Nach Telefonat mit Moskau-Autokrat

Olaf Scholz: Putin-Telefonat bringt Briten-Politiker in Rage

  • Patrick Mayer
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Ein früherer Minister aus Großbritannien kritisiert Bundeskanzler Olaf Scholz wegen seines Gesprächs mit dem russischen Machthaber Wladimir Putin.

Berlin – Die Provokationen des Moskau-Regimes aus Russland nehmen im Ukraine-Krieg kein Ende. Ein Spionage-Schiff Wladimir Putins ist vor Nato-Küsten bei den britischen Inseln aufgetaucht, während zum Beispiel Bundesverteidigungsminister Boris Pistorius (SPD) vor der russischen Kriegswirtschaft warnt.

Telefonat von Olaf Scholz mit Wladimir Putin: Scharfe Kritik am Bundeskanzler

In dieser Gemengelage hatte der politisch schwer angeschlagene Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) am vergangenen Freitagnachmittag (15. November) das erste Mal seit rund zwei Jahren mit Kreml-Autokrat Wladimir Putin telefoniert. Das Telefonat, das der Norddeutsche kurz zuvor in der ARD-Sendung „Caren Miosga“ angekündigt hatte, zog international teils schwere Kritik nach sich.

Ein britischer Ex-Verteidigungsminister wetterte deshalb jetzt sogar regelrecht gegen Scholz. „Es ist, als würde Putin ihn auslachen. Er hat den deutschen Regierungschef genau dahin manipuliert, wo er ihn haben will – kein Taurus, dafür aber jede Menge Demütigung“, schrieb Ben Wallace am Montag (18. November) bei X. Der 54-jährige Engländer meinte harsch: „Ich denke, Scholz ist wahrscheinlich eher dafür geeignet, den Vorsitz eines Unterausschusses eines Gemeinderats zu übernehmen, als eine Regierung zu führen.“

Scholz-Telefonat mit Putin: Heftige Reaktionen aus Litauen, London und Kiew

Der britische Parlamentsabgeordnete Wallace war von Juli 2019 bis August 2023 Verteidigungsminister des Vereinigten Königreiches. Er gilt als entschiedener Verfechter der Militär-Hilfen für die Ukraine. Als das Land im Februar 2022 heimtückisch durch die Russen überfallen wurde, setzte sich Wallace vehement für Waffen-Lieferungen an Kiew ein. Er ist nicht der einzige Kritiker an Scholz‘ Vorstoß. Der litauische Außenminister Gabrielius Landsbergis warf dem SPD-Politiker vor, dessen Ampel-Koaliton in Berlin kürzlich auseinander gebrochen ist, das Telefonat mit dem Moskau-Machthaber aus einer Position der Schwäche geführt zu haben.

Wallace erklärte indes bei X weiter: „Scholz‘ Telefonat mit dem Kreml war so wirkungslos, dass Putin innerhalb weniger Stunden einen massiven illegalen Angriff auf die ukrainische Energieinfrastruktur startete. Mit einem Schlag untergrub er die einheitliche westliche Position, zeigte Schwäche und ermutigte Russland.“

Es ist, als würde Putin ihn auslachen. Er hat den deutschen Regierungschef genau dahin manipuliert, wo er ihn haben will – kein Taurus, dafür aber jede Menge Demütigung.

Ben Wallace über Olaf Scholz (SPD)

Olaf Scholz in der Kritik: Wolodymyr Selenskyj äußert große Sorgen wegen Russland

Der polnische Regierungschef Donald Tusk kritisierte bei X: „Mit Telefonanrufen wird niemand Putin aufhalten können. Der Angriff letzte Nacht, einer der schwersten in diesem Krieg, hat bewiesen, dass Telefondiplomatie die echte Unterstützung des gesamten Westens für die Ukraine nicht ersetzen kann.“ Die finnische Außenministern Elina Valtonen äußerte sich am Wochenende ebenfalls vorwurfsvoll in Richtung Berlin: „Dass europäische Staatsoberhäupter mit Putin koordiniert oder unkoordiniert telefonieren, das wird nichts bringen.“

Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj hatte Scholz in einer öffentlichen Videoansprache vorgeworfen, mit dem Telefonat die „Büchse der Pandora“ geöffnet zu haben. „Das ist genau das, was Putin seit langem will: Es ist extrem wichtig für ihn, seine Isolation zu schwächen“, erklärte Selenskyj: „Das hat es Russland erlaubt, nichts an seiner Politik zu ändern, im Grunde nichts zu tun, und das führte gerade zu diesem Krieg.“

Panzer, Drohnen, Luftabwehr: Waffen für die Ukraine

Die Bundeswehr nutzt den Kampfpanzer Leopard in verschiedenen Varianten seit 1979. Bewaffnet mit einer 120-Millimeter-Kanone lassen sich in den jüngeren Modellen von vier Soldaten an Bord Ziele in einer Entfernung bis zu 5000 Metern bekämpfen. Die Ukraine erhält Panzer des Typs Leopard 2 A6. Das 62,5 Tonnen-Gefährt war bei seiner Einführung im Jahr 2001 als verbesserte Variante des A5 etwa mit neuer Hauptwaffe versehen worden. Das Modell A6M verfügt zudem über einen erhöhten Minenschutz.
Der US-Kampfpanzer M1 Abrams gleicht dem Leopard 2 in weiten Teilen. Den M1 Abrams gibt es seit 1980 in mittlerweile drei Hauptvarianten. Seit dem Modell M1A1 ist eine 120-Millimeter-Kanone an Bord. Die vier Insassen werden von einer Stahl-Panzerung vor Angriffen geschützt. Mit 1500 PS kommt der je nach Modell bis zu 74 Tonnen schwere Abrams auf eine Höchstgeschwindigkeit von knapp 68 Kilometern pro Stunde. Anders als der Leopard 2 wird der M1 Abrams über eine Gasturbine mit Kerosin angetrieben.
Die Hauptwaffe der US-amerikanischen Bradley-Schützenpanzer besteht aus einer 25-Millimeter-Maschinenkanone M242 Bushmaster, die zwischen 100 und 200 Schuss pro Minute verschießen kann. Zudem sind die gepanzerten Kettenfahrzeuge, die nach General Omar N. Bardley benannt sind, mit Maschinengewehren des Typs M240 sowie panzerbrechende Raketen ausgestattet. Die Besatzung umfasst bis zu zehn Soldaten: Fahrer, Kommandant, Richtschütze sowie bis zu sieben Soldaten als Infanterietrupp. Der Panzer wurde dafür konzipiert, im Verbund mit Panzerartillerie und Kampfhelikoptern zu operieren.
Beim AMX-10 RC aus Frankreich handelt es sich um einen amphibischen Spähpanzer. Der Panzer wird aufgrund seiner schwereren Panzerung und Bewaffnung hauptsächlich bei der Aufklärung eingesetzt. Ausgestattet ist er mit einer 105-Millimeter-Kanone, wodurch er auch als Panzerjäger verwendet werden kann. Die Besatzung besteht aus mindestens vier Soldaten. Bei einer Gefechtsmasse von 14,2 Tonnen ist der Panzer mit 85 km/h extrem mobil.
Panzer, Drohnen, Luftabwehr: Waffen für die Ukraine

Olaf Scholz nach Telefonat mit Wladimir Putin: Keine Annäherung im Ukraine-Krieg

Selenskyj stellte klar: „Es wird kein ‚Minsk 3‘ geben; wir brauchen echten Frieden.“ Minsk 1 und Minks 2 waren gescheiterte Waffenstillstandsabkommen nach dem durch den Kreml unterstützten Aufstand prorussischer Separatisten im Donbass seit Sommer 2014.

Scholz hatte nach dem Telefonat mit Putin eingeräumt, dass das „sehr ausführliche“ Gespräch „zu der Erkenntnis beigetragen habe, dass sich bei dem russischen Präsidenten an seinen Ansichten zu diesem Krieg nicht viel geändert hat. Was keine gute Nachricht ist“. Die USA haben stattdessen militärisch den Druck auf Putin durch die Freigabe von ATACMS-Raketen für ukrainische Ziele in Russland erhöht. (pm)

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