Ukraine-Unterstüzung im Vordergrund

Vorbereitung für Nato-Treffen: Stoltenberg warnt vor Gefahr durch Russland

Stoltenberg und Pistorius
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Nato-Generalsektretär Jens Stoltenberg (l) und Verteidigungsminister Boris Pistorius besuchen die Nato-Ostflanke in Litauen.
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    VonBona Hyun
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Vorbereitungen für den Nato-Gipfel in Vilnius laufen auf Hochtouren. Bei einem Treffen in Den Haag warnt Stoltenberg vor Bedrohungen im Ukraine-Krieg.

Den Haag – Bei Vorgesprächen zum Nato-Gipfel warnt Jens Stoltenberg davor, die Bedrohung durch Russland nach dem Aufstand der Wagner-Söldner zu unterschätzen. Es sei klar, dass der Putins illegaler Krieg gegen die Ukraine in Russland Gräben vertieft und neue Spannungen geschaffen habe, sagte Stoltenberg in Den Haag am Rande von Vorgesprächen zum Nato-Gipfel. Gleichzeitig müsse man die Bedrohung ernst nehmen und die Ukraine weiter unterstützen. Vom Gipfel in Vilnius erwarte er ein klares Signal in diese Richtung.

Nato-Gipfel in Vilnius – Vorbereitungen auf Hochtouren: „Das wird ein besonderer Gipfel“

Die Staats- und Regierungsspitzen der Nato-Staaten kommen am 11. und 12. Juli in Vilnius zusammen, um die sicherheitspolitische Lage zu diskutieren und Maßnahmen zur Abschreckung und Verteidigung der Nato zu beschließen. Im Vordergrund des Nato-Gipfels steht vor allem die Fortsetzung der Ukraine-Unterstützung. Verteidigungsminister Boris Pistorius und Generalsekretär Jens Stoltenberg, der bald sein Amt abgibt, sind für den Gipfel bereits angereist.

„Vilnius wird ein besonderer Gipfel. Er findet in Zeiten des russischen Überfalls auf die Ukraine statt“, sagte der stellvertretende beigeordnete Generalsekretär für Verteidigungspolitik und Streitkräfteplanung der NATO, Generalmajor Jörg See im Interview mit der Bundeswehr.

Nach Abschluss des Nato-Gipfels in Vilnius sollen Regionalpläne zur Verteidigung des Nato-Territoriums vorliegen. Um dauerhaft Kräfte zur Verteidigung eines bestimmten Gebietes bereitzustellen, bedarf es einer Reform der Streitkräftestruktur. Über 300.000 Soldatinnen und Soldaten sollen in hoher Einsatzbereitschaft bereitstehen. Darüber hinaus ist zur Umsetzung der Regionalpläne auch die Anpassung der Befehls- und Kommandostrukturen der Allianz vorgesehen. Ein Beispiel für den neuen Regionalplan ist der im vergangenen Jahr von Deutschland eingerichtete vorgeschobene Gefechtsstand im litauischen Rukla. 

Vor Nato-Gipfel: Verteidigungsminister Pistorius will 4000 Soldaten in Litauen stationieren

Pistorius kündigte bereits vor dem Nato-Gipfel an, zusätzliche 4000 Bundeswehrsoldatinnen und -soldaten dauerhaft in Litauen zu stationieren, um die Ostflanke der Nato zu stärken. „Deutschland ist bereit, dauerhaft eine robuste Brigade in Litauen zu stationieren“, sagte Pistorius in Vilnius. Einen genauen Zeitpunkt für die Stationierung nannte er zunächst nicht. Voraussetzung sei eine entsprechende Infrastruktur vor Ort sowie die „Kompatibilität mit den Nato-Plänen“, betonte der Verteidigungsminister.

Zudem will Pistorius an der gemeinsamen Munitionsbeschaffung arbeiten, wie er schon beim Sommertreffen der Nato in Brüssel mit seinen Amtskollegen ankündigte. Der Aktionsplan für die Rüstungsproduktion sieht vor, die Lagerbestände für Munition wieder schneller aufzufüllen. Die Koordination der gemeinsamen Beschaffung übernimmt dabei die Nato Support and Procurement Agency (NSPA). Die Nato-Mitgliedstaaten haben der ukrainischen Armee große Mengen Artilleriemunition geliefert, um sie in ihrem Verteidigungskampf zu unterstützen. Nun sollen die eigenen Lager schnellstmöglich wieder aufgefüllt werden.

