Verteidigung

„Habe keine Ahnung“: Pistorius findet harsche Worte für Verbündete bei Baltikum-Besuch

Der deutsche Verteidigungsminister Boris Pistorius besucht die Soldaten der Luftwaffe auf der Basis in Lielvarde, Litauen.
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Verteidigungsminister Boris Pistorius im Baltikum.
  • Alexandra Heidsiek
    VonAlexandra Heidsiek
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Pistorius ist im Baltikum auf Geldsuche: Die Ukraine braucht Flugabwehrsysteme, Deutschland Unterstützung für die Brigade Litauen.

Lielvarde – Boris Pistorius zu Gast bei Freunden: Der Verteidigungsminister reist ins Baltikum– auch, um Flugabwehrsysteme für die Ukraine einzuwerben. Ein heikles Thema: „Ich habe keine Ahnung, warum die anderen Nationen noch zögern“, sagte Pistorius, als er die lettische Luftwaffenbasis in Lielvarde besuchte.

Verteidigungsminister sucht Patriot-Systeme für die Ukraine

Seit Wochen versuchen der Verteidigungsminister und Außenministerin Annalena Baerbock, an mindestens zwei Patriot-Systeme zu gelangen. Bisher ist ihnen das nicht geglückt. Deutschland selbst habe Pistorius zufolge bereits ein Viertel seiner Flugabwehrsysteme zur Verfügung gestellt, doch „Es gibt viele Staaten, weltweit, aber auch in Europa, die mehr tun können als bislang“, sagte der Minister.

Panzer, Drohnen, Luftabwehr: Waffen für die Ukraine

Die Bundeswehr nutzt den Kampfpanzer Leopard in verschiedenen Varianten seit 1979. Bewaffnet mit einer 120-Millimeter-Kanone lassen sich in den jüngeren Modellen von vier Soldaten an Bord Ziele in einer Entfernung bis zu 5000 Metern bekämpfen. Die Ukraine erhält Panzer des Typs Leopard 2 A6. Das 62,5 Tonnen-Gefährt war bei seiner Einführung im Jahr 2001 als verbesserte Variante des A5 etwa mit neuer Hauptwaffe versehen worden. Das Modell A6M verfügt zudem über einen erhöhten Minenschutz.
Der US-Kampfpanzer M1 Abrams gleicht dem Leopard 2 in weiten Teilen. Den M1 Abrams gibt es seit 1980 in mittlerweile drei Hauptvarianten. Seit dem Modell M1A1 ist eine 120-Millimeter-Kanone an Bord. Die vier Insassen werden von einer Stahl-Panzerung vor Angriffen geschützt. Mit 1500 PS kommt der je nach Modell bis zu 74 Tonnen schwere Abrams auf eine Höchstgeschwindigkeit von knapp 68 Kilometern pro Stunde. Anders als der Leopard 2 wird der M1 Abrams über eine Gasturbine mit Kerosin angetrieben.
Die Hauptwaffe der US-amerikanischen Bradley-Schützenpanzer besteht aus einer 25-Millimeter-Maschinenkanone M242 Bushmaster, die zwischen 100 und 200 Schuss pro Minute verschießen kann. Zudem sind die gepanzerten Kettenfahrzeuge, die nach General Omar N. Bardley benannt sind, mit Maschinengewehren des Typs M240 sowie panzerbrechende Raketen ausgestattet. Die Besatzung umfasst bis zu zehn Soldaten: Fahrer, Kommandant, Richtschütze sowie bis zu sieben Soldaten als Infanterietrupp. Der Panzer wurde dafür konzipiert, im Verbund mit Panzerartillerie und Kampfhelikoptern zu operieren.
Beim AMX-10 RC aus Frankreich handelt es sich um einen amphibischen Spähpanzer. Der Panzer wird aufgrund seiner schwereren Panzerung und Bewaffnung hauptsächlich bei der Aufklärung eingesetzt. Ausgestattet ist er mit einer 105-Millimeter-Kanone, wodurch er auch als Panzerjäger verwendet werden kann. Die Besatzung besteht aus mindestens vier Soldaten. Bei einer Gefechtsmasse von 14,2 Tonnen ist der Panzer mit 85 km/h extrem mobil.
Panzer, Drohnen, Luftabwehr: Waffen für die Ukraine

Deutschland beteiligt sich aktuell am sogenannten „Nato Air Policing Baltikum“. Da die Kleinstaaten Litauen, Estland und Lettland keine eigenen Kampfjets haben, helfen die Nato-Verbündeten seit 2004 im Wechsel, den dortigen Luftraum zu beschützen. In diesen dringen regelmäßig irregulär fliegende russische Militärflugzeuge ein.

Pistorius: „Die Sicherheit der baltischen Staaten ist unsere Sicherheit“

Zudem steht ein Truppenbesuch im benachbarten Litauen auf dem Programm des Verteidigungsministers. Im Rahmen der „Brigade Litauen“ sind bereits 21 Soldatinnen und Soldaten im Baltikum stationiert, nur wenige Kilometer von der belarussischen Grenze entfernt. Bis 2027 soll die Bundeswehr dauerhaft dort verteidigen, etwa 4800 Männer und Frauen will Pistorius an die Ostflanke der Nato entsenden. Das wird teuer: 6,7 Milliarden Euro hat er von Finanzminister Christian Lindner gefordert. Dieser ist wenig begeistert über die kalkulierten Ausgaben.

Doch: Kein Geld ist keine Option. Das hat der litauische Verteidigungsminister Laurynas Kasciunas bekräftigt, als er letzte Woche in Berlin zu Gast war. Auch Pistorius ist überzeugt: „Die Sicherheit der baltischen Staaten ist unsere Sicherheit“. Pistorius Besuch ist deshalb auch Werbung für sein Projekt, um die dringend benötigte Unterstützung aus der Öffentlichkeit zu generieren. (ah mit dpa)

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