2025 wird Jahr der Aufrüstung

„Nukleare Eskalation“ oder Waffenstillstand: Rolle der NATO im Ukraine-Krieg

  • Stephanie Eva Fritzsche
    VonStephanie Eva Fritzsche
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Das Jahr 2025 könnte eine Wende im Ukraine-Krieg bringen, doch die Gefahr eines NATO-Austritts der USA hängt wie ein Damoklesschwert über der EU.

2025 wird zwangsweise ein Jahr der Aufrüstung werden müssen. Sowohl in der EU als auch in Deutschland. Und unabhängig davon, welche neue Bundesregierung das Sagen hat. Die Planspiele über mögliche Szenarien eines Waffenstillstandes sind in vollem Gange.

Donald Trumps großspuriges Wahlkampfversprechen, den Krieg in der Ukraine innerhalb 24 Stunden beenden zu wollen, wirft seine Schatten voraus. Bereits vor dem Amtsantritt des künftigen amerikanischen Präsidenten im Januar werden die Verhandlungen mit dem ukrainischen Präsidenten Wolodimir Selenskyj und Wladimir Putin vorbereitet. Trump lässt sich dabei nicht in die Karten schauen, dadurch scheinen viele Szenarien denkbar.

2025 könnte für die Ukraine entscheidend werden: US-Präsident Donald Trump und der ukrainische Präsident Wolodimir Selenskyj.

Und doch halten die wenigsten den angedrohten NATO-Austritt der USA für wahrscheinlich. „Die Androhung ist Trumps bestes Druckmittel“, analysiert der Transatlantik- und Nato-Experte der Stiftung Wissenschaft und Politik (SWP), Liviu Horovitz. „Er will erreichen, dass die Europäer mehr in die Verteidigung investieren, sich stärker in der Ukraine engagieren und seine Handelspolitik gegen China unterstützen.“ Diese Interessen könne er nicht durchsetzen, wenn er die Zügel aus der Hand gibt und „politische, wirtschaftliche und sicherheitspolitische Instabilität im transatlantischen Raum schafft. Darum ist ein NATO-Austritt letztlich auch nicht in seinem Interesse.“

Ukraine-Krieg: Zwischen Gefahr der „nuklearen Eskalation“ und Waffenstillstand

Wenn sich zwei starke Alpha-Tiere wie Trump und Putin gegenüberstehen ist alles möglich. Horovitz sieht eine Chance für einen Waffenstillstand, wenn die USA Putin glaubhaft machen kann, die Ukraine weiter unterstützen zu wollen. „In diesem Fall könnten kurzfristig die Risiken einer direkten Konfrontation oder einer nuklearen Eskalation steigen. Es könnte aber dazu führen, dass sich Russland mit den eroberten Gebieten zufriedengibt“, so der Sicherheitsexperte der deutschen Denkfabrik.

Dass die USA die Ukraine einfach aufgibt, bezweifelt auch der Sicherheitsexperte Botschafter a.D. und Präsident des Stiftungsrats der Münchner Sicherheitskonferenz Wolfgang Ischinger: „Nicht aus Sympathie für Selenskyj, sondern allein aus dem Grund, um nicht als Schwächling vor den Russen in die Geschichte einzugehen.“

Aber wie soll ein möglicher Waffenstillstand in einem womöglich geteilten Land mit russisch besetzten Gebieten abgesichert werden? Beim Ukraine-Gipfel der EU in der letzten Adventswoche wurde über die Entsendung europäischer Bodentruppen diskutiert. „Sollte es dazu kommen, dass die EU Friedenstruppen entsenden wird, ist klar, dass Deutschland einen Großteil dazu beitragen muss“, sagt Wolfgang Hellmich, Verteidigungsexperte der SPD.

Dieses Thema weisen die deutschen Parteien im Wahlkampf noch von sich. „Diese Gespräche sollten derzeit noch hinter verschlossenen Türen stattfinden – und nicht über den Kopf der Ukraine hinweg“, sagt Hellmich. „Dabei ist es mindestens ebenso wichtig, dass die EU eine mit der Ukraine abgestimmte gemeinsame Position findet, nicht nur die NATO.“ Auch der verteidigungspolitische Sprecher der Union, Florian Hahn hält Diskussion über deutsche Soldaten in der Ukraine für verfrüht. „Es ist fatal, schon vor Beginn von Verhandlungen solche Details zu diskutieren, wir lassen uns dadurch zu sehr in die Karten schauen. Wir sollten alles, was einer Vorfestlegung gleichkäme, tunlichst vermeiden“, so Hahn.

