Russlands Saboteure

Festnahmen in der Ukraine: Geheimdienst meldet verhinderten Umsturzversuch

  • VonSimon Schröder
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Nicht nur an der Front muss sich die Ukraine gegen Russland zur Wehr setzten. Im Inland versuchen Anhänger Putins, die Regierung zu destabilisieren.

Kiew – Die ukrainischen Behörden haben nach eigenen Angaben auf Telegram einen Umsturzversuch in der Hauptstadt verhindert. Eine Gruppe von Störern habe für den vergangenen Sonntag (30. Juni) „Provokationen“ in der Hauptstadt Kiew geplant, teilten der Geheimdienst SBU und die Staatsanwaltschaft am Montag mit.

Unter anderem hätten sie im Rahmen einer Demonstration das Parlament besetzen und eine „provisorische Regierung“ bilden wollen. Gegen vier Männer werde ermittelt. Zwei seien vorläufig festgenommen worden. Bei Razzien seien Waffen und zugehörige Munition entdeckt worden, heißt es. Den Verdächtigten drohen bis zu zehn Jahre Gefängnis. Die Ermittlungen wurden von den Behörden des westukrainischen Gebiets Iwano-Frankiwsk geführt.

Einer der mutmaßlichen Unruhestifter verhaftet vom ukrainischen Geheimdienst.

Unruhestifter wollten das Parlament der Ukraine stürzen – Geheimdienst entlarvt Aktion

Der ukrainische Geheimdienst klärte über das Vorhaben der Gruppierung auf Telegram auf: „Aus dem Untersuchungsmaterial geht hervor, dass die Gruppe von einem Mitbegründer einer Nichtregierungsorganisation angeführt wurde, die seit 2015 für ihre anti-ukrainischen Aktivitäten bekannt ist. Unter dem Vorwand, eine sogenannte ‚Veche‘ (eine Volksversammlung, Anm. d. Red.) abzuhalten, planten die Kriminellen, die ‚Entmachtung‘ der derzeitigen militärischen und politischen Führung der Ukraine.“

Diese Volksversammlung sollte als „Unruhe“ inszeniert werden, um Chaos zu stiften, heißt es weiter. „Die Täter planten, Informationen über die ‚Unruhen‘ in Kiew über in- und ausländische Informationsquellen zu verbreiten. Auf diese Weise hofften sie, die soziale und politische Situation in unserem Land zu erschüttern, was der Russischen Föderation zugutekommen würde.“

Spione Russlands auch in Deutschland: Putin intensiviert Spionageaktivität in Europa

Seit dem russischen Einmarsch im Februar 2022 ist das Regierungsviertel in der Hauptstadt Kiew Hochsicherheitsgebiet und nicht mehr frei zugänglich. Aufgrund des geltenden Kriegsrechts ist zudem das Demonstrationsrecht eingeschränkt. Behördenangaben nach werden immer wieder Unterstützer und Informanten der russischen Truppen festgenommen.

Wolodymyr Selenskyj – Vom Komödianten zum Symbol des Widerstands

Als am 24. Februar 2022 russische Truppen in die Ukraine einmarschierten, sah zunächst alles nach einem leichten Sieg Russlands aus. Doch daraus wurde nichts. Die Ukraine leistete vom ersten Tag an erbitterten Widerstand und wehrte sich mit vereinten Kräften gegen die Invasion. Das liegt auch an ihrem Präsidenten. Wolodymyr Selenskyj überraschte mit seinem Auftreten im Krieg von Beginn an die ganze Welt – vor allem den Aggressor aus Russland.
Wolodymyr Selenskyj
Selenskyj kandidiert in der Ukraine
Wolodymyr Oleksandrowytsch Selenskyj wurde am 25. Januar 1978 als Sohn jüdischer Eltern in Krywyj Rih im Südosten der damals noch sowjetischen Ukraine geboren. Er schloss erfolgreich ein Jurastudium ab, war aber nie als Jurist tätig. Stattdessen gründete er zunächst eine Kabarettgruppe, die fünf Jahre lang von Moskau aus durch die Staaten der ehemaligen Sowjetunion tourte. Als Komiker und Schauspieler erlangte er große Popularität – in der Ukraine und in Russland.
Wolodymyr Selenskyj – Vom Komödianten zum Symbol des Widerstands

Erst Ende Juni wurden in Frankfurt drei mutmaßliche russische Spione verhaftet. Der russische Geheimdienst versucht nicht nur in der Ukraine an Informationen zu gelangen, sondern ist auch vermehrt in den übrigen europäischen Ländern aktiv, wie Politico berichtet. So soll auch die Reisefreiheit der russischen Diplomaten in EU-Ländern weiter eingeschränkt werden, um den Handlungsspielraum Russlands weiter zu limitieren. (sischr/dpa)

Rubriklistenbild: © Ukrainischer Geheimdienst (SSU) via Telegram