Irrläufer im Ukraine-Krieg
Polen bestätigt: Tödliche Rakete stammte aus der Ukraine
VonStefan Kriegerschließen
Eine tödliche Rakete, die in Polen einschlug, wurde nach neuesten Erkenntnissen aus der Ukraine abgefeuert. Warschau übt Kritik an Kiew.
Warschau – Im vergangenen November führte eine tödliche Raketenexplosion im Südosten Polens zum Tod von zwei Personen. Polnische Untersuchungen legen jetzt nahe, dass die Rakete ihren Ursprung in der Ukraine hatte.
Der polnische Justizminister Zbigniew Ziobro sagte am Donnerstag (28. September), eine Untersuchung polnischer Staatsanwälte sei zu dem „eindeutigen“ Ergebnis gekommen, „dass es sich bei dieser Rakete um eine ukrainische Rakete aus sowjetischer beziehungsweise russischer Produktion handelte“. Dies meldete die Agentur PAP in Lublin. Ziobroi bedauerte zudem eine mangelnde Kooperation der Ukraine bei den Ermittlungen.
Einschlag in Przewodow: „Es war eine ukrainische Rakete“
Bei dem Raketeneinschlag im polnischen Przewodow waren zwei Menschen ums Leben gekommen. „Was den Abschussort und die Zugehörigkeit zu einer konkreten militärischen Gruppierung angehört, war es eine ukrainische Rakete“, gab der Minister den letzten Stand der Ermittlungen wieder. Schon damals hatten Polen und die Nato erklärt, der Einschlag sei wahrscheinlich durch eine ukrainische Flugabwehrrakete verursacht worden, die zur Abwehr russischer Raketenangriffe abgefeuert worden war. Verantwortlich sei letztlich aber Moskau wegen des Angriffskriegs gegen die Ukraine.
Panzer, Drohnen, Luftabwehr: Waffen für die Ukraine




Das Dorf Przewodow liegt nur sechs Kilometer von der Grenze zur Ukraine entfernt. Der Westen ging nach dem Einschlag am 15. November 2022 relativ schnell davon aus, dass dort eine ukrainische Flugabwehrrakete niedergegangen war, die zur Verteidigung gegen Angriffe des russischen Militärs eingesetzt wurde. Unmittelbar nach der Explosion gab es in Medienberichten aber auch Spekulationen über eine russische Rakete.
Warschau will in Zukunft keine Waffen mehr an die Ukraine liefern
Ziobro, Vorsitzender der PiS-Koalitionspartei Solidarna Polska (Solidarisches Polen), kritisierte einen mangelnden Kooperationswillen der ukrainischen Ermittlungsbehörden bei der Aufklärung des tödlichen Vorfalls. Das gehe schon seit Monaten so, beklagte der Justizminister. Er gehe davon aus, dass es sich um eine Entscheidung auf „hoher politischer Ebene“ handele.
In Polen laufen derzeit die Vorbereitungen für die Parlamentswahlen am 15. Oktober. Jüngste Streitigkeiten zwischen Polen und der Ukraine entstanden rund um ein polnisches Importverbot für ukrainisches Getreide. Die Staats- und Regierungschefs beider Länder machten sich gegenseitig schwere Vorwürfe. Warschau erklärte, dass es seine Waffenlieferungen an die Ukraine auf bereits abgeschlossene Verträge beschränken und „Beleidigungen“ aus Kiew nicht tolerieren wird. (skr/afp/dpa)
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