Panzer, Drohnen, Luftabwehr: Waffen für die Ukraine

Die Bundeswehr nutzt den Kampfpanzer Leopard in verschiedenen Varianten seit 1979. Bewaffnet mit einer 120-Millimeter-Kanone lassen sich in den jüngeren Modellen von vier Soldaten an Bord Ziele in einer Entfernung bis zu 5000 Metern bekämpfen. Die Ukraine erhält Panzer des Typs Leopard 2 A6. Das 62,5 Tonnen-Gefährt war bei seiner Einführung im Jahr 2001 als verbesserte Variante des A5 etwa mit neuer Hauptwaffe versehen worden. Das Modell A6M verfügt zudem über einen erhöhten Minenschutz.
Der US-Kampfpanzer M1 Abrams gleicht dem Leopard 2 in weiten Teilen. Den M1 Abrams gibt es seit 1980 in mittlerweile drei Hauptvarianten. Seit dem Modell M1A1 ist eine 120-Millimeter-Kanone an Bord. Die vier Insassen werden von einer Stahl-Panzerung vor Angriffen geschützt. Mit 1500 PS kommt der je nach Modell bis zu 74 Tonnen schwere Abrams auf eine Höchstgeschwindigkeit von knapp 68 Kilometern pro Stunde. Anders als der Leopard 2 wird der M1 Abrams über eine Gasturbine mit Kerosin angetrieben.
Die Hauptwaffe der US-amerikanischen Bradley-Schützenpanzer besteht aus einer 25-Millimeter-Maschinenkanone M242 Bushmaster, die zwischen 100 und 200 Schuss pro Minute verschießen kann. Zudem sind die gepanzerten Kettenfahrzeuge, die nach General Omar N. Bardley benannt sind, mit Maschinengewehren des Typs M240 sowie panzerbrechende Raketen ausgestattet. Die Besatzung umfasst bis zu zehn Soldaten: Fahrer, Kommandant, Richtschütze sowie bis zu sieben Soldaten als Infanterietrupp. Der Panzer wurde dafür konzipiert, im Verbund mit Panzerartillerie und Kampfhelikoptern zu operieren.
Beim AMX-10 RC aus Frankreich handelt es sich um einen amphibischen Spähpanzer. Der Panzer wird aufgrund seiner schwereren Panzerung und Bewaffnung hauptsächlich bei der Aufklärung eingesetzt. Ausgestattet ist er mit einer 105-Millimeter-Kanone, wodurch er auch als Panzerjäger verwendet werden kann. Die Besatzung besteht aus mindestens vier Soldaten. Bei einer Gefechtsmasse von 14,2 Tonnen ist der Panzer mit 85 km/h extrem mobil.
Panzer, Drohnen, Luftabwehr: Waffen für die Ukraine

NATO-Beitritt der Ukraine: „Putin wird das nicht akzeptieren“

Einen möglichen NATO-Beitritt der Ukraine sehen viele als unverzichtbar. „Es wird sehr schwierig sein, der Ukraine ein glaubwürdiges Sicherheitsversprechen zu geben, ohne eine NATO-Mitgliedschaft“, glaubt der Transatlantik- und NATO-Experte Liviu Horovitz. Ischinger gibt zu bedenken, dass Putin das niemals akzeptieren, sondern es vielmehr zur Bedingung für Waffenstillstandsdiskussionen machen werde, dass weder die Ukraine noch Georgien jemals in die NATO eintreten. „Wir machen den Fehler, immer alles nur durch die europäische Brille zu sehen. Putin hat schon beim Angriff auf die Krim klar formuliert, dass er die NATO-Osterweiterung als Bedrohung empfindet. Das müssen wir ernst nehmen, wenn wir eine Lösung finden wollen, die beide Seiten zufrieden stellt“, sagt der Diplomat. Dass das nicht völlig unmöglich ist, habe 1997 die Nato Russland Grundakte gezeigt, die die russische Zustimmung zur NATO-Erweiterung mit erheblichen westlichen Konzessionen verband. „Daran sollten wir anzuknüpfen versuchen“, so Ischinger weiter.

Eine Alternative zum NATO-Beitritt könnte auch ein EU-Beitritt der Ukraine sein. „Die Beistandsverpflichtungen die damit einhergehen sind höher, als im NATO-Vertrag“, glaubt SPD-Verteidigungsexperte Hellmich. „Außerdem wäre es ein Signal Richtung USA, dass Europa bereit ist, Verantwortung zu übernehmen.“

Aber ob Putin dem zustimmt, ist ebenso fraglich. Bleibt die dritte Variante, das porcupine-Szenario. „Wir rüsten die Ukraine finanziell und militärisch so aus, dass kein Russe auf die Idee kommt noch einmal einen Krieg anzufangen. Das halte ich für das realistischere Ergebnis der Verhandlungen“, sagt Botschafter a.D. Ischinger.

Derweil wird es wohl darauf hinauslaufen, dass die NATO ihre Mitgliedsländer anhalten wird, Militärausgaben auf drei Prozent des BIP zu steigern. Das neue Jahr 2025 bringt daher womöglich beides: ein Ende der Kampfhandlungen in der Ukraine gepaart mit massiver Aufrüstung im Westen. „Das wird eine enorme Kraftanstrengung – auch finanziell. Aber die Alternative, dass die russische Armee irgendwann an der polnischen Ostgrenze steht ist wesentlich bedrohlicher und kostspieliger“, betont Ischinger.

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