Ukraine-Krieg

Neue Eskalationsstufe im Ukraine-Krieg: Putins Russland übt mit Nuklearwaffen

  • Alexandra Heidsiek
    VonAlexandra Heidsiek
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Putin dreht die Eskalationsspirale im Ukraine-Krieg weiter. Bald soll in Russland eine Übung zum Atomwaffeneinsatz stattfinden.

Moskau – Das russische Verteidigungsministerium hat heute früh (6. Mai) auf Telegram angekündigt, den Einsatz nicht-strategischer Nuklearwaffen zu üben. Ziel der Übung sei es, „die Bereitschaft des Personals und der Technik der Einheiten für den Kampfeinsatz nicht-strategischer Kernwaffen zur Reaktion aufrechtzuerhalten sowie um die bedingungslose Sicherheit der territorialen Integrität und Souveränität Russlands als Antwort auf provokative Äußerungen und Drohungen bestimmter westlicher Offiziere zu gewährleisten“.

Droht gerne mit atomaren Vergeltungsschlägen: Russlands Präsident Wladimir Putin

Geheimdokumente zeigen, wann Russland Atomwaffen einsetzen würde

Es ist nicht das erste Mal, dass der Kreml dem Westen mit Atomwaffen droht. Schon im Herbst 2022 brachte der ehemalige russische Präsident Dmitri Medwedew in den sozialen Medien den Einsatz ins Spiel. Zuletzt erwähnte Putin sein Nuklearwaffenarsenal in seiner Rede zur Lage der Nation am 29. Februar.

Im Februar veröffentlichte die Financial Times geleakte militärische Geheimdokumente, die den Einsatz von atomaren Raketen als Antwort auf verschiedene Kriegsszenarien durchspielen – darunter ein chinesischer Einmarsch nach Russland. Alexander Gabuew, der Direktor des Carnegie Russia Eurasia Centers in Berlin erklärte diesbezüglich dem russischen unabhängigen Nachrichtenmedium Meduza: „Die Dokumente zeigen, dass die Einsatzschwelle für Atomwaffen recht niedrig ist, falls das gewünschte Resultat nicht mit konventionellen Mitteln erzielt werden kann“.

Das Material beinhaltet unter anderem einen Leitfaden zum Einsatz atomarer Waffen für russische Marineoffiziere, auch außerhalb simulierter Einmärsche. So gehören die Landung feindlicher Truppen auf russischem Staatsgebiet oder die Niederlage von Grenztruppen zu möglichen Rechtfertigungen für eine nukleare Antwort.

Nuklearwaffen im Ukraine-Krieg „militärisch nicht sinnvoll“

Traditionell ist die Bedrohung, Atomwaffen einzusetzen, seit dem Kalten Krieg zur gegenseitigen Abschreckung gedacht. Sie diene dazu, den Status Quo und das eigene Territorium zu beschützen, sagte die Expertin für Sicherheitspolitik Claudia Major im Interview mit ZDFzoom. Putin nutze diese implizite Abmachung nun, um die Nato davon abzuhalten, sich in seinen Angriff auf die Ukraine einzumischen. Dadurch sieht Major die internationale Ordnung in Gefahr.

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Aus militärischer Perspektive sei der Einsatz von Atomwaffen als Reaktion auf einen Gegenangriff jedoch wenig sinnvoll, so die Nuklearwaffenexpertin Polina Sinovets gegenüber ZDFzoom. Diese müssten auf der gesamten Frontlinie eingesetzt werden, um wirklich effektiv zu sein – und die sei riesig.

Die aktuelle Anweisung zur Übung kam vom Oberbefehlshaber der russischen Streitkräfte, also Präsident Wladimir Putin persönlich. Teilnehmen sollen Raketenverbände im Süden Russlands sowie die Luftfahrt und die Marine. Ein genaues Datum, wann das Manöver durchgeführt werden soll, wurde nicht genannt. Im Beitrag heißt es, es solle „bald“ geschehen. (ah)

Rubriklistenbild: © picture alliance/dpa/Pool Sputnik Kremlin/AP | Alexei Danichev

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