Preisexplosion beim Rückkauf?

„Technische Probleme“ beim Leopard: Dänemark zeigt bei holpriger Ukraine-Spende nach Deutschland

  • Florian Naumann
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Unendliche Geschichte statt „baldestmöglicher“ Lieferung? Anfang 2023 versprach Dänemark der Ukraine 100 Leopard – die Lieferung zieht sich weiter.

Kopenhagen – Es ist noch nicht allzu lange her, dass Kampfpanzer das große Streitthema bei der Waffenhilfe des Westens für den ukrainischen Verteidigungskrieg waren. Im Frühjahr 2023 ließ eine Ankündigung aus Dänemark durchaus aufhorchen: Satte 100 Panzer des Typs Leopard-1 sollten in Zusammenarbeit mit den Niederlanden und Deutschland an Kiew gehen – möglichst noch vor dem Jahreswechsel.

Ein gutes Jahr später lässt sich festhalten: Der Plan ist noch nicht so ganz aufgegangen. Nach Informationen der dänischen Zeitung Jyllands-Posten sind nur 30 Panzer tatsächlich in der Ukraine angekommen. Der Regierung in Kopenhagen ist das durchaus unangenehm. Sie sieht den Fortgang aber „nicht in Dänemarks Händen“ – und verweist die Verantwortung für die Panzer-„Verspätung“ im Großen und Ganzen nach Deutschland.

Dänemarks Leopard-Spende im Ukraine-Krieg lahmt: „Deutschland war verspätet“

Dänemarks Verteidigungsminister Troels Lund Poulsen erklärte dem Sender DR die Lage am Montag (25. März) mit dem Verweis auf Probleme in der Bundesrepublik. „Der Grund ist, dass wir Probleme bei der Instandsetzung der Panzer hatten, die Deutschen waren mit ihrer Instandsetzung verspätet“, erklärte er.

Die Zahl von 30 dänischen Leopard-1 in der Ukraine wollte der Politiker der Mitte-Rechts-Partei Venstre nicht bestätigen – aus „operativen Gesichtspunkten“. Sprich: Man will Russland im Ukraine-Krieg nicht ohne Not Informationen zur Ausrüstung geben. Allerdings sei es „kein Geheimnis, dass wir eine Verspätung bei der Lieferung der Leopard-1-Panzer hatten“. Erst im September 2023 hatte die dpa die Lieferung der ersten „dänischen“ Leopard vermeldet.

Leopard-1-Kampfpanzer im Frühjahr 2023 auf dem Gelände des Flensburger Unternehmens FFG.

Lund Poulsen hatte im Februar 2023 erklärt, die Panzer sollten „so schnell wie möglich“ an die Ukraine gehen. „Wir haben gesagt, dass wir mit der Spende Ende 2023 am Ziel sein wollen. Nun haben wir Anfang 2024, in dieser Hinsicht ist es ärgerlich, dass wir uns verspätet haben“, räumte der Verteidigungsminister nun ein. Der mutmaßliche Hintergrund der Probleme: Ein Teil der dänischen „Leoparden“ war bereits länger nicht in Gebrauch – er harrte in Deutschland einer weiteren Verwendung.

Dänemarks Leopard für die Ukraine: Teurer Rückkauf aus dem Lager

Die Panzer seien unter anderem in Flensburg, unweit der dänischen Grenze, gelagert gewesen, schrieb die Zeitung Der Nordschleswiger am Montag. Die Leopard-1 seien „seit vielen Jahren nicht mehr im Einsatz“ gewesen und hätten einer Reparatur und Inspektion bedurft. DR schrieb von „technischen Problemen“.

Einem Bericht des NDR zufolge waren die Flensburger Panzer schon 2010 zum ungefähren „Schrottwert“ von 13.000 Euro pro Stück an das Unternehmen FFG verkauft worden. Angesichts des Ukraine-Kriegs stieg der Rückkaufpreis wohl massiv: Die – unbestätigte – Rede war von einer Million Euro pro Panzer. Eine ähnliche Preisexplosion gab es auch in Zusammenhang mit einem belgischen Panzer-Deal.