Nato: Die wichtigsten Kampfeinsätze des Verteidigungsbündnisses

Seit ihrer Gründung am 4. April 1949 hat sich die Rolle des Nordatlantik-Pakts Nato stark verändert. Aus dem Bündnis, das  vorrangig der Verteidigung diente, wurde in den 1990ern eine global eingreifende Ordnungsmacht. Ihren ersten Kampfeinsatz leistete die Nato, deren Hauptquartier sich seit 1967 in Brüssel befindet, im Jahr 1995.
Ihren ersten Kampfeinsatz startete die Nato am 30. August 1995 mit der Operation „Deliberate Force“ gegen serbische Freischärler im ehemaligen Jugoslawien. Offiziell trat die Nato dabei nur als eine Art bewaffneter Arm der UN-Mission im Land auf. Beteiligt waren 5000 Soldaten aus 15 Ländern mit 400 Flugzeugen, darunter 222 Kampfflugzeugen. 54 dieser Maschinen, die rund um die Uhr von drei Flugzeugträgern und 18 Luftwaffenstützpunkten in Europa losflogen, waren F-16 Fighting Falcon (im Bild).
Bei der Operation kam es zum ersten Kampfeinsatz der deutschen Luftwaffe seit dem Zweiten Weltkrieg. 14 deutsche Tornado-Kampfflugzeuge flogen von Piacenza aus 65 Einsätze. 
Nach dem Abzug der schweren Waffen durch die Serben und einer Garantie für die verbliebenen Schutzzonen wurde die Luftoperation am 21. September 1995 beendet. Nato-Befehlshaber Leighton Smith (Mitte) und UN-Balkankommandant Bernard Janvier (rechts) konnten sich schon am Tag davor am Flughafen von Sarajevo als Sieger fühlen.
Die Nato-Streitkräfte waren auch im Kosovo-Krieg im Einsatz. Anlass für den Angriff der Nato im Rahmen der Operation „Allied Force“ war die Nichtunterzeichnung des Vertrags von Rambouillet durch den serbischen Präsidenten Slobodan Milošević (rechts, hier mit dem damaligen deutschen Außenminister Joschka Fischer). Offizielles Hauptziel war, die Regierung Miloševićs zum Rückzug der Armee aus dem Kosovo zu zwingen.
Nato: Die wichtigsten Kampfeinsätze des Verteidigungsbündnisses

Vorbereitungen für Nato-Treffen in Vilnius: Schweden hofft auf Nato-Beitritt bis Gipfelbeginn

Indes laufen Verhandlungen über die Aufnahme Schwedens in die Nato. Bisher hat die Türkei den Beitritt blockiert. Ein Spitzentreffen von Vertretern Schwedens und der Türkei soll dies pünktlich zum Gipfel der Militärallianz Mitte Juli ermöglichen. Das kündigte Stoltenberg beim Besuch in Litauen an. An dem Treffen sollen demnach die Außenminister, Geheimdienstchefs und Sicherheitsberater Schwedens und der Türkei teilnehmen.

Auch Griechenlands Regierungschef Kyriakos Mitsotakis und der türkische Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan haben sich bereits vor dem Nato-Gipfel ausgetauscht. Bei einem Telefonat einigten sie sich auf ein Treffen am Rande des Gipfels, wie das Büro des griechischen Ministerpräsidenten mitteilte. Für die beiden zerstrittenen Nato-Staaten gilt dieses Treffen als ein weiteres Entspannungszeichen. Grund für das schwierige Verhältnis ist ein Streit um Hoheitsrechte und Erdgasvorkommen im östlichen Mittelmeer. Zudem stellten Erdogan und zahlreiche seiner Minister die Souveränität Griechenlands über Dutzende Ägäis-Inseln infrage. Erdogan hatte zudem wiederholt mit einer Invasion auf griechische Inseln gedroht. Die EU hatte ihn dafür kritisiert. (bohy)

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