Waffenruhe und Bodentruppen

Nach Trump-Eklat: Das planen Macron und Starmer für die Ukraine

  • VonJan-Frederik Wendt
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Starmer und Macron übernehmen die Führung bei der Unterstützung der Ukraine im Kampf gegen Putins Russland. Auch Scholz äußert sich zu den Plänen.

Kiew/London – Nach dem Eklat im Weißen Haus mit dem US-Präsidenten Donald Trump haben die europäischen Verbündeten dem ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj den Rücken gestärkt. Das berichtete die Nachrichtenagentur AFP. Nach dem Ukraine-Gipfel in London sagte der britische Premier Keir Starmer: Großbritannien, Frankreich und weitere Länder wollten gemeinsam mit der Ukraine an einem Plan für eine einmonatige Waffenruhe arbeiten.

Laut Starmer muss Europa nun die Initiative ergreifen und einen „neuen Plan für einen gerechten und dauerhaften Frieden“ in der Ukraine erarbeiten. Im Anschluss solle der Waffenruhe-Plan den USA präsentiert werden. Welche Länder sich an dem Plan weiter beteiligen, teilte Starmer nicht mit. Dies wolle er jedem Verbündeten selbst überlassen. Mittlerweile hat die Bundesaußenministerin Annalena Baerbock (Grüne) die Teilnahme Deutschlands und eines osteuropäischen Landes wie Polen an den Gesprächen gefordert.

Starmer und Scholz hoffen auf Trumps Unterstützung

Gleichzeitig warben Starmer und Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) um die Unterstützung der USA. Seit dem Eklat zwischen Trump und Selenskyj ist diese ungewiss. Trump warf den ukrainischen Präsidenten aus dem Weißen Haus und drohte mit der Beendigung der US-amerikanischen Ukraine-Hilfe im Kampf gegen Wladimir Putin.

Panzer, Drohnen, Luftabwehr: Waffen für die Ukraine

Die Bundeswehr nutzt den Kampfpanzer Leopard in verschiedenen Varianten seit 1979. Bewaffnet mit einer 120-Millimeter-Kanone lassen sich in den jüngeren Modellen von vier Soldaten an Bord Ziele in einer Entfernung bis zu 5000 Metern bekämpfen. Die Ukraine erhält Panzer des Typs Leopard 2 A6. Das 62,5 Tonnen-Gefährt war bei seiner Einführung im Jahr 2001 als verbesserte Variante des A5 etwa mit neuer Hauptwaffe versehen worden. Das Modell A6M verfügt zudem über einen erhöhten Minenschutz.
Der US-Kampfpanzer M1 Abrams gleicht dem Leopard 2 in weiten Teilen. Den M1 Abrams gibt es seit 1980 in mittlerweile drei Hauptvarianten. Seit dem Modell M1A1 ist eine 120-Millimeter-Kanone an Bord. Die vier Insassen werden von einer Stahl-Panzerung vor Angriffen geschützt. Mit 1500 PS kommt der je nach Modell bis zu 74 Tonnen schwere Abrams auf eine Höchstgeschwindigkeit von knapp 68 Kilometern pro Stunde. Anders als der Leopard 2 wird der M1 Abrams über eine Gasturbine mit Kerosin angetrieben.
Die Hauptwaffe der US-amerikanischen Bradley-Schützenpanzer besteht aus einer 25-Millimeter-Maschinenkanone M242 Bushmaster, die zwischen 100 und 200 Schuss pro Minute verschießen kann. Zudem sind die gepanzerten Kettenfahrzeuge, die nach General Omar N. Bardley benannt sind, mit Maschinengewehren des Typs M240 sowie panzerbrechende Raketen ausgestattet. Die Besatzung umfasst bis zu zehn Soldaten: Fahrer, Kommandant, Richtschütze sowie bis zu sieben Soldaten als Infanterietrupp. Der Panzer wurde dafür konzipiert, im Verbund mit Panzerartillerie und Kampfhelikoptern zu operieren.
Beim AMX-10 RC aus Frankreich handelt es sich um einen amphibischen Spähpanzer. Der Panzer wird aufgrund seiner schwereren Panzerung und Bewaffnung hauptsächlich bei der Aufklärung eingesetzt. Ausgestattet ist er mit einer 105-Millimeter-Kanone, wodurch er auch als Panzerjäger verwendet werden kann. Die Besatzung besteht aus mindestens vier Soldaten. Bei einer Gefechtsmasse von 14,2 Tonnen ist der Panzer mit 85 km/h extrem mobil.
Panzer, Drohnen, Luftabwehr: Waffen für die Ukraine

