„Schwarzes Gold“

Russlands Öl-Einnahmen rückläufig - Indien nun der größte Abnehmer

  • Patrick Freiwah
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Der Öl-Export gehört zu Russlands wichtigsten Einnahmequellen. Westliche Sanktionen sollen dies unterbinden - und wirken sich auf die Energie-Einnahmen aus.

Moskau/Neu-Delhi - Vor mehr als zwei Jahren wurde auf EU-Ebene ein Öl-Embargo gegen Russland verhängt, im Zuge des Ukraine-Kriegs. Seitdem gibt es eine Abfolge unterschiedlicher Meldungen, inwiefern sich die Sanktionen gegen den Kreml auf die Wirtschaft des Landes auswirken. 

Nun sind die Erträge der russischen Föderation aus “schwarzem Gold” offenbar rückläufig: Laut Bloomberg befinden sich die russischen Einnahmen aus dem Ölexport auf dem niedrigsten Stand seit vier Monaten, das Portal bezieht sich auf Daten der Internationalen Energieagentur. 

Schlag gegen Putin und Russlands Wirtschaft: Öl-Einnahmen aktuell offenbar rückläufig

Im Juni beliefen sich Russlands Einnahmen aus Ölexporten auf rund 16,7 Milliarden US-Dollar, was einem Rückgang von 1,2 Prozent gegenüber dem Vormonat entspricht. Somit sind die Einnahmen seit einem Höchststand von fast 19 Milliarden Dollar im Februar 2024 weiter gesunken. Warum das für den Westen von Bedeutung ist: Der Export von Öl und anderen fossilen Brennstoffen ist ein zentraler Bestandteil der russischen Wirtschaft und bildet auch das Rückgrat der finanziellen Unterstützung der Kriegsmaschinerie.

Der Rückgang der Umsätze geht mit einer Abnahme der Ölexporte einher, die von 7,7 Millionen Barrel pro Tag im Vormonat auf 7,6 Millionen Barrel pro Tag gesunken seien. Inwiefern die Verringerung der Einnahmen mit der warmen Jahreszeit zusammenhängen, wird in dem Bericht nicht genannt.

Ölexporte in Russland: Steuereinnahmen gegenüber 2023 gestiegen

Ein Großteil des russischen Öls wird angeblich weiter über der Preisobergrenze von 60 Dollar pro Barrel gehandelt, welche die westlichen Verbündeten der Ukraine Ende 2022 einführten. Um die Folgen der Sanktionen weitgehend abzuwenden, setzt Russland Berichten zufolge auf eine „Schattenflotte“ unversicherter Tanker, über die das Öl in EU-Staaten gelangt.

Ölraffinerie in der russischen Stadt Omsk: Die Einnahmen des Landes mit „schwarzem Gold“ sind rückläufig.

Verglichen mit den Steuereinnahmen des Vorjahres-Zeitraums sieht es für den Kreml dagegen rosig aus: Trotz der sinkenden Gesamteinnahmen brachten die russischen Ölsteuern 6,7 Mrd. US-Dollar ein, fast 50 Prozent mehr als im letzten Jahr. Inwiefern diese Finanzstatistik jedoch für den aktuellen Zeitraum steht, scheint allerdings unklar:

Schlag gegen Russlands Wirtschaft: Ölraffinerien im Visier ukrainischer Drohnenangriffe

Bloomberg betont, dass veränderte Gesamteinnahmen nicht zwangsläufig eine geringere Summe an Öleinnahmen für die russische Regierung bedeutet. Die monatlichen Einnahmen können erheblich schwanken, was mitunter den jeweiligen Zeitplänen unterschiedlicher Steuerzahlungen geschuldet sei.

Zuletzt hat der Westen im Ukraine-Konflikt auch zu militärischen Maßnahmen gegriffen: Um eine der wichtigsten Einnahmequellen zu treffen, griff die Ukraine die russische Ölindustrie mit Langstrecken-Drohnenangriffen an. Bereits vor einigen Monaten berichtete Bloomberg, dass durch diese Attacken etwa 12 bis 14 Prozent der russischen Ölraffinerie-Kapazitäten lahmgelegt worden seien.

Putins Zirkel der Macht im Kreml – die Vertrauten des russischen Präsidenten

Zu den Scharfmachern im Ukraine-Krieg gehört auch Ramsan Kadyrow.
Am 2. März 2007 wählte das tschetschenische Parlament ihn auf Putins Vorschlag zum Präsidenten des Landes
Der russische Außenminister Sergei Lawrow ist so etwas wie „Putins rechte Hand“.
Seit Beginn des Ukraine-Kriegs wiederholt Lawrow seine Vorwürfe, der Westen führe in der Ukraine Krieg gegen Russland.
Putins Zirkel der Macht im Kreml – die Vertrauten des russischen Präsidenten

Hoffnung für Russlands Wirtschaft? Putins wichtigster Öl-Abnehmer nun offenbar Indien

Derweil ist Indien nach Angaben der Regierung in Moskau zum größten Abnehmer von russischem Öl aufgestiegen. „Indien ist der wichtigste Markt und zum heutigen Tag für uns im Energiesektor einer der Schlüsselpartner“, wird Russlands Vizeregierungschef Alexander Nowak von der Nachrichtenagentur Interfax zitiert. Seinen Angaben nach hat Russland vergangenes Jahr 90 Millionen Tonnen Öl nach Indien geliefert. Die Lieferungen zwischen Russland und der größten Demokratie der Welt hätten sich gegenüber 2022 verdoppelt.

Nowak äußerte sich am Rande eines Besuchs von Indiens Regierungschef in Moskau. Narendra Modi traf dabei erstmals seit Kriegsbeginn Kremlchef Wladimir Putin. In der russischen Hauptstadt besprachen beide Staatschefs einen Ausbau der wirtschaftlichen Kooperation. Beim Ukraine-Krieg ruft Indien zu einer diplomatischen Lösung auf, verurteilt den Angriffskrieg aber nicht und beteiligt sich nicht an Sanktionen. (PF mit Material der dpa)

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