Gegen „Probleme des Militärs“

Angriffe auf „Hochrisiko“-Krimbrücke setzen Russland unter Druck – Moskau reagiert

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Die Krimbrücke stellt für Russland ein Risiko dar. Moskau plant nun eine neue Eisenbahnverbindung, um die Sicherheit in der Region zu erhöhen.

Moskau – In den letzten Monaten hat die Ukraine ihre Angriffe auf die Brücke über die Straße von Kertsch verstärkt. Die Krimbrücke verbindet die 2014 von Russland annektierte Krim mit dem russischen Festland. Die Halbinsel Krim dient auch als Drehscheibe für das russische Militär im Ukraine-Krieg, den Russland im Februar 2022 mit der Invasion in die Ukraine startete.

Russischen Berichten zufolge ist jetzt der Bau einer neuen Eisenbahnlinie im Gange, die die Halbinsel mit dem Festland verbinden soll. Das geschieht ganz offensichtlich als Reaktion auf die wiederholten Angriffe der Ukraine auf die Krimbrücke.

Russlands Krimbrücke unter Beschuss: Neue Eisenbahnlinie soll „Probleme des Militärs“ lösen

Jewgeni Balizkij, der von Moskau ernannte Leiter der besetzten Region Saporischschja im Südosten der Ukraine, erklärte am Montag (6. November) gegenüber Reportern, dass die neue Eisenbahnlinie in der Nähe der Stadt Donezk begonnen habe. Die Strecke soll von Jakymiwka, einer Siedlung in Saporischschja, nach Rostow führen, wie die staatliche russische Nachrichtenagentur RIA Novosti berichtet.

Rauch an der Krim-Brücke nach einem Angriff der Ukraine im August 2023.

„Durch den Bau einer Eisenbahnlinie werden wir die Probleme des Militärs lösen“, sagte Balizkij laut dem Portal Newsweek. Die neue Eisenbahn Russland solle helfen, Waren wie Getreide, Eisen und Kohle in den Rest des Landes zu exportieren. Er gab weiter an, dass das Projekt auch Moskaus Militär dienlich sei – indem die Brücke von Kertsch umgangen werden könne. „Es ist nicht von der Entfernung her zu weit, über die Krim-Brücke zu fahren, sondern die Brücke ist heute auch ein Hochrisiko-Objekt“, sagte Balizkij weiter.

Krimbrücke im Ukraine-Krieg Sicherheitsbelastung für Russland

Schon zuvor hatte das britische Verteidigungsministerium in einem Bericht zu Lage in der Ukraine angemerkt, dass die Brücke über die Straße von Kertsch zu einer erheblichen Sicherheitsbelastung für Moskau geworden sei. Die Ukraine hatte das fast 20 Kilometer lange Bauwerk im Oktober 2022 und erneut im Juli und August 2023 angegriffen und dabei erhebliche Schäden an der Straße und der Eisenbahnlinie verursacht.

„Obwohl die Brücke weitestgehend repariert ist, bleibt ihre Nutzung aufgrund der nach dem ersten ukrainischen Angriff im Oktober 2022 erfolgten Beschädigungen eingeschränkt. Lastwagen und Treibstofflieferungen werden weiterhin per Fähre transportiert“, erklärten britische Experten im Oktober.

Panzer, Drohnen, Luftabwehr: Waffen für die Ukraine

Die Bundeswehr nutzt den Kampfpanzer Leopard in verschiedenen Varianten seit 1979. Bewaffnet mit einer 120-Millimeter-Kanone lassen sich in den jüngeren Modellen von vier Soldaten an Bord Ziele in einer Entfernung bis zu 5000 Metern bekämpfen. Die Ukraine erhält Panzer des Typs Leopard 2 A6. Das 62,5 Tonnen-Gefährt war bei seiner Einführung im Jahr 2001 als verbesserte Variante des A5 etwa mit neuer Hauptwaffe versehen worden. Das Modell A6M verfügt zudem über einen erhöhten Minenschutz.
Der US-Kampfpanzer M1 Abrams gleicht dem Leopard 2 in weiten Teilen. Den M1 Abrams gibt es seit 1980 in mittlerweile drei Hauptvarianten. Seit dem Modell M1A1 ist eine 120-Millimeter-Kanone an Bord. Die vier Insassen werden von einer Stahl-Panzerung vor Angriffen geschützt. Mit 1500 PS kommt der je nach Modell bis zu 74 Tonnen schwere Abrams auf eine Höchstgeschwindigkeit von knapp 68 Kilometern pro Stunde. Anders als der Leopard 2 wird der M1 Abrams über eine Gasturbine mit Kerosin angetrieben.
Die Hauptwaffe der US-amerikanischen Bradley-Schützenpanzer besteht aus einer 25-Millimeter-Maschinenkanone M242 Bushmaster, die zwischen 100 und 200 Schuss pro Minute verschießen kann. Zudem sind die gepanzerten Kettenfahrzeuge, die nach General Omar N. Bardley benannt sind, mit Maschinengewehren des Typs M240 sowie panzerbrechende Raketen ausgestattet. Die Besatzung umfasst bis zu zehn Soldaten: Fahrer, Kommandant, Richtschütze sowie bis zu sieben Soldaten als Infanterietrupp. Der Panzer wurde dafür konzipiert, im Verbund mit Panzerartillerie und Kampfhelikoptern zu operieren.
Beim AMX-10 RC aus Frankreich handelt es sich um einen amphibischen Spähpanzer. Der Panzer wird aufgrund seiner schwereren Panzerung und Bewaffnung hauptsächlich bei der Aufklärung eingesetzt. Ausgestattet ist er mit einer 105-Millimeter-Kanone, wodurch er auch als Panzerjäger verwendet werden kann. Die Besatzung besteht aus mindestens vier Soldaten. Bei einer Gefechtsmasse von 14,2 Tonnen ist der Panzer mit 85 km/h extrem mobil.
Panzer, Drohnen, Luftabwehr: Waffen für die Ukraine

Am Mittwoch (1. November) kursierten im Internet Bilder, die Rauchschwaden von der Krimbrücke zeigten. Zuvor hatten die russischen Behörden in der Region vor Luftangriffen auf die Halbinsel gewarnt. Lokalen Berichten zufolge herrschte etwa zwei Stunden lang Luftangriffsalarm und der Verkehr auf der Brücke kam zum Erliegen.

Kiew will die Krim wieder unter eigene Kontrolle bringen

Kiew hat immer wieder betont, dass der Krieg mit Russland erst dann beendet sein wird, wenn die Halbinsel Krim wieder unter ukrainischer Kontrolle ist. Die Ukraine bemüht sich seit mehreren Monaten um die Wiedererlangung der Kontrolle über die von Russland besetzten Gebiete im Süden und Osten des Landes.

Auch aktuell hat die russische Armee nach eigenen Angaben Angriffe von 17 ukrainischen Drohnen über dem Schwarzen Meer und der annektierten Halbinsel Krim abgewehrt. „Die Luftabwehr hat neun Drohen zerstört und acht weitere abgefangen“, erklärte das russische Verteidigungsministerium am Dienstag (7. November). Demnach wurde ein „terroristischer Angriff“ gestoppt. Unabhängig überprüfen lassen sich diese Angaben nicht – Kiew hat sich zu den Meldungen bislang nicht geäußert. (skr)

Rubriklistenbild: © IMAGO/Alyona Popova

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