Parteitag der Demokraten

„Die Zukunft ist hier“: Clinton schwört Demokraten auf Harris ein – und wettert gegen Trump

Hillary Clinton spricht am ersten Tag des Democratic National Convention (DNC) am 19. August 2024 im United Center in Chicago, Illinois.
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Hillary Clinton teilte auf dem Parteitag der Demokraten mächtig gegen Donald Trump aus.
  • Christian Stör
    VonChristian Stör
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Clinton hält am ersten Abend des Parteitags der Demokraten eine der eindrucksvollsten Reden ihrer Karriere. Vor allem Donald Trump bekommt das zu spüren.

Chicago – Vor acht Jahren war Hillary Clinton selbst am Zug. 2016 versuchte sie, Geschichte zu schreiben und als erste Frau in den USA Präsidentin zu werden. Das Ergebnis ist bekannt: Donald Trump zog damals ins Weiße Haus ein. Kann es Kamala Harris bei der US-Wahl 2024 besser machen? Auf dem Parteitag der Demokraten in Chicago machte Clinton ihrer Partei jedenfalls enorm viel Mut.

Amerika sei kurz davor, die „höchste und härteste gläserne Decke“ zu durchbrechen, sagte Clinton, die dabei auf die Formulierung zurückgriff, die sie vor acht Jahren schon einmal gewählt hatte. Damals war es den Demokraten nicht gelungen, die „gläserne Decke“ zu durchbrechen. Diesmal soll das anders sein. „Wir schreiben ein neues Kapitel in der Geschichte Amerikas. Die Zukunft ist hier“, sagte Clinton unter lautem Jubel. 

Clinton setzt sich auf Parteitag der Demokraten für Harris ein – und zieht über Trump her

Die Begeisterung im Publikum war förmlich zu spüren. Selten wohl in ihrer politischen Laufbahn hat Clinton eine derart mitreißende Rede gehalten wie an diesem Abend im United Center von Chicago. Vor allem Donald Trump bekam das zu spüren. Der Republikaner, der Clinton im Wahlkampf 2016 verhöhnt und als „betrügerische“ und „lügende Hillary“ verspottet hatte, war nun selbst in der Defensive.

Tatsächlich genoss sie sichtlich die Gelegenheit, den Spieß einmal umzudrehen. Dabei zog sie eine Parallele zwischen den Kränkungen, die sie 2016 durch Trump erdulden musste, und den Beleidigungen, die er diesmal Harris an den Kopf wirft. „Es überrascht nicht, dass er über Kamalas Vergangenheit lügt. Er macht sich über ihren Namen und ihr Lachen lustig. Kommt euch das bekannt vor?“

Bilder einer Karriere: Kamala Harris strebt Präsidentenamt in den USA an

Mit dem Verzicht von Joe Biden auf die Kandidatur der Demokraten rückt seine Stellvertreterin Kamala Harris vor der US-Wahl 2024 in den Fokus.
Nachdem die Demokraten die Vizepräsidentin aufgestellt haben, hat Harris die Chance, als erste Frau in der Geschichte der USA das Präsidentenamt zu übernehmen. Damit wäre sie die mächtigste Frau der Welt.
Harris wurde am 20. Oktober 1964 in Oakland im Bundesstaat Kalifornien geboren. Ihr Vater war aus Jamaika in die USA eingewandert, um Wirtschaft zu studieren. Ihre Mutter, eine 2009 verstorbene Brustkrebsforscherin, kam aus Indien in die USA. Sie kam aus Indien und lernte Harris‘ Vater in den 60er Jahren in den USA kennen. 
Harris und ihre jüngere Schwester Maya wuchsen bei ihrer Mutter auf, zeitweise lebten sie im kanadischen Montreal. „Sie erzog uns zu stolzen, starken Schwarzen Frauen. Und sie hat uns beigebracht, unser indisches Erbe zu kennen und darauf stolz zu sein“, sagte Harris 2020 in einer Rede. Darin betonte sie auch, dass die USA einen Präsidenten brauchten, „der uns alle zusammenbringt – Schwarze, Weiße, Latinos, Asiaten, Indigene – um die Zukunft zu erreichen, die wir gemeinsam wollen“.
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Clinton zieht auf Demokraten-Parteitag vor US-Wahl Vergleich zwischen Harris und Trump

Danach argumentierte Clinton, der Kontrast zwischen den beiden könnte kaum größer sein. „Kamala kümmert sich um Kinder, Familien und Amerika. Donald kümmert sich nur um sich selbst.“ Harris kämpfe für die Menschen im Land. „Ich kenne ihr Herz und ihre Integrität.“ 

Und dann ging es ans Eingemachte: „Als Staatsanwältin hat Kamala Mörder und Drogenhändler eingesperrt. Donald Trump ist bei seinem eigenen Prozess eingeschlafen.“ Und als er aufgewacht sei, habe er seine eigene Geschichte geschrieben: Er sei jetzt ein verurteilter Straftäter, der in 34 Punkten schuldig gesprochen worden sei. Da plötzlich brachen die Delegierten spontan in Sprechchöre aus: „Sperrt ihn ein! Sperrt ihn ein!“ Auch das erinnerte an 2016, als Trump-Fans Clintons Verhaftung gefordert hatten.

Clinton mahnt Demokraten auf Parteitag, bei US-Wahl 2024 weiter für Harris zu kämpfen

Doch Clinton mahnte auch: Aus eigener Erfahrung klug geworden, warnte sie davor, sich von den Umfragen zur US-Wahl täuschen zu lassen. Auch damals hatten die Zahlen gegen Trump gesprochen. Die Angst, dass sich die Wahl 2016 noch einmal wiederholt, ist bei den Demokraten durchaus spürbar. „Egal, was die Umfragen sagen: Wir dürfen nicht nachlassen“, so Clinton.

„Ich möchte, dass meine Enkel und ihre Enkel wissen, dass ich hier war, dass wir hier waren und dass wir Kamala auf jedem Schritt des Weges begleitet haben“, sagte sie. „Dies ist unsere Zeit, Amerika. Dies ist der Zeitpunkt, an dem wir aufstehen. Dies ist der Zeitpunkt, an dem wir den Durchbruch schaffen.“ (cs)