidens Ausstieg aus dem Rennen um die US-Präsidentschaft und der Kandidatur seiner Vize-Präsidentin, Kamala Harris, könnte sich das Blatt für die Demokraten gewendet haben.

Kurz nachdem Harris Kandidatur bekannt gegeben war, erlebte die Vize-Präsidentin bereits einen digitalen Hype. Die popkulturellen Züge des Harris-Wahlkampfs brachten neuen Schwung in das Rennen. Auch in den Umfragen spiegelt sich der Aufschwung wider. In jüngsten US-Wahl-Umfragen hat Harris den Kandidaten der Republikaner, Donald Trump, überholt. Dass mit Harris für die Demokraten Aufwind in den US-Wahlkampf gekommen ist, hat wohl auch das republikanische Lager erkannt.

Vor der US-Wahl 2024: Harris vs. Trump – Ex-Obama-Berater sieht „echten Kampf“ um Weißes Haus

Ein ehemaliger Berater des Ex-Präsidenten Barack Obama, David Axelrod, erklärte gegenüber dem US-Sender CNN, Trumps Kampagne zeige Anzeichen dafür, zu wissen, dass sie sich „in einem echten Kampf“ um das Weiße Haus befindet. „Die Tatsache, dass Trump jetzt seine Position zur Debatte ändert, sagt mir, dass sie verstehen, dass sie hier in einem echten Kampf stehen“, sagte Axelrod.

Bei der US-Wahl 2024 tritt die Kandidatin der Demokraten, Kamala Harris, gegen den Kandidaten er Republikaner, Donald Trump, an (Montage)

Der ehemalige Obama-Berater bezog sich dabei auf Trumps kontroverse Aussagen zu einer möglichen TV-Debatte mit Harris. Nachdem Trump zunächst erklärt hatte, an der für den 10. September geplanten Debatte, nicht teilzunehmen, erklärte er am Mittwoch das Gegenteil. Gegenüber dem Sender Fox News sagte Trump, er halte es für „wichtig für das Land“, dass er Harris in einer Debatte gegenüberstehe. Über Trumps Umschwung mit Blick auf die Debatte sagte Axelrod: „Er muss debattieren, was einen Eindruck davon vermittelt, wo das Rennen steht.“

Weniger als 100 Tage bis zur US-Wahl: Harris könnte von Wahlkampf-Sprint profitieren

Weniger als 100 Tage haben Demokraten und Republikaner noch Zeit, um den Wahlkampf für sich zu gewinnen. Diese für den US-Wahlkampf kurze Zeitspanne spiele Harris in die Karten, sagen Analysten beider Lager laut einem Bericht der New York Times. Mit dem Kandidatur-Wechsel habe sich der „lange Kampf zwischen Biden und Trump in einen 100-Tage-Sprint bis zum Wahltag verwandelt“. Damit laufe die Kampagne der Demokraten und Republikaner nun im Schnelldurchlauf.

Bilder einer Karriere: Kamala Harris strebt Präsidentenamt in den USA an

Mit dem Verzicht von Joe Biden auf die Kandidatur der Demokraten rückt seine Stellvertreterin Kamala Harris vor der US-Wahl 2024 in den Fokus.
Nachdem die Demokraten die Vizepräsidentin aufgestellt haben, hat Harris die Chance, als erste Frau in der Geschichte der USA das Präsidentenamt zu übernehmen. Damit wäre sie die mächtigste Frau der Welt.
Harris wurde am 20. Oktober 1964 in Oakland im Bundesstaat Kalifornien geboren. Ihr Vater war aus Jamaika in die USA eingewandert, um Wirtschaft zu studieren. Ihre Mutter, eine 2009 verstorbene Brustkrebsforscherin, kam aus Indien in die USA. Sie kam aus Indien und lernte Harris‘ Vater in den 60er Jahren in den USA kennen. 
Harris und ihre jüngere Schwester Maya wuchsen bei ihrer Mutter auf, zeitweise lebten sie im kanadischen Montreal. „Sie erzog uns zu stolzen, starken Schwarzen Frauen. Und sie hat uns beigebracht, unser indisches Erbe zu kennen und darauf stolz zu sein“, sagte Harris 2020 in einer Rede. Darin betonte sie auch, dass die USA einen Präsidenten brauchten, „der uns alle zusammenbringt – Schwarze, Weiße, Latinos, Asiaten, Indigene – um die Zukunft zu erreichen, die wir gemeinsam wollen“.
Bilder einer Karriere: Kamala Harris strebt Präsidentenamt in den USA an

Für Harris sei die vergleichsweise kurze Wahlkampfzeit von Vorteil, erklärte Jennifer Palmieri: „Sie musste keine lange Vorwahlsaison ertragen, in der die Leute ihre Beweggründe für die Kandidatur infrage stellten oder sich Sorgen darüber machten, ob eine Frau wählbar ist oder nicht.“ Palmieri war 2016 Kommunikationsdirektorin für Hillary Clintons Wahlkampf und ist nun der Harris-Kampagne als leitender Berater von Harris‘ Ehemann Doug Emhoff beigetreten. Über Harris sagte sie gegenüber New York Times: „Sie wurde den Wählern als Lösung für ein Problem präsentiert.“

Trump auf der Suche nach Angriffslinie gegen Harris

„Ein kürzerer Wahlkampf verschafft Harris einen erheblichen Vorteil“, erklärte auch Matthew Dowd, der 2004 der Chefwahlkampfstratege von Präsident George W. Bush war, gegenüber New York Times. Das Trump-Lager hätte sich zu lange nur auf Angriffe gegen Biden eingeschossen und Harris dabei links liegen lassen.

Während Trump Bidens hohes Alter für seinen Wahlkampf zu nutzen versuchte, ist es neben Harris nun Trump selbst, der alt aussieht. Noch immer scheint Trump gegenüber Harris keine Angriffslinie gefunden zu haben. Zuletzt versuchte Trump sich erneut in persönlichen Angriffen, wie rassistischen Kommentaren oder schlichten Beleidigungen wie „dumm“ oder „niedriger IQ“.

Über Trumps Wahlkampf sagte ein Trump-Vertrauter gegenüber CNN: „Es gibt kein Fundament, das wir sehen können, – und keine Medienstrategie.“ Währenddessen nimmt die Harris-Kampagne an Fahrt auf. Am Dienstag ernannte Harris den Gouverneur von Minnesota, Tim Walz, zu ihrem Running Mate.

Harris überholt Trump in Umfragen zu US-Wahl 2024

Harris liegt in nationalen Umfragen an der Spitze – in den entscheidenden Swing States ist sie mit Trump gleichauf oder jedenfalls nah dran. Laut einer am Dienstag veröffentlichten Umfrage von Bloomberg News/Morning Consult hat Harris Trump in Arizona, Michigan, Nevada und Wisconsin überholt, wenn auch nur knapp. (pav)

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