Anders als geplant unterzeichnete Selenskyj ein Rohstoffabkommen über Seltene Erden zwischen der Ukraine und den USA nicht. In London zeigte sich Selenskyj bereit, den Deal doch noch zu unterschreiben. „Das vorliegende Abkommen wird unterzeichnet, wenn die Parteien dazu bereit sind“, sagte er mehreren britischen Medien.

Starmer versicherte, dass Europa die „Hauptlast“ bei der Sicherung eines möglichen Friedens zwischen Russland und der Ukraine tragen würde. Für einen Erfolg müsste Europa aber „von den USA stark unterstützt werden“. Auch Scholz bekräftigte, dass die Ukraine „auch die transatlantische Unterstützung“ benötige.

Ukraine-Krieg: Waffenruhe soll nicht für Kämpfe am Boden gelten

Die geplante Waffenruhe solle „in der Luft, auf den Meeren und bei der Energieinfrastruktur“ gelten, sagte der französische Präsident Emmanuel Macron gegenüber der Zeitung Le Figaro. Die Waffenruhe würde zunächst nicht die Kämpfe am Boden betreffen. „Im Falle eines Waffenstillstands wäre es sehr schwierig zu überprüfen, ob (die Kämpfe) entlang der Front eingehalten werden“, sagte Macron.

Der britische Premier Sir Keir Starmer (M), der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj (l) und der französische Präsident Emmanuel Macron unterhalten sich während des Gipfeltreffens der europäischen Staats- und Regierungschefs zur Lage der Ukraine im Lancaster House.

Nach dem französisch-britischen Vorschlag setze Europa Friedenstruppen in der Ukraine erst ab einer zweiten Phase ein. „In den kommenden Wochen wird es keine europäischen Truppen auf ukrainischem Boden geben“, sagte Macron und fügte hinzu: „Die Frage ist, wie wir diese Zeit nutzen, um einen Waffenstillstand zu erreichen, mit Verhandlungen, die mehrere Wochen dauern werden, und dann, sobald der Frieden unterzeichnet ist, einer (Truppen-)Entsendung.“

Starmer verkündet Ukraine-Hilfe

Macron zeigte sich bereit für eine Diskussion über eine europäische nukleare Abschreckung. Zudem müssten Frankreich und andere europäische Staaten 3 bis 3,5 Prozent für ihre Sicherheit ausgeben. Auch die Europäische Kommission sollte bei der Finanzierung der Verteidigungsausgaben innovativer sein. EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen mahnte eine „dringende“ Aufrüstung Europas. Dafür werde sie bei einem EU-Sondergipfel in Brüssel einen „umfassenden Plan“ vorlegen.

Während des Ukraine-Gipfels ließ Starmer finanzielle Taten folgen: Großbritannien werde 1,6 Milliarden Pfund (rund 1,9 Milliarden Euro) an Exportfinanzierungen bereitstellen. Dafür sollten mehr als 5000 Luftabwehrraketen bezahlt werden, berichtete die Deutsche Presse-Agentur (dpa).

Seit Beginn des Ukraine-Krieges hat Großbritannien als zweitgrößter europäischer Verbündeter nach Deutschland die Ukraine mit Waffen und Geld unterstützt. Bis 2027 will London den Verteidigungsetat auf 2,5 Prozent des Bruttoinlandsproduktes erhöhen, bis 2033 auf drei Prozent. Derweil sorgt sich ein weiteres Land vor Trumps Äußerungen. (Jan-Frederik Wendt)

Rubriklistenbild: © Justin Tallis/dpa