Logistik an der Ukraine-Front

Nachschub für Putins Truppen: Kiew zerstört wohl Panzerzug

  • VonSimon Schröder
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Der Krieg in der Ukraine stellt für Russland eine logistische Herausforderung dar. Ohne das Schienennetz wäre Putins Offensive bereits gescheitert.

Kiew/Moskau – Im Ukraine-Krieg setzt Russland vermehrt auf das Schienen-Netzwerk in der Ostukraine und Russland. Um die Logistik und Nachschub aus Russland an der Ukraine-Front an die Soldaten zu bringen, kommen gepanzerte Züge zum Einsatz. Die 152. Jaeger Brigade der ukrainischen Armee soll einen unidentifizierten gepanzerten Zug zerstört haben, wie Drohnenaufnahmen der Brigade zeigen. Unabhängig verifizieren lässt sich das Video nicht.

Das zerstörte Fahrzeug ist ungewöhnlich. Es handelt sich dabei nicht um einen regulären Frachtzug oder eine Rangierlokomotive, wie die ukrainische Fachzeitschrift Defence Express schreibt. Zum einen könnte es sich bei dem Zug um einen Schneepflug gehandelt haben. Die Russen könnten den Schneepflug wohl genutzt haben, um die Schienen von ukrainischen Minen zu räumen. Oder der Zug war etwa ein regulärer Linienzug, der nachträglich mit einer Panzerung versehen wurde, um Wladimir Putins Truppen zu transportieren.

Panzer, Drohnen, Luftabwehr: Waffen für die Ukraine

Die Bundeswehr nutzt den Kampfpanzer Leopard in verschiedenen Varianten seit 1979. Bewaffnet mit einer 120-Millimeter-Kanone lassen sich in den jüngeren Modellen von vier Soldaten an Bord Ziele in einer Entfernung bis zu 5000 Metern bekämpfen. Die Ukraine erhält Panzer des Typs Leopard 2 A6. Das 62,5 Tonnen-Gefährt war bei seiner Einführung im Jahr 2001 als verbesserte Variante des A5 etwa mit neuer Hauptwaffe versehen worden. Das Modell A6M verfügt zudem über einen erhöhten Minenschutz.
Der US-Kampfpanzer M1 Abrams gleicht dem Leopard 2 in weiten Teilen. Den M1 Abrams gibt es seit 1980 in mittlerweile drei Hauptvarianten. Seit dem Modell M1A1 ist eine 120-Millimeter-Kanone an Bord. Die vier Insassen werden von einer Stahl-Panzerung vor Angriffen geschützt. Mit 1500 PS kommt der je nach Modell bis zu 74 Tonnen schwere Abrams auf eine Höchstgeschwindigkeit von knapp 68 Kilometern pro Stunde. Anders als der Leopard 2 wird der M1 Abrams über eine Gasturbine mit Kerosin angetrieben.
Die Hauptwaffe der US-amerikanischen Bradley-Schützenpanzer besteht aus einer 25-Millimeter-Maschinenkanone M242 Bushmaster, die zwischen 100 und 200 Schuss pro Minute verschießen kann. Zudem sind die gepanzerten Kettenfahrzeuge, die nach General Omar N. Bardley benannt sind, mit Maschinengewehren des Typs M240 sowie panzerbrechende Raketen ausgestattet. Die Besatzung umfasst bis zu zehn Soldaten: Fahrer, Kommandant, Richtschütze sowie bis zu sieben Soldaten als Infanterietrupp. Der Panzer wurde dafür konzipiert, im Verbund mit Panzerartillerie und Kampfhelikoptern zu operieren.
Beim AMX-10 RC aus Frankreich handelt es sich um einen amphibischen Spähpanzer. Der Panzer wird aufgrund seiner schwereren Panzerung und Bewaffnung hauptsächlich bei der Aufklärung eingesetzt. Ausgestattet ist er mit einer 105-Millimeter-Kanone, wodurch er auch als Panzerjäger verwendet werden kann. Die Besatzung besteht aus mindestens vier Soldaten. Bei einer Gefechtsmasse von 14,2 Tonnen ist der Panzer mit 85 km/h extrem mobil.
Panzer, Drohnen, Luftabwehr: Waffen für die Ukraine

