Durch Russlands Aggressionen
Die Suwalki-Lücke: Der große Schwachpunkt der NATO ist jetzt viel kleiner geworden
VonMaximilian Kurzschließen
Putins Invasion in die Ukraine verringerte das Risiko der Suwalki-Lücke. Einer der größten NATO-Schwachpunkte gegenüber Russland wird zunehmend kleiner.
Suwalki – Kaum ein anderer Ort in Europa bereitete führenden NATO-Experten in der Vergangenheit so viel Kopfzerbrechen wie die Suwalki-Lücke. Nach der ersten russischen Invasion in der Ukraine wurde dieser Korridor für Militärstrategen zum Sorgenkind. Doch das Risiko schwindet offenbar zunehmend. Darüber berichtet unter anderem Euronews.
Suwalki-Lücke: Warum ist sie so gefährlich?
Die schmale Suwalki-Lücke stellt den einzigen Landkorridor dar, der die baltischen Staaten mit einem anderen NATO-Mitglied verknüpft. Dieser Engpass könnte im Kriegsfall von beiden Seiten mit russischem Artilleriefeuer beschossen werden. Der Korridor trennt die russische Exklave Kaliningrad von Belarus. Deswegen rückte die Region nach dem Beginn des Ukraine-Kriegs verstärkt in den Fokus.
Wenn das Gebiet von russischen oder belarussischen Streitkräften besetzt würde, müsste NATO-Verstärkung über Luft- oder Seewege ins Baltikum verlegt werden. Verschiedene NATO-Initiativen und einige Fehltritte Russlands haben das Risiko der Suwalki-Lücke jedoch beträchtlich reduziert.
NATO wird durch russische Aggression in der Ukraine gestärkt
Der größte Krieg auf europäischem Boden seit dem Zweiten Weltkrieg hat Europa verändert und zu einer Neubewertung der NATO-Strategien geführt. Finnland und Schweden haben beide den NATO-Beitritt beantragt, obwohl sie jahrzehntelang eine Politik der militärischen Neutralität pflegten.
Da nun NATO-Mitglieder den Großteil der Ostseeküste umfassen, kann Russland den Seeweg für westliche Verstärkungen nicht mehr völlig blockieren. Guillaume Lasconjarias, Professor an der Paris-Sorbonne Universität, erklärte im Interview mit Euronews: „Der Beitritt Schwedens und Finnlands schaffte de facto ein „NATO MARE NOSTRUM“ (übersetzt „Unser NATO-Meer“), wobei Russland wahrscheinlich nicht mehr in der Lage ist, eine echte Anti-Zugangs- oder Gebietsverweigerungsstrategie umzusetzen.“
Ukraine-Krieg: Baltikum, EU und NATO minimieren russisches Risiko
Putins Invasion führte zu umfassenden strategischen Neuausrichtungen in Europa. Die NATO ist entschlossen, jeden Zentimeter ihres Territoriums zu verteidigen. Das internationale Bündnis stellte vier neue Kampfgruppen auf und Pläne wurden ausgearbeitet, wie das Baltikum im Kriegsfall erreicht und unterstützt werden könnte. Gemeinschaftliche Initiativen, wie der Bau der transbaltischen Eisenbahn, ermöglichen es zudem, NATO-Truppen künftig schneller zu verlegen.
Die Nato wächst und kämpft: Alle Mitgliedstaaten und Einsätze des Bündnisses




All diese neuen Sicherheits- und Aufrüstungsmaßnahmen sind direkte Reaktionen auf Russlands Vorgehen und die militärischen Ambitionen des Kremls. Ironischerweise hat gerade Russland dazu beigetragen, dass das Risiko eines Angriffs auf die Suwalki-Lücke nun so gering ist wie selten zuvor.

