Gegen „Probleme des Militärs“
Angriffe auf „Hochrisiko“-Krimbrücke setzen Russland unter Druck – Moskau reagiert
VonStefan Kriegerschließen
Die Krimbrücke stellt für Russland ein Risiko dar. Moskau plant nun eine neue Eisenbahnverbindung, um die Sicherheit in der Region zu erhöhen.
Moskau – In den letzten Monaten hat die Ukraine ihre Angriffe auf die Brücke über die Straße von Kertsch verstärkt. Die Krimbrücke verbindet die 2014 von Russland annektierte Krim mit dem russischen Festland. Die Halbinsel Krim dient auch als Drehscheibe für das russische Militär im Ukraine-Krieg, den Russland im Februar 2022 mit der Invasion in die Ukraine startete.
Russischen Berichten zufolge ist jetzt der Bau einer neuen Eisenbahnlinie im Gange, die die Halbinsel mit dem Festland verbinden soll. Das geschieht ganz offensichtlich als Reaktion auf die wiederholten Angriffe der Ukraine auf die Krimbrücke.
Russlands Krimbrücke unter Beschuss: Neue Eisenbahnlinie soll „Probleme des Militärs“ lösen
Jewgeni Balizkij, der von Moskau ernannte Leiter der besetzten Region Saporischschja im Südosten der Ukraine, erklärte am Montag (6. November) gegenüber Reportern, dass die neue Eisenbahnlinie in der Nähe der Stadt Donezk begonnen habe. Die Strecke soll von Jakymiwka, einer Siedlung in Saporischschja, nach Rostow führen, wie die staatliche russische Nachrichtenagentur RIA Novosti berichtet.
„Durch den Bau einer Eisenbahnlinie werden wir die Probleme des Militärs lösen“, sagte Balizkij laut dem Portal Newsweek. Die neue Eisenbahn Russland solle helfen, Waren wie Getreide, Eisen und Kohle in den Rest des Landes zu exportieren. Er gab weiter an, dass das Projekt auch Moskaus Militär dienlich sei – indem die Brücke von Kertsch umgangen werden könne. „Es ist nicht von der Entfernung her zu weit, über die Krim-Brücke zu fahren, sondern die Brücke ist heute auch ein Hochrisiko-Objekt“, sagte Balizkij weiter.
Krimbrücke im Ukraine-Krieg Sicherheitsbelastung für Russland
Schon zuvor hatte das britische Verteidigungsministerium in einem Bericht zu Lage in der Ukraine angemerkt, dass die Brücke über die Straße von Kertsch zu einer erheblichen Sicherheitsbelastung für Moskau geworden sei. Die Ukraine hatte das fast 20 Kilometer lange Bauwerk im Oktober 2022 und erneut im Juli und August 2023 angegriffen und dabei erhebliche Schäden an der Straße und der Eisenbahnlinie verursacht.
„Obwohl die Brücke weitestgehend repariert ist, bleibt ihre Nutzung aufgrund der nach dem ersten ukrainischen Angriff im Oktober 2022 erfolgten Beschädigungen eingeschränkt. Lastwagen und Treibstofflieferungen werden weiterhin per Fähre transportiert“, erklärten britische Experten im Oktober.
Panzer, Drohnen, Luftabwehr: Waffen für die Ukraine




Am Mittwoch (1. November) kursierten im Internet Bilder, die Rauchschwaden von der Krimbrücke zeigten. Zuvor hatten die russischen Behörden in der Region vor Luftangriffen auf die Halbinsel gewarnt. Lokalen Berichten zufolge herrschte etwa zwei Stunden lang Luftangriffsalarm und der Verkehr auf der Brücke kam zum Erliegen.
Kiew will die Krim wieder unter eigene Kontrolle bringen
Kiew hat immer wieder betont, dass der Krieg mit Russland erst dann beendet sein wird, wenn die Halbinsel Krim wieder unter ukrainischer Kontrolle ist. Die Ukraine bemüht sich seit mehreren Monaten um die Wiedererlangung der Kontrolle über die von Russland besetzten Gebiete im Süden und Osten des Landes.
Auch aktuell hat die russische Armee nach eigenen Angaben Angriffe von 17 ukrainischen Drohnen über dem Schwarzen Meer und der annektierten Halbinsel Krim abgewehrt. „Die Luftabwehr hat neun Drohen zerstört und acht weitere abgefangen“, erklärte das russische Verteidigungsministerium am Dienstag (7. November). Demnach wurde ein „terroristischer Angriff“ gestoppt. Unabhängig überprüfen lassen sich diese Angaben nicht – Kiew hat sich zu den Meldungen bislang nicht geäußert. (skr)
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