Kolumne vom Meteorologen Dominik Jung
Wettermodell mit beunruhigender Prognose: Deutschland droht 2025 ein Rekordsommer
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Obwohl es derzeit stürmt und regnet, prognostiziert das ECMWF einen Rekordsommer. Wie seriös sind solche Vorhersagen? Eine Wetter-Kolumne von Dominik Jung.
Hamm – Langfristprognosen wie die des europäischen Wettermodells ECMWF (European Centre for Medium-Range Weather Forecasts) basieren nicht auf klassischer Wettervorhersage, sondern auf sogenannten Klimatendenzen. Diese nutzen aktuelle globale Zustände – etwa Meerestemperaturen, Luftdruckverteilungen, Zirkulationsmuster und Strahlungsbilanz – und simulieren mit Supercomputern, wie sich das Wetter über Wochen bis Monate hinweg wahrscheinlich entwickeln wird.
Das geschieht mit sogenannten Ensembleläufen, also vielen leicht variierten Modellrechnungen. Statt exakter Tageswerte liefert das Modell Aussagen wie: „Mit hoher Wahrscheinlichkeit wird der Sommer wärmer als im langjährigen Mittel“. Eine Garantie ist das nicht – aber ein ernstzunehmender Fingerzeig auf großskalige Klimatrends.
Warum prognostiziert das ECMWF einen extrem heißen Sommer 2025?
Die aktuelle ECMWF-Prognose sieht für Deutschland und Mitteleuropa eine starke Abweichung über dem Temperaturnormalwert für die Monate Juni, Juli und August 2025. Dafür verantwortlich sind mehrere Faktoren: Zum einen ist der Atlantik ungewöhnlich warm, was die Ausbildung stabiler Hochdrucklagen über Europa fördert. Zum anderen könnte ein anhaltender El-Niño-Effekt die globale Atmosphäre weiter aufheizen.
Auch Klimamuster wie die Nordatlantische Oszillation (NAO) zeigen Anzeichen, die auf langanhaltende Wärmephasen hindeuten. Das bedeutet nicht, dass es durchgehend sonnig oder heiß sein wird – wohl aber, dass sich die Zahl heißer Tage, Hitzewellen und Tropennächte stark häufen könnte. Das momentane Pfingstwetter mit Sturm, Regen und Gewittern steht dazu nicht im Widerspruch – kurzfristiges Wetter ist nicht gleich langfristiges Klima.
Wetter vs. Klima: Warum „Klimapanik“ ein populistisches Schlagwort ist
Die Behauptung, Klimawarnungen seien Panikmache, ignoriert fundamentale wissenschaftliche Erkenntnisse. Die Erwärmung ist nicht nur eine Modellrechnung, sondern messbare Realität: Seit Beginn systematischer Wetteraufzeichnungen 1881 hat sich die mittlere Sommertemperatur in Deutschland bereits um über 2 °C erhöht. Das ist belegt – durch offizielle Daten des Deutschen Wetterdienstes (DWD), durch internationale Klimadatenbanken und durch weltweit anerkannte Forschungsinstitute.
Der Begriff „Rekordsommer 2025“ ist keine mediale Erfindung, sondern ergibt sich aus einer fundierten Analyse physikalischer Prozesse. Und: Auch langfristige Modelle wie das ECMWF werden von hoch qualifizierten Meteorologen und Klimaforschern entwickelt – auf Basis von naturwissenschaftlich validierten Algorithmen, nicht aufgrund von politischen Absichten.
Klimadaten aus dem Eis: Wie wir das Klima der letzten 800.000 Jahre kennen
Auch vor 1881 existieren belastbare Klimadaten – insbesondere aus Eisbohrkernen. In der Antarktis und in Grönland wurden über Jahrzehnte mehrere Kilometer tiefe Eissäulen gebohrt, in denen Luftblasen aus vergangenen Zeiten eingeschlossen sind. Über Isotopenanalysen, den CO₂-Gehalt der eingeschlossenen Luft und den Aufbau der Eisschichten lassen sich Temperaturverläufe und Klimaschwankungen bis zu 800.000 Jahre zurück rekonstruieren.
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Das Ergebnis: Noch nie stieg die globale Durchschnittstemperatur so rasant wie seit Beginn des Industriezeitalters. Diese Erkenntnis ist zentral für das Verständnis heutiger Entwicklungen – und stützt die Warnungen moderner Klimamodelle. Der Sommer 2025 wird nicht durch ein einzelnes Wetterereignis geprägt sein, sondern durch ein übergeordnetes Klimasignal. Wer das ignoriert, betreibt nicht Aufklärung, sondern Verdrängung.
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