Kolumne vom Meteorologen Dominik Jung

Hitze-Panik und Jahrhundertsommer mit 40 Grad? Wettermodelle zeigen anderes Szenario

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40 Grad im Schatten? Ein heißer Sommer wird versprochen – doch die Fakten sprechen eine ganz andere Sprache. Eine Wetter-Kolumne von Dominik Jung.

Kassel – Kaum steigen die Temperaturen ein wenig, schon geistern wieder wilde Schlagzeilen durch die Welt: Ein „Jahrhundertsommer“ mit Hitzespitzen jenseits der 40 Grad soll Deutschland angeblich bevorstehen. Einige greifen solche Szenarien immer wieder auf – und stellen sie als gesicherte Prognosen dar. Doch das ist schlicht unseriös. Kein einziges seriöses Wettermodell prognostiziert derzeit Temperaturen in dieser Extremhöhe.

40 Grad und mehr im kommenden Sommer? Solche Schlagzeilen sind aktuell frei erfunden. Wie vor jedem Winter die Schlagzeile eines Jahrhundertwinters die Runde macht, ist es vor dem Sommer der Jahrhundertsommer.

Weder das ECMWF, das europäische Langfristmodell, noch das amerikanische CFS-Modell liefern Aussagen zu konkreten Temperaturmaxima. Vielmehr zeigen sie lediglich Tendenzen in Bezug auf den gesamten Sommer – also ob er eher wärmer, kühler, trockener oder nasser als im Mittel ausfallen könnte. Aussagen über einzelne Tage mit extremer Hitze sind zu diesem Zeitpunkt schlicht unmöglich und wissenschaftlich nicht haltbar. Dennoch werden solche spekulativen Märchen regelmäßig in die Welt gesetzt – meist mit dem Ziel, Aufmerksamkeit zu generieren, nicht um zu informieren.

Sommerprognose: Was Wetter-Langfristmodelle wirklich aussagen – und was nicht

Das ECMWF-Modell deutet derzeit auf einen Sommer hin, der in Europa wärmer und trockener als der Durchschnitt der Jahre 1991 bis 2020 ausfallen könnte. Das US-amerikanische CFS-Modell hingegen rechnet mit einem normal temperierten bis leicht zu warmen Sommer – allerdings mit deutlich mehr Niederschlag. Allein dieser Widerspruch zeigt: Selbst die beiden wichtigsten Langfristmodelle kommen derzeit zu unterschiedlichen Ergebnissen.

Entscheidend dabei ist: Beide Modelle können keine Aussagen über einzelne Hitzetage oder Extremtemperaturen treffen. Wer also jetzt schon von 40 Grad und mehr spricht, verbreitet gezielt Falschaussagen. Solche Aussagen sind schlicht erfunden und basieren nicht auf wissenschaftlicher Wetteranalyse. Auch dass Wetterseiten oder Medien dies als „wahrscheinliches Szenario“ darstellen, ist irreführend und grenzt an bewusste Desinformation.

Was wirklich möglich ist – und was reine Spekulation bleibt

Natürlich kann ein Sommer mit überdurchschnittlichen Temperaturen auch einzelne Hitzetage mit 35 Grad oder mehr bringen – das ist meteorologisch plausibel. Doch ob, wann und wo solche Spitzenwerte erreicht werden, lässt sich seriös erst wenige Tage vorher sagen. Die aktuelle Hitzepanik ist also nichts weiter als das: Panikmache.

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Wissenschaftlich korrekt lässt sich derzeit nur sagen, dass sich die Modelle uneinig sind und mit leicht höheren Temperaturen rechnen – mehr nicht. Extreme wie 40 Grad oder mehr sind reine Spekulation. Sie sollen Klicks bringen, keine verlässliche Information. Wer sich wirklich über den Sommer 2025 informieren will, sollte die Entwicklung der Modelle weiter beobachten – und die Finger von überdrehten Schlagzeilen lassen.

Rubriklistenbild: © picture alliance/dpa | Jens Büttner

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