Erinnerung an Zweiten Weltkrieg

Nach Macrons Nato-Vorstoß droht Putin mit Eskalation – CDU-Mann warnt schon vor „schwerem Fehler“

  • Hannes Niemeyer
    VonHannes Niemeyer
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In seiner Rede an die Nation drohte Putin auch dem Westen mit nuklearen Waffen. Unterschwellig geht die Warnung besonders an Frankreichs Präsident Macron.

Moskau – Mit Spannung war die Rede zur Lage der Nation von Wladimir Putin erwartet worden. Große Brisanz wurde ihr vorhergesagt. Nicht nur wegen des Todes von Kreml-Kritiker Alexej Nawalny und der bald anstehenden Russland-Wahl, sondern auch wegen des neu schwelenden Konfliktes in Transnistrien. In der Rede kam es dann allerdings doch ein wenig anders.

Rede zur Lage der Nation: Nach Nato-Vorstoß wendet Putin sich indirekt, aber deutlich an Macron

Mehr und mehr verkam die über einstündige Ansprache des Kreml-Herrschers zu einer Art Wahlkampf-Werbespot. Investitionen versprach Putin – und davon nicht zu wenige. Milliarden sollten ins eigene Land fließen, in verschiedenste Bereiche wie Bildung, Fischerei, Landwirtschaft, Familien und auch das Militär. Die großen, drängenden weltpolitischen Themen fanden kaum oder gar keine Beachtung.

Dass die selbsterklärt autonome Region Transnistrien, gelegen zwischen Moldau und der Ukraine, um den Schutz Russlands gebeten hatte, brachte Putin entgegen der Einschätzungen von Experten nicht einmal zur Sprache. Ebenso wenig erwähnte er den Tod seines ärgsten Gegenspielers Nawalny – was allerdings weniger verwunderlich scheint. Auch um den Ukraine-Krieg ging es nur kurz. Zu Beginn bedankte Putin sich bei den dienenden Soldaten und bei der für die Rüstung produzierende Industrie. Dann folgte eine Ansage an den Westen – und recht deutlich an Emmanuel Macron.

In seiner Rede zur Lage der Nation ging Putin mit deutlichen Worten auf Macrons Nato-Vorstoß ein.

Nukleare Gefahr? Nach Macron-Satz erinnert Putin an Zweiten Weltkrieg

Der französische Präsident hatte kürzlich für Aufsehen gesorgt, als er sagte, die Entsendung von Nato-Truppen in die Ukraine sei nicht mehr ausgeschlossen. Putin erwähnte Macron zwar nicht explizit, seine Warnung davor, eine solche Entsendung könnte „tragisch“ enden, zielte aber in eine klare Richtung.

„Alles, was sie sich derzeit einfallen lassen, womit sie die Welt erschrecken, schafft die reale Gefahr eines Konflikts mit dem Einsatz von Atomwaffen, was die Zerstörung der Zivilisation bedeutet“, sagte Putin. Gleichzeitig griff er auch zu einer Anspielung, die vermutlich auf den Zweiten Weltkrieg abzielt: „Ich möchte an das Schicksal derjenigen erinnern, die schonmal Truppen in unser Land gesendet haben“.

Panzer, Drohnen, Luftabwehr: Waffen für die Ukraine

Die Bundeswehr nutzt den Kampfpanzer Leopard in verschiedenen Varianten seit 1979. Bewaffnet mit einer 120-Millimeter-Kanone lassen sich in den jüngeren Modellen von vier Soldaten an Bord Ziele in einer Entfernung bis zu 5000 Metern bekämpfen. Die Ukraine erhält Panzer des Typs Leopard 2 A6. Das 62,5 Tonnen-Gefährt war bei seiner Einführung im Jahr 2001 als verbesserte Variante des A5 etwa mit neuer Hauptwaffe versehen worden. Das Modell A6M verfügt zudem über einen erhöhten Minenschutz.
Der US-Kampfpanzer M1 Abrams gleicht dem Leopard 2 in weiten Teilen. Den M1 Abrams gibt es seit 1980 in mittlerweile drei Hauptvarianten. Seit dem Modell M1A1 ist eine 120-Millimeter-Kanone an Bord. Die vier Insassen werden von einer Stahl-Panzerung vor Angriffen geschützt. Mit 1500 PS kommt der je nach Modell bis zu 74 Tonnen schwere Abrams auf eine Höchstgeschwindigkeit von knapp 68 Kilometern pro Stunde. Anders als der Leopard 2 wird der M1 Abrams über eine Gasturbine mit Kerosin angetrieben.
Die Hauptwaffe der US-amerikanischen Bradley-Schützenpanzer besteht aus einer 25-Millimeter-Maschinenkanone M242 Bushmaster, die zwischen 100 und 200 Schuss pro Minute verschießen kann. Zudem sind die gepanzerten Kettenfahrzeuge, die nach General Omar N. Bardley benannt sind, mit Maschinengewehren des Typs M240 sowie panzerbrechende Raketen ausgestattet. Die Besatzung umfasst bis zu zehn Soldaten: Fahrer, Kommandant, Richtschütze sowie bis zu sieben Soldaten als Infanterietrupp. Der Panzer wurde dafür konzipiert, im Verbund mit Panzerartillerie und Kampfhelikoptern zu operieren.
Beim AMX-10 RC aus Frankreich handelt es sich um einen amphibischen Spähpanzer. Der Panzer wird aufgrund seiner schwereren Panzerung und Bewaffnung hauptsächlich bei der Aufklärung eingesetzt. Ausgestattet ist er mit einer 105-Millimeter-Kanone, wodurch er auch als Panzerjäger verwendet werden kann. Die Besatzung besteht aus mindestens vier Soldaten. Bei einer Gefechtsmasse von 14,2 Tonnen ist der Panzer mit 85 km/h extrem mobil.
Panzer, Drohnen, Luftabwehr: Waffen für die Ukraine

Putins Nuklear-Drohung in neuer Rede: CDU-Mann Röttgen warnt bereits vor „schwerem Fehler“

Wie real eine Gefahr eines nuklearen Angriffs Russlands wirklich ist, weiß vermutlich nur Wladimir Putin selbst. CDU-Außenpolitik-Experte Norbert Röttgen warnt allerdings bereits davor, die erneute Drohung des russischen Herrschers für bare Münze zu nehmen. „Es ist ein schwerer Fehler, die Drohungen Putins zum Maßstab unseres Handelns zu machen“, sagte Röttgen am Donnerstag der Funke Mediengruppe. „Das nimmt Putin zu Recht als Schwäche wahr, und unsere Schwäche ermuntert Putin zur nächsten Drohung oder Gewaltanwendung.“

Putin habe bereits „voll eskaliert“, sagte Röttgen. „Atomwaffen sind für ihn keine Option, weil er damit China als wichtigsten Verbündeten verlieren würde und die amerikanische Abschreckung funktioniert.“ (han/mit Material der dpa)

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