Die Eisenbahn und das Schienen-Netzwerk im Ukraine-Krieg: Für Russland unabdingbar

Tatsächlich ist das Schienen-Netzwerk für Russlands Militär unabdingbar, um im Ukraine-Krieg voranzukommen. Das „International Centre for Defence and Security“ (ICDS) schreibt beispielsweise in einer Analyse: „Seit dem Krimkrieg (1853 bis 1856, Anm. d. Red.) sind das russische Militär und die russischen Eisenbahnen untrennbar miteinander verbunden.“ Historisch betrachtet ist Russland seit jeher ein „Reich der Eisenbahnen“, wie es weiter heißt. Doch das Schienen-Netzwerk wurde Russland zu Beginn des Ukraine-Kriegs zum Verhängnis. Jede Militäroperation, die abseits der Schieneninfrastruktur stattfindet, ist für Russland eine echte logistische Herausforderung.

In der ICDS-Studie heißt es: „Die russischen Streitkräfte übten zwar weiterhin Druck aus, konnten aber weder auf den kritischen Eisenbahnknotenpunkt in der Stadt Korosten, etwa 150 km nordwestlich von Kiew, vorrücken noch Tschernihiw nordöstlich der ukrainischen Hauptstadt einnehmen.“ Daher bildeten sich auf den Straßen kilometerlange Konvois, um die Truppen an der Front zu versorgen. „Die Offensive wurde ohne logistische Unterstützung durchgeführt, was zu einem Zusammenbruch des Systems und zu großen Staus durch Versorgungsfahrzeuge führte.“ Die Straßen waren verstopft und die russische Offensive zu Beginn des Ukraine-Kriegs konnte gestoppt werden.

Sabotage an den russischen Schienen im Ukraine-Krieg: Ohne Eisenbahn sind Putins Truppen aufgeschmissen

Deswegen versucht die Ukraine immer wieder die russischen Schienen zu sabotieren, um die Logistik der russischen Armee zu stören. Im März gelangen der ukrainischen Armee einige Sabotageaktionen gegen die russische Schieneninfrastruktur, wie Defence Express schreibt. In den Regionen um Moskau, Samara und Twer hatte es einige Brandanschläge geben, um die russische Militärlogistik zu beschädigen.

Ein Panzer auf einem Transportzug in Orjol, Russland. Die russische Armee ist vom Eisenbahn-Netzwerk abhängig.

Tatsächlich ist die Ukraine selbst auf die eigene Eisenbahn-Infrastruktur angewiesen. Zu Beginn der russischen Invasion flohen tausende Ukrainerinnen und Ukrainer mit Zügen aus den aktiven Kampfgebieten an der Front. Für die ukrainische Armee sind die Eisenbahnen ebenso zur Lebensader geworden, um die Versorgung der Truppen sicherzustellen. Um Verwundete an der Front zu versorgen, wurden beispielsweise kleine Krankenhäuser in den Zügen eingerichtet, wie die Fachzeitschrift RailFreight schreibt. Und auch verbündete Politiker wie Olaf Scholz (SPD) nehmen für gewöhnlich den Zug aus Polen, um nach Kiew einzureisen.

In der Ukraine sind die Lokführer und Bahnmitarbeiter daher hoch angesehen. Wie RailFreight weiter berichtet, werden sie deshalb sogar als „Zweite Armee der Ukraine“ oder als „die Eisen-Leute der Ukraine“ bezeichnet. Deshalb ist das Eisenbahn-Netzwerk für Russland ein gleichermaßen beliebtes Ziel für Angriffe. (sischr)

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