Panzer, Drohnen, Luftabwehr: Waffen für die Ukraine

Die Bundeswehr nutzt den Kampfpanzer Leopard in verschiedenen Varianten seit 1979. Bewaffnet mit einer 120-Millimeter-Kanone lassen sich in den jüngeren Modellen von vier Soldaten an Bord Ziele in einer Entfernung bis zu 5000 Metern bekämpfen. Die Ukraine erhält Panzer des Typs Leopard 2 A6. Das 62,5 Tonnen-Gefährt war bei seiner Einführung im Jahr 2001 als verbesserte Variante des A5 etwa mit neuer Hauptwaffe versehen worden. Das Modell A6M verfügt zudem über einen erhöhten Minenschutz.
Der US-Kampfpanzer M1 Abrams gleicht dem Leopard 2 in weiten Teilen. Den M1 Abrams gibt es seit 1980 in mittlerweile drei Hauptvarianten. Seit dem Modell M1A1 ist eine 120-Millimeter-Kanone an Bord. Die vier Insassen werden von einer Stahl-Panzerung vor Angriffen geschützt. Mit 1500 PS kommt der je nach Modell bis zu 74 Tonnen schwere Abrams auf eine Höchstgeschwindigkeit von knapp 68 Kilometern pro Stunde. Anders als der Leopard 2 wird der M1 Abrams über eine Gasturbine mit Kerosin angetrieben.
Die Hauptwaffe der US-amerikanischen Bradley-Schützenpanzer besteht aus einer 25-Millimeter-Maschinenkanone M242 Bushmaster, die zwischen 100 und 200 Schuss pro Minute verschießen kann. Zudem sind die gepanzerten Kettenfahrzeuge, die nach General Omar N. Bardley benannt sind, mit Maschinengewehren des Typs M240 sowie panzerbrechende Raketen ausgestattet. Die Besatzung umfasst bis zu zehn Soldaten: Fahrer, Kommandant, Richtschütze sowie bis zu sieben Soldaten als Infanterietrupp. Der Panzer wurde dafür konzipiert, im Verbund mit Panzerartillerie und Kampfhelikoptern zu operieren.
Beim AMX-10 RC aus Frankreich handelt es sich um einen amphibischen Spähpanzer. Der Panzer wird aufgrund seiner schwereren Panzerung und Bewaffnung hauptsächlich bei der Aufklärung eingesetzt. Ausgestattet ist er mit einer 105-Millimeter-Kanone, wodurch er auch als Panzerjäger verwendet werden kann. Die Besatzung besteht aus mindestens vier Soldaten. Bei einer Gefechtsmasse von 14,2 Tonnen ist der Panzer mit 85 km/h extrem mobil.
Panzer, Drohnen, Luftabwehr: Waffen für die Ukraine

Zusammen mit Kosten für Transport, Ersatzteile, Munition und Ausbildung ukrainischer Soldaten habe Dänemark 130 Millionen Euro für die Lieferung veranschlagt, sagte damals der dänische Journalist Peter Rasmussen dem Sender. Boris Pistorius‘ (SPD) Verteidigungsministerium schrieben von einer „Lieferung aus Industriebeständen“ – „nach Überholung“.

„Wenn ihr Leopard-Panzer habt, dann gebt sie uns“, hatte der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj im Januar 2023 vor einer Geberkonferenz in Ramstein gefordert. Auch wenn schon damals der Blick eher in Richtung des moderneren Leopard-2 ging: Auf den Panzern ruhten große Hoffnungen – gerade mit Blick auf die für den Sommer 2023 angepeilte Gegenoffensive der Ukraine.

Westliche Panzer im Ukraine: Zu wenig, zu spät – und gar nicht so hilfreich?

Mittlerweile ist die Gegenoffensive weitgehend verpufft, die Ukraine arbeitet stattdessen an widerstandsfähigen Verteidigungslinien. Vielleicht auch wegen Mangel an Militärmaterial. „Das Problem ist, dass die Ukraine mindestens 100 dieser Panzer benötigt, um einen signifikanten Unterschied zu machen“, sagte Militärexperte Andy Milburn im Januar 2023 FR.de von IPPEN.MEDIA mit Blick auf den Leopard-2.

Aber auch die Erwartungen mit Blick auf die westlichen Panzer sind erkaltet. Auch mit britischen Challengern und US-amerikanischen Abrams gibt es Probleme – wegen des hohen Gewichts oder auch des ungewöhnlichen Drohnenkriegs in der Ukraine. „Munition, mehr Drohnen, mehr Bradleys oder CV-90, mehr Artillerie und so ziemlich alles andere wäre besser angelegtes Geld gewesen“, sagte US-Experte Mike Riedmüller zuletzt der Kyiv Post.

Immerhin: Der Leopard-1 ist ein gutes Stück leichter als der Leopard-2. Zudem gab es mit der neueren Variante auch Ersatzteile-Probleme. Hürden könnte es aber selbst nach der Bereitstellung noch geben. Ein möglicher Fronteinsatz hänge auch von der Ukraine ab, sagte nun Lund Poulsen: Davon, ob „ihre Mannschaften trainiert sind und wann sie bereit sind, die Panzer in Gebrauch zu nehmen.“ (fn)

Rubriklistenbild: © Axel Heimken/picture-alliance/dpa

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